mehr aus Freude , wie aus Schmerz ! So war sein Schicksal weniger traurig , als ich es erwarten mußte - so genoß er Liebe , treue Hingebung an der Seite der edelsten Menschen ! Ach , und er vergaß mich nie ; denn - sprechen Sie es aus - sein Vermächtniß war Elmerice ! « Gerührt unterbrach Lord Duncan den beruhigenden Erguß ihrer Gefühle nicht . Still und voll Ehrfurcht blickte er auf diese schöne , würdige , weibliche Erscheinung , die mit allen Zuständen Frieden schließt und ihnen ihren Stachel zu nehmen weiß . » Lord Duncan , « sagte sie nach einer kleinen Weile - » welches Licht giebt mir dieser Augenblick über mich ! Wie unwahr sind wir noch immer gegen uns - und neben welchen absichtslosen Täuschungen gehen wir her , als ob wir sie nicht sähen ! Was Sie mir jetzt aussprechen , ist die Ahnung der langen Vergangenheit , seit Margarith Lester mir in schüchternen Andeutungen ihre Liebe , ihre Vermählung mittheilte . Seit ich Elmerice sah , und aus ihren Erzählungen über ihren Vater Manches mir erschien , als ob eine liebe Hand den Schleier von einem unverwischlichen Bilde wegzöge - seitdem belebte sich diese Ahnung aufs neue ! O , Lord Ducan , nehmen Sie mein Bekenntniß an : selbst das schöne Antlitz meiner Elmerice rief theure Züge in mir zurück ; - und dennoch , dennoch hüllte ich mich schüchtern gegen die Wahrheit ein ! Aber ich liebe dies theure Kind so zärtlich , so hingebend , wie ich nur vermocht hätte , wenn mir die Wahrheit aufgedeckt gewesen wäre ; und all meine Einrichtungen für ihre Zukunft nach meinem Tode , gestalteten sich so , wie es der Witwe Reginald ' s - mein schönster Titel blieb dies immer - zukam ! O Mylord , wie froh bin ich , sagen zu können : ich war vor Ihrer Ankunft entschlossen , nach Ste . Roche zu gehen ; und nicht alle meine Pflichten habe ich aus kränklicher Schonung meines verwöhnten Gefühles vernachläßiget . « » Reginald « - hob hier Lord Duncan an - » kannte Sie so genau , theure Freundin , daß er gerade so , wie es geschehen ist , den Gang Ihrer Empfindungen voraussetzte . Nicht ich sollte Elmerice begleiten ; und da seine Gemahlin ihn überlebte , sollte auch diese erst der Tochter nach Frankreich folgen ! Elmerice sollte alle Nachrichten über sein Leben ahnend in Ihnen vorbereiten , und wir nur hinzutreten , um das zu geben , was Ihnen dann noch fehlen würde . « » So fahren Sie fort , « sagte Franziska d ' Aubaine mit Fassung . Aber sie stützte ihr Haupt mit der Hand und entzog ihr Gesicht , damit dem Lord die Zeichen ihres tief erregten Gefühles beschämt verhüllend . Mit einer edlen Schonung erzählte Lord Duncan weiter : » Nachdem Herr Lester zu einiger Fassung zurückgekehrt war , richtete er seine ganze Aufmerksamkeit auf seinen unglücklichen Neffen und bemühte sich , ihm eine Stütze zu werden . Sie begreifen , mit welcher Liebe und Bewunderung er den reich angebauten Geist , das edle Herz desselben erkennen lernte ; wie stolz er im Laufe der Zeit auf ihn ward und wie er ihm seine achtungsvollste Freundschaft schenkte . « » Doch sein und Reginald ' s dringendstes Verlangen , einen Wirkungskreis , eine Thätigkeit zu finden , scheiterte wiederholt an Reginald ' s zerstörter Lebenskraft . Sein Aufenthalt in der Bastille , die er unter den heftigsten Seelenleiden , nach einer kaum überwundenen Krankheit , ohne die nöthige Pflege bewohnen mußte , hatte eine hartnäckiges Siechthum veranlaßt , das ihn viele Jahre nach einander zu derselben Zeit aufs Krankenlager warf und endlich die Aerzte zu dem Ausspruche nöthigte , daß die Luft in England diesem Zustande nachtheilig werde . Doch konnte Reginald in jener Zeit nicht an seine Abreise denken ; denn sein geliebter Oheim verlor nach kurzem Krankenlager die würdige Gefährtin seines Lebens . « » Auf ihrem Sterbebette vertraute sie Reginald die Liebe ihrer Tochter und sagte ihm , sie wünschte , daß er sie heirathe ; denn Margarith mache keinen Anspruch an seine Liebe , die er ja doch niemals für ein anderes weibliches Wesen werde empfinden können - Margarith werde wie seine Schwester ihm zur Seite bleiben , seine schwankende Gesundheit stützen und das Leben ihm liebevoll erleichtern . Doch verbat sie sich jede Zusicherung des erschrockenen Reginald und verließ bald darauf die Welt . « » Von da an lernte unser Freund erst Margarith kennen ; denn bei ihrer ersten Bekanntschaft in Ardoise hatte Reginald keinen Raum gehabt für die Wahrnehmung einer anderen weiblichen Erscheinung ; aber er näherte sich ihr mit dem Wunsche , durch sein Vertrauen sie von den Gefühlen abzulenken , die erregt zu haben , ihm Kummer machte . Aber seine Annäherung hatte andere Folgen ! Jetzt erst trat hervor , was Margarith bisher bescheiden ihm entzogen , daß sie noch immer die Freundin , ja , die Vertraute der Gräfin Franziska war - daß ihre Liebe mit der seinigen um den Rang stritt , und sie das Band werden würde , das ihn mit dem einzigen Glücke seines Lebens in Verbindung erhalten könnte . Sie waren von da an unzertrennlich ; - und wie er fühlte , daß er die Neigung des edeln Mädchens , statt sie zu verringern , gesteigert habe , bot er ihr seine Hand an und wiederholte ihr , was sie wußte , daß er ihr kein Herz zu geben habe . « » Schon damals kannte ich seine Anwesenheit in England ; Herr Lester hatte mir ausführlich sein Schicksal mitgetheilt . Zu derselben Zeit wiederholten sich die Versuche des Grafen Leonin , Reginald auszuforschen ; da , nach dem im Kloster erfolgten Tode der alten Marschallin , wahrscheinlich sein Verlangen erwachte , sich den Sohn wiederzugewinnen . Auch ich bekam Aufforderungen und ich gestehe , daß ich es versuchte , meinen Einfluß