nicht todtgeschlagen , dann möchte ich aber zu dir kommen und bei dir bleiben . - Ich bin gewiß überzeugt , du hast auch Waffen zu Haus - Säbel oder Pistolen oder auch nur ein Messer . « » Und wozu das ? « » Damit ich mich wehren kann , wenn sie mich wieder fortbringen wollten . - Ja , hätte ich nur an dem Abend mein kleines Gewehr gehabt , das hat ein ganz spitzes Bajonnet , oder hätte mir Einer ein Messer gegeben . « - Bei diesen Worten ballte er seine kleinen Hände und erhob sie drohend gegen das Nebenzimmer . Der Fremde betrachtete ihn einen Augenblick lächelnd , und , wie es schien , mit großem Wohlgefallen . Dann legte er die Hand vor die Augen und sprach wie zu sich selber : » Bei dem Anblick dieses Knaben treten blutige Bilder aus meiner Jugend lebendig hervor . Ganz so stand ich da , nur mit dem Unterschiede , daß ich wirklich ein Messer in der Hand hielt . - Eigenthümlich ! « Darauf ging er mit raschen Schritten an das Fenster , blickte hinaus und murmelte : » Richtig ! Mathias ist nicht mehr da . Ich wußte es ja . « - Er wandte sich hierauf an den Meister Schwemmer und sagte : » Ist Jemand im Hause , der das Kind heute Nacht in den Fuchsbau bringen kann ? « » Der Sträuber wird noch da sein , « entgegnete der Hausherr ; und dann rief er in ' s Nebenzimmer hinein : » Geh ' , such ' den Sträuber , er muß sich noch im Haus befinden . « Darauf vernahm man , wie das Weib die Küche verließ und wie sie kurze Zeit nachher mit Jemand im Gange flüsterte . Der Fremde lehnte sich ruhig wartend an den Tisch , und Meister Schwemmer blickte mit der demüthigsten Miene von der Welt nach der Stubenthüre , die sich jetzt langsam öffnete . Herr Sträuber trat ein und blieb , den Hut in der Hand haltend , mit gesenktem Kopfe am Eingange stehen . » Ah ja , Herr Sträuber ! - Der Beste der Besten ! « sagte der Fremde , unverkennbar mit tiefer Verachtung . - » Sie sind mir als Begleiter dieses jungen kleinen Herrn da nicht der Liebste ; aber man nimmt , was man hat . - Hören Sie mich an ! « Der Andere war auf diese ziemlich laut gesprochenen Worte augenscheinlich zusammengefahren und wagte es nicht , den Kopf zu erheben ; er drehte nur seine Augen in die Höhe und erwiderte mit leiser Stimme : » Ich höre . « » Sie gehen also mit diesem Kinde auf dem geradesten Wege nach dem Fuchsbau ; doch verstehen Sie mich wohl : auf dem geradesten Wege , halten auch nirgendwo an und sprechen mit Niemand , Sie schauen gerade vor sich hin und lassen mir das Herumgaffen bleiben ; es könnte Aufsehen erregen , und ich kenne Sie . - Nehmen Sie sich aber ja in Acht , Herr Sträuber , « fuhr er in lauterem Tone fort , » daß Sie von dieser Instruktion nicht eine Idee abweichen ; es könnte Ihnen schlecht bekommen . - Im Fuchsbau wird Mathias sein ; ihm übergeben Sie den Knaben , er soll ihn für heute Nacht anständig unterbringen . Morgen erhält er meine Befehle . « » Und mit dem soll ich gehen ? « fragte das Kind . » Nur eine kleine Strecke , « erwiderte bestimmt der Fremde . - » Also Gott befohlen ! Morgen wirst du zu deiner Frau Fischer kommen oder vielleicht zu einem Herrn , der es gut mit dir meint . « - Damit reichte er ihm die Hand , und der Kleine folgte seinem Führer , der bereits in den Gang hinaus getreten war . Der Fremde trat an die Thüre und schaute ihnen nach , wie sie durch die Hausflur dahin gingen . - » Ich empfehle Ihnen den geradesten Weg , Herr Sträuber , « wiederholte er nochmals und setzte lächelnd hinzu : » Mit dem Kinde werden Sie keinen Versuchungen ausgesetzt sein , denn es ist ja ein Knabe und trägt keine Ohrringe . « Sobald die Tritte der Beiden draußen im Hofe verhallt waren , schlug der Fremde sein Mantelende wieder über die rechte Schulter , nickte dem Meister Schwemmer leicht mit dem Kopfe zu und verließ ebenfalls das Haus . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Am gleichen Abend hielt Graf Fohrbach mit Arthur ein Rendezvous in dem Kaffeehause auf dem Kastellplatze . Beide Freunde hatten sich schon mehreremal in ihren Wohnungen verfehlt und sich schriftlich diese Zusammenkunft gegeben . Sie waren längere Zeit in einem hinteren Zimmer allein gewesen und hatten eifrig mit einander gesprochen . Der Gegenstand dieser Unterredung , den der geneigte Leser wohl errathen wird , war für den Grafen so wichtig , daß er es sogar vergessen hatte , Arthur zu fragen , wie er am Neujahrsabend in jener uns ebenfalls bekannten Angelegenheit für ihn gehandelt und welches Resultat seine Unterredung mit der jungen Dame gehabt habe . Die Beiden verließen nun das Kaffeehaus und schritten in fortgesetztem Gespräch über den Kastellplatz dahin . » Also sein Gesicht konnten Sie damals nicht sehen ? « fragte der Graf . » Nein , das war unmöglich , wie ich Ihnen schon sagte , « erwiderte Arthur , » denn er hatte den Mantel dicht um den unteren Theil des Gesichts geschlungen . « » Aber die Stimme glaubten Sie wirklich zu erkennen ? « » Ich glaube nicht , daß ich mich darin täusche : es war die des Barons . Nur sprach er die Worte anders aus , als es sonst seine Art ist ; er redete kräftig , energisch , ja befehlend . «