zu Madame Fuld getreten ... Ein junger Dandy war es , der bei seinen vielen Reisen im Ausland seine deutsche Muttersprache verlernt zu haben schien und bei den einfachsten Begriffen stockte , um sie zuletzt englisch oder französisch vorzubringen . Moritz flüsterte seiner Schwägerin ( die in der Mitte des Gartens in der schattigen Rotunde eines mit vier Eingängen durchbrochenen Rebenspaliers , auch hier auf gußeisernen , mit Polstern belegten Stühlen , anmuthsvoll die Honneurs machte und durch die Strahlen eines von Blumen umzogenen Springquells aus der Ferne gesehen , in ihrem wassergrünen seidenen Kleide , fast einem Grandville ' schen Naturgeist , einer personificirten Libelle ähnlich sah ) nach einigen Beobachtungen des Herrn von Binnenthal brummend die Bemerkung zu : Ich weiß nicht , dieser Baron hat immer das Deutsche an den Stellen vergessen , wo man eben erwartet von ihm einen Gedanken zu hören ! Frau Bernhard Fuld sprach jedoch holdseligst mit dem Baron , ohne sich im mindesten von der grämlichen Kritik des Schwagers stören zu lassen . Wieder klingelte die große Pforte des Eingangs . Wieder eine Anmeldung » aus der Pairskammer « , wie Moritz sagte , der im Geiste mehr in Paris , als in Drusenheim zu leben schien . Diese neuen Ankömmlinge wurden vor Bewunderung der Villa gleich vorn gefesselt . Terschka und Binnenthal unterhielten die Wirthin und Moritz horchte und studirte vor sich hin und auf dem Gartenboden , wie es schien , nur Botanik . Herr von Binnenthal hatte allerdings alle Eigenthümlichkeiten der Weinreisenden . Er konnte mitten in eine Phrase über die von Terschka angeregte Schönheit der alten belgischen Bauten eine Zwischenrede mit der Wendung einwerfen : » Meine gnädigste Frau , dieses weniger ! « Oder Frau Bettina , wie sie statt Betty dem seit einigen Jahren erschienenen Briefwechsel Goethe ' s mit dem Kinde zu Liebe genannt wurde , ungeduldig über die draußen gefesselten Gäste , wollte einen Schmetterling haschen . Es mislang ihr und Baron Binnenthal nannte diese kleine graziöse Unterbrechung , die der schönen Frau allerliebst stand : » Eine verfehlte Speculation ! « Als er einige male , wetteifernd mit dem immer gefallsamen Terschka , der aus dem : » Küss ' die Hand ! « gegen Frau Bettina nicht herauskam , von » schiefgewickelten « Ideen sprach , erregten diese Ausdrücke wol bei beiden großes Gelächter , Moritz jedoch hatte auf der Lippe , seinen Bruder Bernhard zu fragen , ob dieser in dem Eifer nach Vornehmheit vergessen hätte , sich den Paß des Herrn von Binnenthal zeigen zu lassen . Und dabei bekam Moritz wahrhaft Mitleid mit dem armen Seligmann , der sich hinter den äußersten Stachelbeerhecken versteckte und je mehr Menschen kamen , ganz gegen das Naturell seines Stammes , desto weiter sich zurückzog . Immer größer und größer wuchs die Zahl der Connexionen . Nun sah man , daß man in Homburg und Baden-Baden die Liebenswürdigkeit selbst gewesen war . Jeder , der auf seiner Rückreise den schönen Strom berührte , war aufmerksam gemacht worden , die Villa im Enneper Thale zu besuchen ... So auch ein Herr von Guthmann mit Gattin ... So auch zwei englische Ladies , die mit Ponies an fuhren und mit Mappen kamen , um nach Tisch vielleicht noch die Gegend aufzunehmen ... So auch ein großer » Exporteur in Landesproducten « aus Hamburg mit zwei Schwestern ... Bernhard gerieth in eine gegen seine sonstige blasirte Haltung immer mehr zunehmende Aufregung . In dieser gab er sogar den Bedienten den Befehl , den so » lauernd schleichenden « Seligmann ganz aus dem Garten zu verweisen . Moritz machte zu alledem den Beobachter und bemerkte bereits Manches . Z.B. als das von Guthmann ' sche Ehepaar in den Garten getreten war ... Herr von Binnenthal entfaltete gerade ein Brillantfeuerwerk von » famosen « oder » schaurigen « Thatsachen aus dem Badeleben Ostendes und Scheveningens und hatte auf die Frage des Herrn von Terschka , ob Herr von Binnenthal auch ein Schwimmer wäre , wieder die geistreiche Antwort gegeben : » Dieses weniger ! « - als seine Blicke des Herrn von Guthmann ansichtig wurden und vom Momente an verstummte Herr von Binnenthal . Moritz konnte diese auffallende Beobachtung um so mehr machen , als ihn Frau von Guthmann interessirte ; eine seine graziöse Erscheinung war es , nicht mehr ganz jung , aber von gefälligem Eindruck und einem ohne Zweifel im Salon gebildeten Benehmen . Als sie selbst mit einem jener Misverständnisse , die in Gesellschaft mit neuen Bekanntschaften oft vorkommen , sich selbst in ein längeres Gespräch mit Herrn von Binnenthal eingelassen hatte und erst allmählich erkannte , daß sie sich an ihr ebenbürtigere Persönlichkeiten hätte wenden müssen , stand doch Herr von Guthmann lange genug allein , um über den Eindruck , den auch ihm Herr von Binnenthal zu machen schien , von Moritz beobachtet zu werden . Dies schien der Eindruck des höchsten Erstaunens zu sein . Offen sprach Herr von Guthmann zu Moritz seine feste Ueberzeugung aus , in jenem jungen Manne einen gewissen Oskar Binder wiederzuerkennen , der - Nun freilich nahm er Anstand , die Antecedentien eines Mannes offen anzugeben , der hier in solchem Kreise bei Rittern der Ehrenlegion verweilen konnte und von Pferden , Hunden und von Güterankäufen sprach . Daß auch ihm der Makel anklebte , auf eine nicht besonders motivirte Weise Bankrott gemacht zu haben und mit der geschiedenen Frau eines angesehenen Mannes , gegen deren Aufführung die sprechendsten Beweise an Ort und Stelle vorlagen , sich von Weib und Kind entfernt , dann diese Frau und mit ihr den selbstgegebenen Adel geheirathet zu haben , um ein speculatives Leben in den Bädern zu führen - das war allein der Anstand , der Herrn von Guthmann verhinderte , offener mit der Wiedererkennung seines frühern Commis hervorzutreten . Seine Frau führte mit diesem gerade eine liebenswürdige und höchst charmante Causerie , ganz noch als wenn sie in seinem Bazar stünde und unter Scherz und Bewunderung der vorgelegten Stoffe