ein wenig besser konditioniert , ordentlich aufgeschlagen und mit der Spitze nach vorn , echt militärisch aufgesetzt war . Hinter ihm waren eine Menge Generale , dann die Adjutanten , endlich die Reitknechte . Das ganze Rondell ( jetzt Belle-Alliance-Platz ) und die Wilhelmstraße waren gedrückt voll Menschen , alle Fenster voll , alle Häupter entblößt , überall das tiefste Schweigen , und auf allen Gesichtern ein Ausdruck von Ehrfurcht und Vertrauen , wie zu dem gerechten Lenker aller Schicksale . Der König ritt ganz allein vorn und grüßte , indem er fortwährend den Hut abnahm . Er beobachtete dabei eine sehr merkwürdige Stufenfolge , je nachdem die aus den Fenstern sich verneigenden Zuschauer es zu verdienen schienen . Bald lüftete er den Hut nur ein wenig bald nahm er ihn vom Haupte und hielt ihn eine Zeitlang neben demselben , bald senkte er ihn bis zur Höhe des Ellbogens herab . Aber diese Bewegung dauerte fortwährend , und sowie er sich bedeckt hatte , sah er schon wieder andere Leute und nahm den Hut wieder ab . Er hatte ihn vom Halleschen Tore bis zur Kochstraße gewiß zweihundertmal abgenommen . Durch dieses ehrfurchtsvolle Schweigen tönte nur der Hufschlag der Pferde und das Geschrei der berlinischen Gassenjungen , die vor ihm tanzten , jauchzten , die Mützen in die Luft warfen , oder neben ihm hersprangen und ihm den Staub von den Stiefeln abwischten . Bei dem Palais der Prinzessin Amalie angekommen , das jetzt dem Prinzen Albrecht gehört , war die Menge noch dichter , denn sie erwartete ihn da . Er lenkte in den Hof hinein , die Flügeltüren gingen auf und die alte , lahme Prinzessin Amalie , auf zwei Damen gestützt , die Oberhofmeisterin hinter ihr , wankte die flachen Stiegen hinab , ihm entgegen . Sowie er sie gewahr wurde , setzte er sich in Galopp , hielt , sprang rasch vom Pferde , zog den Hut , umarmte sie , bot ihr den Arm und führte sie die Treppe wieder hinauf . Die Flügeltüren gingen zu , alles war verschwunden , und noch stand die Menge , entblößten Hauptes , schweigend , alle Augen auf den Fleck gerichtet , wo er verschwunden war , und es dauerte eine Weile , bis jeder sich sammelte und ruhig seines Weges ging . « In seinem achten Jahre erhielt Marwitz einen Hofmeister . Er hieß Herr Rosa , war ein völliger Ignorant , aber ein rechtschaffener Mann . Die Unterrichtsmethode , nach der er verfuhr , erwies sich als die einfachste von der Welt , bewährte sich aber durchaus . Schröckhs allgemeine Weltgeschichte , um ein Beispiel für seine Methode zu geben , wurde vorgelesen , was ungefähr ein Jahr lang dauerte . War die letzte Seite gelesen , so wurde mit der ersten wieder angefangen . Der Sonnabend gehörte der Repetition . Nachdem Marwitz seinen Schröckh zweimal durch hatte , fingen diese Repetitionsstunden an , eine Redeübung zu werden . Marwitz , mit gutem Gedächtnis ausgerüstet , hatte den Inhalt des Buches beinahe wörtlich im Kopfe und sah sich dadurch in den Stand gesetzt , jedes Kapitel wie eine Erzählung vorzutragen . Der Vorteil , der dadurch gewonnen wurde , war ein doppelter : die Dinge saßen fest fürs Leben und die Gewohnheit des Vortraghaltens gewann ihm die nicht hoch genug zu schätzende Fähigkeit , aus dem Stegreif zusammenhängend reden zu können . Dreizehn Jahre alt trat Marwitz als Junker in das Regiment Gensdarmes , also in dasselbe Regiment , in dem schon so viele Marwitze , darunter zwei seiner Oheime , gedient und Ruhm und Auszeichnung gefunden hatten . Dieser Eintritt verstand sich ganz von selbst ; an die Möglichkeit eines andern Berufs war im Vaterhause nie gedacht worden . Marwitz gedachte dessen immer voll Dank , denn wie wenig auch die Verhältnisse ihm zu Gunst und Willen gewesen waren , immer blieb er dabei , daß das Leben des Kriegers das schönste und der Krieg der Prüfstein des Mannes sei . In etwas einseitiger , aber charakteristischer Auffassung schrieb er darüber noch kurz vor seinem Tode : » Zu vieles Lernen ertötet den Charakter . Im Kriege nur fallen all die Künste weg , welche den Schein an die Stelle des Verdienstes setzen . Diese Eigenheit des Krieges wird nicht genugsam erkannt . Blick und Urteil unter erschwerenden Umständen , Tapferkeit und Ausdauer können nirgends anders als im Kriege gezeigt und erprobt werden . Nur hier kann man mit Sicherheit auf den Charakter des Menschen schließen . « Marwitz war also Junker im Regiment Gensdarmes . Wie er zeitlebens alles ernst nahm , so auch den Dienst . Der noch knabenhafte Körper mußte dem starken Willen gehorchen , und der Junker avancierte zum Kornett und Offizier . Klein wie er war , machte ihm das Reitenlernen die größte Schwierigkeit , aber je mehr er diese Schwierigkeit empfand , desto mehr war er bestrebt , sie zu überwinden . Zu jeder Tageszeit saß er zu Pferde , gab aufs genaueste bei denen acht , die als die besten Lehrer und Stallmeister galten , und fragte , versuchte und quälte sich so lange , bis er endlich völlig triumphierte und zu einem der besten Reiter des Regiments wurde . Das wollte damals etwas sagen ; denn wenn man den Erzählungen und Berichten Glauben schenken darf , die Marwitz über diesen Gegenstand – dem er auch in späterer Zeit noch besondere Aufmerksamkeit widmete – hinterlassen hat , so war die Kunst des Reitens nur in der alten Armee zu Hause und wurde in die neue Heeresorganisation nicht mit herübergenommen . Während des Krieges und nach demselben saß man noch zu Pferde , aber man ritt nicht mehr . Mit wahrer Begeisterung gedachte deshalb Marwitz seiner Leutnantstage , wo diese Kunst noch geblüht hatte , und erzählte mit Vorliebe von den Jagdspielen , die damals von Kavallerieoffizieren der Berliner Garnison im Tiergarten aufgeführt wurden . Leutnant Rothkirch von den Gensdarmes ( » ein gewaltiger Reiter , wie es