durch andere , als durch stille Taten beizusteuern , aber was ihm versagt blieb , wurde seinen drei Söhnen um so reichlicher gewährt . Diese drei Söhne waren : August Ludwig , Alexander und Eberhard . Nur dem Namen des Ältesten begegnen wir in der Friedersdorfer Kirche . Über der Eingangstür , in ziemlicher Höhe , befindet sich ein reicher , in drei Felder geteilter Goldrahmen , in dessen Mittelfeld wir das Bildnis August Ludwigs von der Marwitz , rechts und links aber die Bildnisse seiner beiden Frauen erblicken . Besonders das Bildnis seiner ersten Frau , einer geborenen Gräfin Brühl , zeichnet sich durch einen Ausdruck gewinnender Liebenswürdigkeit aus und prägt sich dem Gedächtnis des Beschauers ein . Über den Charakter und reichen Lebensinhalt dieses für die Entwicklungsgeschichte unseres Vaterlandes bedeutungsvollen Mannes spreche ich nunmehr ausführlicher in dem folgenden Kapitel . Friedrich August Ludwig von der Marwitz Friedrich August Ludwig von der Marwitz Er hats verschmäht sich um den Kranz zu mühen , Den unsre Zeit , die feile Modedirne , Geschäftig flicht für jede flache Stirne , – Er sah nach oben , wo die Sterne blühen . Die Marwitze haben dem Lande manchen braven Soldaten , manchen festen Charakter gegeben , keinen aber braver und fester , als Friedrich August Ludwig von der Marwitz , dessen Auftreten einen Wendepunkt in unserem staatlichen Leben bedeutet . Erst von Marwitz ' Zeiten ab existiert in Preußen ein politischer Meinungskampf . Das achtzehnte Jahrhundert mit seinem rocher de bronze hatte hierlands überhaupt keinen Widerstand gekannt , und die Opposition , die während der drei vorhergehenden Jahrhunderte , von den Tagen der Quitzows an bis zum Regierungsausgange des Großen Kurfürsten , oft ernsthaft genug hervorgetreten war , war immer nur eine Opposition des Rechts oder der Selbstsucht gewesen . Ein Ideenkampf auf politischem Gebiete lag jenen Tagen fern . Das geistige Leben der Reformationszeit und der ihr folgenden Epoche bewegte sich innerhalb der Kirche . Erst die Französische Revolution schuf politisch-freiheitliche Gedanken , und aus der Auflehnung gegen den siegreichen Strom derselben , aus dem ernsten Unternehmen , Idee mit Idee und geistige Dinge mit geistigen Waffen bekämpfen zu wollen , gingen wahrhaft politische Parteien und ein wirklich politisches Leben hervor . Derjenige , der , meines Wissens , zuerst den Mut hatte , diesen Kampf aufzunehmen , war Marwitz . Ich gedenke – zum Teil nach seinen eigenen Worten und Aufzeichnungen – zunächst die äußern Fakten seines Lebens und im Anschluß daran eine Schilderung seines Charakters zu geben . Die gereifteren und deshalb ruhigeren Anschauungen , zu denen sich unsere politischen Parteien hindurch gearbeitet haben , ermöglichen es uns , mit Unbefangenheit an unsere Aufgabe heranzutreten . Wie viele auch , mit größerem oder geringerem Recht , bestrebt sein mögen , Einzelparagraphen des Konservatismus zu bekämpfen , das Prinzip selbst ist von jedem Denkenden anerkannt . Die Tage des Kampfes sind nicht vorbei , nur die der Verdächtigung sind hoffentlich überwunden . Wir wünschen uns frischen und freien Wind in den Segeln unseres Staatsschiffs , aber wir brauchen auch den rettenden Anker , der uns auf tiefem Grunde mit seinem Eisenzahne festhält , wenn die frische Brise zum Sturme zu werden droht . Und ein solcher Anker war unser Marwitz . Friedrich August Ludwig von der Marwitz wurde am 29. Mai 1777 zu Berlin geboren , wo seine Eltern , die nur den Sommer über in Friedersdorf lebten , ein Palais in der Wilhelmstraße bewohnten . Das bedeutendste Erlebnis seiner frühen Kinderjahre waren mehrmalige Begegnungen mit dem großen Könige , das erste Mal in Dolgelin , einem Dorfe in der Nähe von Friedersdorf . Er selbst hat die Begegnung in höchst anschaulicher Weise beschrieben . » Der Wagen hielt und der König fragte : › Ist das Dolgelin ? ‹ – › Ja , Ihro Majestät ‹ , lautete die Antwort . Dabei wurde umgespannt . Die Bauern , welche von weitem ganz still mit ehrerbietig gezogenen Hüten standen , kamen sachte näher und schauten den König begierig an . Eine alte Semmelfrau aus Libbenichen nahm mich auf den Arm und hob mich gerade am Wagenfenster in die Höh ' . Ich war nun höchstens eine Elle weit vom König entfernt , und es war mir , als ob ich den lieben Gott ansähe . Er sah ganz gerade vor sich hin durch das Vorderfenster und trug einen alten dreieckigen Montierungshut , dessen hintere gerade Krempe er nach vorn gesetzt und die Schnüre losgemacht hatte , so daß diese Krempe vorn herunter hing und ihn vor der Sonne schützte . Die Hutkordons waren losgerissen und tanzten auf dieser heruntergelassenen Krempe hin und her , die weiße Generalsfeder am Hut war zerrissen und schmutzig , die einfache blaue Montierung mit roten Aufschlägen , Kragen und goldenem Achselband alt und bestaubt , die gelbe Weste voll Tabak . Dazu hatte er schwarze Sammethosen an . Ich dachte immer , er würde mich anreden . Ich fürchtete mich gar nicht , hatte aber ein unbeschreibliches Gefühl von Ehrfurcht . Er tat es aber nicht , sondern sah immer gerade aus . Die alte Frau konnte mich nicht lange hoch halten und setzte mich wieder herunter . Da sah der König den Prediger , winkte ihn heran und fragte , wessen Kind das sei ? › Des Herrn von Marwitz auf Friedersdorf . ‹ – › Ist das der General ? ‹ – › Nein , der Kammerherr . ‹ – Der König schwieg , denn er konnte die Kammerherren nicht leiden . « Das zweite Mal , es war im Mai 1785 , sah unser Marwitz den König in Berlin . Die Schilderung , die er uns davon gegeben hat , ist nicht minder lebendig als die vorhergehende . » Er kam geritten auf einem großen weißen Pferde , ohne Zweifel der alte Condé , der nachher noch zwanzig Jahre lang das Gnadenbrot auf der école vétérinaire bekam . Sein Anzug war derselbe wie früher auf der Reise , nur daß der Hut