, sie lächelte nur und sagte , indem sie sich erhob , um zu gehen , Anna fast in ' s Ohr : Sie sind ein Engel ! Nun noch eine halbe Umarmung mit der Fürstin , ein freundliches Nicken zu den Kindern , ein flüchtiges Ignoriren der Herren ... und die einflußreiche , kluge , aber vom Geschmack ihrer Umgebung ganz beherrschte Frau war dann endlich verschwunden . Siegbert hatte sich nur noch der flüchtigsten Notiznahme , Rudhard fast gar keiner mehr zu erfreuen gehabt . Man athmete auf . Anna , erlöst von einem Druck , umarmte jetzt erst noch einmal die Tochter ihrer Freundin .. Was wird die Brust leicht , sagte sie , wenn man nach einer zufälligen Annäherung an diese Hofatmosphäre wieder frei athmen kann ! Und doch meint es die Frau so gut ! Sie , liebe Fürstin , Sie müssen am Hofe als milder Stern aufgehen ! Sie sind jung und schön ! Ihnen wird diese Welt allerdings keinen Trost gewähren , aber doch Zerstreuung . Wenn Sie sich vorstellen lassen , schreiben Sie mir ' s ja ! Ich komme dann , erst Ihre Toilette zu bewundern . Darf ich mich darauf verlassen ? Die Fürstin sah lächelnd zu Rudhard hinüber , als wollte sie von ihm eine Ermuthigung zu irgend einer Antwort abwarten . Sie sind ein treuer , dankbarer Zögling , äußerte Anna sogleich diese Unentschlossenheit bemerkend . Sie hören noch jetzt auf Ihren Lehrer . Und Das dürfen Sie ! Vertrauen Sie dem erprobten Rudhard recht , wenn er auch Unrecht hatte , mir das Gethsemane der Trompetta gleich so rundweg mit dem garstigen Worte zu verurtheilen ... Rudhard kehrte sich nicht viel an diese gemüthliche Rüge , sondern meinte in seiner Art : In dieser Stadt , meine Liebe , muß man auf seiner Hut sein . Wir sind schlichte Naturkinder , kommen aus den Steppen und Haiden des Ostens und wollen uns recht gründlich hier Alles ansehen und erst prüfen , was sich uns zum Kaufe anbietet . Das Glänzende wird uns reizen , aber nicht bestechen . Die Wahrheit , die wir für ' s Leben eintauschen wollen , muß probehaltig sein ... Und wenn mein Freund da , Herr Wildungen , eine noch so schöne Zeichnung in das Gethsemane liefert , ich wittere in dem Album doch Das , was man Muckerei nennt . Er blieb dabei , wie Justus der Heidekrüger bei seinem Refrain über den Reubund . Die Kinder lachten über das komische Wort und die Frauen errötheten über den doch allzuderben , allzunüchternen Verstandesmenschen , der sich mit Anna , die ihm doch entgegenkam , nicht einmal über ein Wort versöhnen konnte ... Siegbert fühlte , daß es nun Zeit wurde , zu gehen . Er fürchtete ohnehin schon zu lange verweilt und Erörterungen beigewohnt zu haben , die für einen ersten Besuch bereits zu vertraut waren ... Die Sonne sank an dem Rand des Horizontes herab ... Er hatte es acht Uhr schlagen hören und gedachte seiner Verpflichtung , sich in der Brandgasse an der bezeichneten Stelle einzufinden . Die Fürstin forderte ihn mit größerer Wärme , als sie bisher gezeigt hatte , auf , sie bald wieder zu besuchen ... Anna von Harder aber wünschte ihm die Gunst aller Musen und die frohesten Stimmungen . Sie sprach dies Wort unendlich wohlwollend und gütig . Es lag Siegberten in dem Abschied von dieser Frau etwas , was ihm zu sagen schien : Wir sehen uns gewiß wieder und werden unsern gegenseitigen Werth noch besser kennen lernen ! Anna blieb . Siegbert trennte sich fast schwer von ihr . Die Kinder und Rudhard gaben ihm bis draußen das Geleite ... An dem Spalier der Seitenfront des Hauses , an dem man vorüber mußte , um in den Vorgarten zu kommen , stand der alte Bediente von Tempelheide mit einem Shawl auf dem Arm und wartete seiner Herrin .. Vor dem Thorweg stand die alte Kutsche , die Hackert so verspottet und eine Karrete genannt hatte ... Nun , sagte Siegbert zu dem Alten in gelb und blauer Livrée - es war derselbe , der ihm den Wein gereicht - nun , es fehlte doch vor acht Tagen nichts an dem Silberzeug auf dem Tische in Tempelheide ? Der Alte horchte hoch auf und verstand nicht gleich . Als Sie mir den Wein gebracht hatten ! Wissen Sie noch ? sagte Siegbert mit Nachdruck , um das Gedächtniß des Alten zu stärken . Ah ! jetzt verstand der und sagte : Nein , nein , Alles ist richtig gewesen ! Bitte ! bitte ! Siegbert ging nach dieser ihm und Hackerten gewordenen Genugthuung wohlgemuth vorüber ... Wie er eben an der Ecke der Seitenfront war , fiel von oben aus einem Fenster eine Hand voll frischester Blumen über ihn her .. Sie kamen von Jemand , den man nicht sah . Die Kinder riefen : Olga ! ohne daß diese sichtbar wurde .. Siegbert raffte sich eine weiße Rose von den Blumen auf und sah empor , um zu danken ... Es war aber Niemand da , den er dankend noch grüßen konnte .... An der Pforte versicherte er Rudhard , daß er sich ihm außerordentlich verpflichtet fühle für die Einführung in diesen interessanten Kreis , morgen schon hoffe er mit seinem Bruder verständigt zu sein , um ihm , wenn es ginge , das Geheimniß des Bildes einzuhändigen . Welches Bildes ? fragten die Kinder . Das Ihr bei Herrn Wildungen zeichnen lernen sollt ! sagte Rudhard und während die Kinder darüber ihre Freude aussprachen , setzte dieser hinzu : Ich hoffe , daß wir uns auch über diesen Unterricht verständigen werden . Siegbert mochte nicht widersprechen . Seine Rose betrachtend , antwortete er lächelnd , um nur der Erörterung auszuweichen : Freundlicher kann man , um wiederzukommen , doch wol nicht gemahnt werden ? Mit diesen Worten zog er die Pforte zu und trat mit beschleunigten Schritten seinen Rückweg in die