Stadt an ... Vor einem , ungeachtet es erst dämmerte , doch glänzend erleuchteten Hause - dem der Schwester Anna ' s - hätte er unter vielen glänzenden Wagen , die vor dem gußeisernen Gitter auf der Chaussee warteten , auch einen , der dem Justizrath Schlurck gehörte , leicht heraus erkennen müssen ; doch war er zu bewegt , um jetzt auf Dinge zu achten , die um ihn her vorgingen .. Gerade durch die sich mühsam ausweichenden zur großen Soirée beim Intendanten heranrollenden , eleganten Wagen mußte er hindurch ... Hätte er aufgeblickt , würd ' er bekannte Menschen genug wahrgenommen haben , die alle zu Paulinen ' s Festabend fuhren ... Auch Melanie ! Er sah aber nicht auf . Er sah auf die weiße Rose , die eben erst frisch gebrochen schien , denn noch war sie feucht von der Abendluft oder durch die erquickende Hand des Gärtners , der die Beete Abends netzte ... Er gedachte der andern Blumen , die er auf dem kleinen Rasen am Hause hatte liegen lassen , er hätte fast umkehren und sie sich noch holen mögen . Was Blumen ! sagte er aber zu sich selbst und raffte sich gewaltsam aus seinen Träumen auf . Es war die höchste Zeit , zur rechten Stunde in die entlegene , verrufene Brandgasse und dort das Haus Nr. 9 zu kommen , wo ihn das Wiedersehen des Bruders und die erneute Bekanntschaft Fritz Hackert ' s erwartete . Ende des dritten Buches . Viertes Buch Erstes Capitel Zwei unverstandene Seelen Nicht hundert Schritte von der bescheidenen ländlichen Wohnung der Fürstin Adele Wäsämskoi entfernt lag die uns schon bekannte reizende Villa der Geheimräthin Pauline von Harder zu Harderstein . Gegen die stille , gemüthliche Abendunterhaltung , der Siegbert Wildungen wie durch die seltsamste Überraschung des Zufalls in jenem von Rudhard etwas despotisch beherrschten Kreise beigewohnt hatte , bildete den auffallendsten Gegensatz die Vorbereitung der glänzenden Soirée , die Pauline von Harder in aller Eile noch für den Abend » improvisirt « hatte ... Die Geheimräthin verfügte über einen gewissen Kreis , den sie zu jeder Stunde des Tages , wie es in ihrer raschen Sprache hieß , » zusammentrommeln « konnte . Ein Besuch wie der der d ' Azimont , eine Bekanntschaft wie die der gefeierten allgemein bewunderten Schönheit Melanie Schlurck , mußte ihre nothwendige » Staffage « haben und soviel sie auch veranlaßt war , beide Frauen nur allein zu genießen , die kleinen » Etablissements « fehlten in ihren Sälen nicht , um mitten im rauschenden Gewühle sich ungestört allein zu fühlen und sich » auszusprechen « . Der Eifer , mit dem die Geheimräthin , unterstützt von der Gesellschaftliebenden und für ihr Alter sehr zerstreuungssüchtigen alten Charlotte Ludmer , diesen Abend in aller Eile » arrangirt « hatte , wurde noch angespornt durch ein Billet des Justizrathes ... Franz Schlurck schrieb nicht nur , daß seine Tochter sich hochgeehrt fühlen müsse , in die Nähe einer so vornehmen Dame dringen zu dürfen , sondern fügte noch hinzu , daß er im Stande sein würde ihr recht angenehme Dinge mitzutheilen und sie sich darauf verlassen könnte , schon am morgenden Tage im Besitz des verlorenen Bildes zu sein , dessen Spuren er entdeckt und auch gefunden hätte , daß es mit diesem Bilde eine geheimnißvolle Bewandtniß haben müsse . Er fühle , daß es Zeit zum » Handeln « würde ... Dieses Billet kam freilich gerade mitten in eine sehr verdrießliche häusliche Scene hereingebrochen , die sie und die Ludmer mit der Excellenz aufführten ... Die » junge Excellenz « hatte sich in der That erst gegen Mittagszeit eingefunden und verrieth so sehr alle Kennzeichen eines bösen Gewissens , daß die beiden Frauen ( denn auch die Ludmer nahm sich von selbst die Freiheiten heraus , die Pauline durch ihre Stellung behaupten durfte ) in einen grimmen Zorn geriethen und ihm » kindische Streiche « vorwarfen , über die er beichten sollte . Der Geheimrath machte eine sehr verblüffte Miene . Er legte sich aufs Leugnen und blieb bei den Versicherungen seines Diensteifers und der in dem Möbelwagen deshalb absichtlich zugebrachten Nacht mit aller Hartnäckigkeit eines Schulknaben , der den alten Satz der Jesuiten : Si fecisti , nega ! mit einer solchen Sicherheit durchführt , daß die Lehrer selber an ihm irre werden und von seiner Unschuld aufs vollkommenste überzeugt sein müssen . Excellenz gestanden den Verlust des Bildes ein , bekannten sich aber für völlig » unschuldig « und drohten mit einer Untersuchung , die sie schon auf ' s Nachdrücklichste gegen den Hohenberg ' schen Justizdirector von Zeisel hätten einleiten lassen . Kurt Henning Detlev Harder zu Harderstein vertröstete die Frauen damit , daß sie ohne Zweifel bald sehr klar sehen würden ... Wie gesagt , da die Geheimräthin den Brief von Schlurck empfing , so ließ sie die » Bétisen « ihres Gatten so » hingehen « und schenkte ihm nach dem scharfen Verhör , in dessen Klemme er mit Zittern gesteckt hatte , mit dem Bedeuten , er sollte die nähere Unterhandlung mit Herrn von Zeisel ihr nur allein überlassen - Pauline war diese Weisung , die ihrem Gemahl genug auffiel , der Fürbitte schuldig , die Schlurck für seinen Freund von Zeisel am Morgen erhoben hatte - endlich die Freiheit . Bei Tische wurde wenig gesprochen . Pauline hatte der Gedanken zu viele zu verarbeiten und Alles , was Herr von Harder etwa Neues brachte , z.B. das allgemeine Aufsehen , das die Erkrankung des Prinzen Egon machte , die Ankunft der d ' Azimont , die Aussicht auf ihre Beziehungen zur Fürstin Wäsämskoi , die Schwankungen des Ministeriums , die Wahlen , der Reubund , die drohenden Zerwürfnisse zwischen der Stadt und der Regierung und das schlimme Beispiel , das daraus für die Provinzen entstehen würde , alle diese Anspielungen , in denen sich Excellenz , die sonst nur von ihren Schlössern und Gartenanlagen , den Dienstvergehen der Castellane und Inspectoren , den