meine Schande könnte ich noch allenfalls überstehen , Oswald , aber nicht deine ; nein , wahrhaftig nicht . Deine Ehre sitzt mir tiefer im Herzen , als meine . Und so mußt du mir auch von Herzen vergeben , Oswald , daß ich nicht dein Liebchen , wie du wolltest , werden mochte , und ich weiß auch gar nicht , wie der böse Gedanke in dein gutes Herz gekommen ist . Ich hätt ' es auch nimmer geglaubt , aber du hattest gelogen , Oswald , und die Lüge ist aller Laster Siegel . Wer unter der Heimlichkeit einhergeht , der hat , was er verbergen muß , und wer seinem Mädchen etwas vorlügen kann , der will sie auch nicht in Wahrheit zu seiner Frau nehmen . Deshalb glaubte ich dem alten Bauer , was er mir von dir sagte , und wäre beinahe gestorben an dem Glauben . Es soll dir nun alles vergeben sein , alles , von meiner Seite ganz von Herzensgrunde , und wir wollen einander recht , recht freundlich Adieu sagen , wenn du wieder gesund bist , und wenn du stirbst , so will ich dir einen Busch Goldlack auf das Grab setzen und mich totweinen darauf . Ach , wie hast du mich so betrüben können ? wenn ich dich ansehe , ist es mir noch immer unbegreiflich . Aber ich zürne dir nicht , zürne du mir nun aber auch nicht ! Wie gerne wäre ich deine Gräfin geworden , und dann hättest du mich ja am dritten Tage nach der Hochzeit verstoßen können , so hätte ich doch an deinem Herzen geruht , und hätte in Ehren dran geruhet , Oswald ! « Die innerste Seele des Mädchens schwatzte in diesem Geplauder , welches zuweilen von schweren Seufzern und heftigem Schluchzen und Erkundigungen nach seinem Befinden unterbrochen wurde . Aber wie stand es um Oswald ? Glücklich . Er horchte auf , er ahnete , er schloß den Zusammenhang ; durch alle Schmerzen seiner wunden Brust ging ein himmlisches Erkennen . Er wußte nun , daß er nur verleumdet worden war , daß die keuscheste und ehrenzarteste Liebe nicht einen Augenblick aufgehört hatte , ihm anzugehören . Um seine Wangen begann ein seliges Lächeln zu spielen , die Augen öffneten sich und helle Zähren der Wonne blinkten darin . Lisbeths liebliches Antlitz schwamm vor diesen schwimmenden Blicken , sie kam ihm leuchtend , wie eine Heilige kam sie ihm vor . Er konnte nicht sprechen , aber ein Zeichen mußte er ihr geben . Er hob seinen rechten Arm auf , zeigte Lisbeth mit einer freundlich-schmerzlichen Miene den Ring , den er noch an einem Finger der rechten Hand trug von der Dorfkirche her , legte sie auf sein Herz , führte dann den Ring zum Munde und streckte die Hand gen Himmel , dann ließ er sie wieder auf seine Brust sinken und zog dann ihre Hand herbei , sie in die seinige zu legen und sie mit ihr vereinigt auf seiner Brust ruhen zu lassen . Dazu sah er sie mit einem Blicke an , daß , wenn zwölf Zeugen von ihm vor dem Richter ausgesagt hätten : » Diesen haben wir morden sehen « , und er mit einem solchen Blicke seine Unschuld versichert hätte , der Richter ihm und nicht den zwölf Zeugen geglaubt haben würde . Ein zärtliches Mädchen ist ein gläubiger Richter in solchen Dingen . - Lisbeth folgte seinen Gebärden mit der Aufmerksamkeit bräutlicher Liebe und als sie den Sinn gefaßt hatte , da sagte sie weiter nichts als : » Ah ! « - Aber in diesem Laute war alle Wonne , die seit dem Anfang der Zeiten in menschlichen Herzen gewallt hatte . Es war ihr , als sei sie auf dem Hochgerichte , wo man sie unschuldig hinrichten wollen , begnadiget worden , bei lebendigem Leibe war sie in den Himmel erhoben worden ; in den Himmel seiner unbefleckt gebliebenen Liebe . - » O mein Gott ! « sagte sie und konnte sonst nichts vorbringen . Ein Zittern der Entzückung durchflog ihren Körper , sie meinte zu sinken und den geliebten Freund aus ihren Armen zu verlieren . Da nahm sie sich zusammen , um nicht durch ihre Unruhe ihm zu schaden . Nun wußte sie , daß sie seine Frau Gräfin werde , wenn er nicht sterbe , und Oswald hatte recht gehabt , sie machte sich nicht sonderlich viel aus der Frau Gräfin , sie wollte es ebenso gern sein , wie sie Frau Försterin geworden wäre . So fanden Lisbeth und Oswald einander wieder . Stumm ruhte ihr Auge an seinem und seines an ihrem und die herzlichsten Tränen flossen von den Wimpern . Die Hände blieben auf seiner Brust vereinigt , sanft streichelte sie seine Finger , zumal den , an welchem er den Ring trug , den Dolmetsch des hergestellten süßesten Einverständnisses . - Ein Jüngling lag , vom heftigsten Blutsturze erschöpft , dem Tode nahe und sein Mädchen war bei ihm und wußte das , und Jüngling und Mädchen waren dennoch beide glückselig . Achtes Buch Weltdame und Jungfrau Erstes Kapitel Worin der Diakonus vom Zufall und von der wahren Liebe spricht Mehrere Wochen nach jenem glücklichen Unglück ging die junge Dame Clelia mit dem Diakonus in seinem Garten auf und nieder . Der Oberamtmann Ernst , der die dunkleren Stellen des württembergischen Gesetzbuches doch endlich ergründet hatte und daran vorderhand nichts weiter zu studieren fand , saß gelangweilt in einer Jelängerjelieber-Laube , und ihr Gemahl schoß mit einer Windbüchse , die er irgendwo aufgetrieben , hinter dem Garten unter Bäumen nach Sperlingen . Es war ganz still in dem Predigerhause . Die Fenster eines Zimmers , welche nach dem Hofe hinausgingen , waren grün verhangen und unter diesen Fenstern saß Lisbeth mit einer weiblichen Arbeit beschäftigt . Die junge Dame Clelia , welche ein leichtes Gähnen nicht verbergen konnte , sprach zum Diakonus : » Lieber Herr Prediger , sagen