den Tisch stützte . » Ich will Euch nun zum Abschied einen guten Rath geben , « sagte er mit seiner so eigenthümlich klingenden Stimme . » Thut Euch selbst den Gefallen und laßt die Geschäfte von der Art , wie das , worüber wir soeben verhandelt . In welchem Ruf Ihr in der Stadt und bei den Behörden steht , wißt Ihr selbst am besten ; die letzteren sind nun auf Euch besonders aufmerksam geworden , und die Polizei würde Euch heute Abend einen sehr unangenehmen Besuch geschenkt haben , wenn ich es nicht verhindert hätte . - Also nehmt Euch für die Zukunft in Acht ; wenn ich das nächste Mal komme , geschieht es nicht , um Euch zu warnen . « Bei diesen Worten wandte er sich nach der Thüre um und wollte das Zimmer verlassen ; doch blieb er plötzlich stehen und fragte : » Wer ist denn das ? « Meister Schwemmer , der mit zerknirschter Miene die Worte des Fremden angehört , blickte in die Höhe und sah den Buben , der sich hinter Richard unbemerkt in das Zimmer geschlichen hatte und bis jetzt ruhig an der Thüre stehen geblieben war . Er hielt seinen kleinen Körper gerade und aufrecht , schaute unbefangen in die Höhe und blickte den Mann im Mantel fest mit seinen blitzenden Augen an . Dabei hatte er ebenso wie dieser den linken Arm in die Seite gestemmt . » Das ist ein auffallendes Gesicht , « murmelte der Fremde und fuhr sich mit der Hand über die Augen . - » Dieser Blick ! Und die ganze Form des Kopfes . - Bei Gott ! seltsam . « - Er wandte sich rasch nach dem Hausherrn um und fragte : » Wem gehört dieses Kind ? « Dieser bückte sich demüthig und zog furchtsam die Achseln in die Höhe , als er entgegnete : » Ich weiß es nicht , Herr ; gewiß , ich weiß es nicht . « » Keine Lüge , Meister Schwemmer ! « - » Auf meine Seele , nein ! - Möge ich verderben , wenn ich nicht die Wahrheit sage . - Der Knabe wurde mir vor Kurzem durch eine Unterhändlerin gebracht , die ich nennen kann ; doch war auch das schon die zweite Hand , durch welche der Bube gegangen . « » Es ist möglich , daß Ihr diesmal nicht lügt , « erwiderte der Fremde mit einem sonderbaren Lächeln . » Ich will Euch was sagen , guter Meister Schwemmer : bis morgen Abend um sechs Uhr wünsche ich auf ' s Genaueste zu erfahren , wie die erste Hand heißt , die den Knaben in die zweite geliefert . - Habt Ihr mich verstanden ? « » Ja , Herr . - Soviel ich indessen weiß - « » Für jetzt nichts Weiteres ; ich mag keine Vermuthungen . - Also morgen Abend um sechs Uhr etwas , worauf ich mich verlassen kann ! - Wer bist du ? « wandte er sich an das Kind . » Das weiß ich nicht , « entgegnete der Knabe mit heller Stimme . » Ich kann dir nur sagen , daß ich Karl heiße , bei der alten Frau Fischer wohne und von hier fort will . « » So , du willst von hier fort ? - Also gefällt es dir da nicht ? « Das Kind blickte scheu um sich , und als es das Weib mit der rothen Nase nicht bemerkte , sagte es : » Ich mag nicht mehr bleiben ; sie sind so böse , namentlich das Weib mit der rothen Nase . Wir bekommen fast nichts zu essen , sie schlagen uns viel , und dann ist es drüben so arg kalt . « » Der legt ein gutes Zeugniß von Eurer Wirthschaft ab , « sprach der Fremde mit einem flammenden Blick . - » Aber es ist wirklich erstaunlich , « fuhr er ganz leise fort , » welche Aehnlichkeit ich da heraus finde , namentlich in den Augen ; ja sogar , wenn er spricht , die gleichen Bewegungen des Kopfes . - Aber das ist möglich ? - Bei Gott ! es könnte sein . Nun , wenn Jemand der Sache auf die Spur kommen könnte , so wäre ich der Mann dazu . - Du sprachst vorhin von einer Frau Fischer ; getraust du dir vielleicht das Haus , wo sie wohnt , aufzufinden ? « » Das ist gewiß nur ein falscher Name , den man dem Knaben gesagt , denn - « wagte Meister Schwemmer sich in das Gespräch zu mischen . Doch machte ihn ein Blick des Anderen plötzlich verstummen . » Von hier werde ich das Haus schwerlich finden , aber wenn man mich auf den Platz bringt , wo das schöne Schloß steht - ich habe da viel gespielt und die Soldaten gesehen - da glaube ich wohl , ich würde das Haus finden , wo die gute Frau Fischer wohnt . « - Dies sagte der Knabe mit einer freudigen Erregung , wobei seine Augen strahlten . » Nun gut , « erwiderte der Fremde , » den Versuch wollen wir morgen machen ; und du siehst mir gerade so aus , als wenn du zu halten im Stande wärest , was du versprichst . - Willst du mit mir gehen ? « » Gern ! gern ! « rief das Kind , und eine tiefe Röthe flammte auf seinem Gesichte auf . » Aber doch wohl noch lieber zu deiner Frau Fischer ? - Oder bliebst du gern beständig bei mir ? « Der Knabe besann sich einige Sekunden , dann warf er einen Blick auf den Meister Schwemmer und das Weib , das unter der Küchenthüre erschienen war , um sogleich wieder zu verschwinden . Hierauf antwortete er : » Zuerst möchte ich wohl die Frau Fischer wieder sehen , um ihr zu sagen , daß sie mich hier