es eines Tages vornahm und von dem Blute reinigte ; aber Ulrich geberdete sich ja wie ein Wüthrich , daß ich es ihm auch nur angerührt hatte . Er hat es in seiner Lade . “ „ Ah , es war also nur ein Vorwand , um mir das Gewünschte zu verweigern ! “ rief Wilberg gekränkt und mit einem Blicke des Vorwurfs auf Ulrich , der mit verbissenem Aerger zugehört hatte und jetzt beinahe höhnisch sagte : „ Geben Sie sich nur zufrieden , Herr Wilberg ! das Tuch bekommen Sie doch nicht ! “ „ Und weshalb nicht , wenn ich fragen darf ? “ „ Weil ich es behalte ! “ erklärte Ulrich lakonisch . „ Aber , Hartmann – “ „ Wenn ich einmal Nein gesagt habe , dann bleibt es dabei ; das wissen Sie doch , Herr Wilberg ! “ Wilberg hob Augen und Hände zum Himmel empor , als wolle er diesen zum Zeugen der ihm widerfahrenen Beleidigung anrufen , aber plötzlich sanken seine Arme schlaff hernieder und er selber schnellte ebenso plötzlich in die Höhe , als eine Stimme hinter Martha sagte : „ Können Sie mir nicht Auskunft geben , liebes Kind – Ah , Herr Wilberg ! Ich störe wohl eine lebhafte Unterhaltung ? “ Der Angeredete stand sprachlos , aber mindestens ebenso sehr vor Verzweiflung als vor Entzücken über diese unerwartete Begegnung , denn ihn überkam das vernichtende Bewußtsein , daß er vor der gnädigen Frau , die ihn bisher immer nur im feinsten Gesellschaftsanzuge gesehen hatte , sich jetzt in blauem Paletot , grünem Shawl und einer von dem scharfen Winde arg gerötheten Nasenspitze präsentiren müsse . Er wußte , wie unvortheilhaft ihm diese Farbenzusammenstellung zu Gesicht ließ , und hatte sich erst vor einer Stunde feierlichst gelobt , wenigstens den grünen Shawl durch einen kleidsameren zu ersetzen , und nun führte ihn der tückische Zufall so vor die Augen seines Ideals ! Herr Wilberg wünschte sich in die tiefsten Tiefen der Schachte und behielt nichtsdestoweniger noch Besinnung genug , sich über Hartmann zu ärgern , der noch mit dem ganzen Staube der Arbeit auf den Kleidern dicht vor der gnädigen Frau stand , und noch dazu wie eine Bildsäule dastand , ohne sich auch nur zu regen . Eugenie war den Weg entlang gekommen , der an dem Hause vorüberführte , und unbemerkt in das Gärtchen getreten , wo sie zunächst nur das junge Mädchen bemerkt hatte . Sie erhielt vorläufig keine Antwort auf ihre letzte Frage ; die beiden Männer schwiegen , bis Martha das Wort nahm ; sie hatte nur einen einzigen Blick auf ihren Vetter geworfen bei dem plötzlichen Erscheinen der Dame , und wandte sich jetzt rasch zu ihr . „ Wir redeten gerade von dem Spitzentuche , das die gnädige Frau damals zum Verbinden hergab , und das noch immer nicht zurückgegeben ist . “ „ Ah so , mein Tuch ! “ sagte Eugenie gleichgültig . „ Das hatte ich in der That ganz vergessen , aber da Sie es so sorgfältig aufbewahrt haben , mein Kind , so geben Sie es mir zurück . “ „ Ich nicht , Ulrich hat es ! “ Martha ’ s Blick flog wieder zu ihm hinüber , so finster forschend , wie das erste Mal , und auch Eugenie schaute etwas befremdet auf den jungen Mann hin , der noch nicht einmal gegrüßt hatte . „ Nun denn Sie , Hartmann ! Oder wollen Sie es mir nicht zurückgeben ? “ [ 89 ] Herr Wilberg hatte von Neuem Gelegenheit , sich über Ulrich ’ s „ abscheuliches Betragen “ zu ärgern , denn dieser stand noch immer unbeweglich da , die Stirn finster zusammengezogen , die Lippen fest aufeinandergepreßt , kurz mit dem Ausdrucke jenes starren Widerstandes , mit dem er sich einst beim Eintritt in den Salon gewaffnet . Man sah es ja , daß er den Haß gegen die junge Gemahlin seines Chefs erst förmlich niederkämpfen mußte , aber diesmal siegte doch seine bessere Natur . Herr Wilberg beobachtete es ganz deutlich , wie bei dem ersten Tone jener Stimme ihn die Scham über sein Benehmen durchzuckte , wie sie ihm glühend roth bis an die Stirn emporstieg und sogar seiner Haltung das Feindselige , Trotzige nahm . Jedenfalls war auch die vorhergegangene Strafpredigt nicht ohne Wirkung geblieben , wie hätte sonst dieser eisenköpfige Hartmann , dem nichts mit Güte oder Gewalt abzuzwingen war , sich auf eine bloße Frage hin in stummem Gehorsam gefügt , wie jetzt , wo er in ’ s Haus ging und bereits nach Verlauf von einigen Minuten mit dem Tuche in der Hand wieder zurückkam . „ Hier , gnädige Frau . “ Eugenie steckte das Tuch zu sich , auf das sie nicht den geringsten Werth zu legen schien . „ Und nun , Herr Wilberg , da ich Sie hier finde , können Sie mir wohl die beste Auskunft geben . Ich habe zum ersten Male den Weg hier entlang genommen und finde die Brücke , die zum Parke führt , durch ein Gitter geschlossen . Ist es nicht zu öffnen , und muß ich den Umweg zurück durch die ganzen Werke nehmen ? “ Sie wies auf die nur wenige Schritte entfernte Brücke , die über einen kleinen Graben führte , der den Park nach dieser Seite hin abschloß , und die in der That durch ein Eisengitter gesperrt war . Herr Wilberg befand sich in Verzweiflung . Das Gitter war wirklich verschlossen ; man wollte den Park damit für die Arbeiter , deren Wohnungen zum Theil auf dieser Seite lagen , unzugänglich machen , aber der Gärtner hatte den Schlüssel , Willberg wollte eilen , fliegen , um ihn herbeizuschaffen , wenn die gnädige Frau sich entschließen könnte , so lange zu warten , bis – „ O nicht doch ! “ unterbrach ihn Eugenie , ein wenig ungeduldig . „ Dann hätten Sie ja zwei Mal den Umweg zu