darauf , von welcher Seite man es sieht . Erhabener Stolz - Eitelkeit unbefriedigter Ruhmsucht - wie nahe hängt das zusammen ! Nein , Leonharts geistige Größe hatte zu moralischer Größe sich nie emporgeschwungen . Das höchste , das moralische Genie blieb ihm versagt . Wohl war ' s der Größenwahn des Genies , aber selbstüberhebender Größenwahn lallte auch hier . Die Krankheit des Jahrhunderts hatte auch ihn verzehrt , in ihm ihre herrlichste Beute gefunden . Sein Ich über alle menschlichen Schranken hinaus dem Schöpfer entgegenspreizen - das ist nicht Größe , das ist Großmannssucht . Die wahre Größe und die wahre Weisheit ist demüthig , weil sie es sein muß , ehrfürchtig dem Unerforschlichen sich beugend . Den Kampf an Jaboks Furth , Gott wider Mensch , besteht auch der stärkste Ringer nur mit verrenkter Hüfte . Wer Gott nur als Tyrannen anerkennt , der vom Gewaltthron niederglotzt auf den Freien , den er foltert , - der wird den Verborgenen nimmer schauen , der in Allem sich offenbarte , wird nie in inniger Gottverschmelzung den Weltumlauf vollbringen , wird nie sich freudig verbluten im heiligen Feuer der Lebensgemeinschaft mit Gott . Krastiniks Idol lag in Stücken . Das war kein Messias , das war ein schwacher sündiger Mensch wie alle , nur mit dem Zufall einer abnorm feinen Gehirnstruktur , vielleicht auch mit doppeltem Hirngewicht , wie sich bei Byron ' s phänomenal kleinem Schädel bei der Leichenobduction ergab . Das war alles . Höchstens seine innere Wahrhaftigkeit vor sich selbst , wie sie ja auch theilweise den verschwiegenen Blättern dieses Tagebuchs anvertraut , die unbestechliche Selbsterkenntniß erhob ihn über die Menge . Aber die rechte Selbsterkenntniß war es doch nicht . Denn die hätte ihn über sich selbst erhoben . Sich erkennen heißt Gott erkennen , aus dem menschlichen Nichts sich zum Ewigen hinüberretten in Demuth und Entsagung . Das alles wurde dem einsamen Denker nur halbbewußt und instinktiv klar . Er empfand es wie den Gnadenstoß , wie den Todesstreich seiner Geistesentwickelung . In dem Todten hatte er einen Uebermenschen und Heros gesehen , dessen Cultus er auch nach dem Tode mit der Pietät eines Jüngers bewahren durfte . Und nun lag dies Idol vor einer höheren Erkenntniß in Stücke gebrochen . Wo war hier der Kampf für eine große Sache ? Nur der Kampf für die kleine Sache des eigenen großen Ichs , das Durchsetzen seines Herrscherrechts , nur souverainer Egoismus , wenn auch erhabener Art , hatte dies dämonische Leben ausgefüllt . Und so hatte es denn an sich selbst die Strafe vollstreckt , die gerechte Strafe . Hänge Dein Herz nicht an Menschen ! Alles Vergängliche ist nur ein Gleichniß . - Krastinik barg sein Haupt in seine Hände und weinte bitterlich . Da - - wie , ein Telegramm aus Siebenbürgen , direkt » Bad Scheveningen « adressirt ? Was mochte das bedeuten ? - - Im Leben selbst überstürzen sich die Ereignisse so , daß man das Seltsam-Absichtliche des Zufalls kaum gewahrt . Aber dies war mehr als Zufall , das war Schicksalsfügung , wie so manches Frühere . Sein Bruder auf der Jagd mit dem Pferde gestürzt . Gefährliche Verletzung . Das sofortige Erscheinen Xavers wurde dringend erbeten . - - Was sollte er auch noch länger hier treiben ! Der Geistesarbeit hatte er ja Valet gesagt . Ja , die Phrenologie hatte gelogen , wie alles Andere auch . Auch sie ist Phrase und Humbug . Nur fort , fort von diesem Meere , dem Sinnbild der Ewigkeit , das ihn medusenäugig anstarrte . Und doch wie schwer , von ihm zu scheiden ! Wie schwer sich loszureißen , wenn man das Ewige angeschaut und den letzten Fragen ins Auge sah ! - - Das Meer hielt seine Siesta . Rings schillerten zahllose Sonnenpünktchen wie Myriaden goldener Mücken über der Tiefe . Freilich , so friedlich der glatte Spiegel , drunten in der Tiefe ist ' s fürchterlich . Da tobt der Kampf der Lebewesen , Einer frißt den Andern . Ein Bild der menschlichen Gesellschaft , die ja auch nur ein Abbild des Thierreiches . Die Felsblöcke , träge in der Brandung badend , glichen versteinerten Robben . Einer trug eine Wallroßftirn , ein Anderer eine Alligatorschnauze . Auf einem Steine , der von Wellen fast ganz umspült , stritten Sonne und Meer um die Herrschaft . Bald wurde der trockene Flecken in der Mitte der Steinspitze überschäumt , bald vergrößerte er sich sogar durch die jede Nässe verzehrende Leuchtkraft der Sonne . So kämpft in einer Seele , die von den Wogen des Lebens überschüttet , warme Lebenslust mit naßkalter Erstarrung . In der Ferne hüpften die Sprungwellen unablässig an einer Sandbank empor und über sie hin schwammen die Butterflecke der Sonne , wie Fettaugen auf einem Suppenteller . Der eigenthümliche Geruch des Seetangs ( wie ein erotisches Excrement des selbstverliebten Meeres ) mischte sich dem Salz-Ozon . Ein enteilender Dampfer ließ über die spiegelglatte Fläche das nachschleppende Silberband seiner Furche hingleiten . Ueber dem Ufer-Wald stand ein Regenbogen und eine Möve flitzte wie ein weißer Pfeil darunter hin . Die Segel der grünen Boote hoben sich goldgelb von der hellblauen Fläche ab , die wie in einer Waschschüssel teich-ruhig lag . Grüne Wasserstreifen zeichneten sich langgezogen in die windstille Fluth . Die Wolken bekamen einen matten Ton , goldgelb flimmerten die Dünenhügel , wie mit einer Bernsteinlasur überhaucht von der sinkenden Sonne . Es dunkelte . Laubumkränzte Kähne kehrten heim mit Musik und Lampions von einer Ruderwettfahrt . Feuerwerk stieg auf , Meerleuchten verklärte die dämmernde Ferne . Ein Dampfer draußen auf dem offenen Meer spritzte sein elektrisches Licht in trichterförmigem Strahl weithin , als bespritzte eine Gießkanne weite Rasenflächen . Ernstes feierliches Meer ! Wie du in Mondscheinnächten die Erde umwallst , so wallt ums weite All mit Fluth und Ebbe das große Weltgeschick . Wie mit Schlüsseln von lauterem Gold schien der Mond das Geheimniß der Tiefe zu erschließen . Wollustweich wie Brüste