, um Luft zu schöpfen , als ich vorritt . › Prächtig ‹ , schrie er mich an , › da weht uns der Teufel noch sein Schoßkind den Jenatsch her ! Herauf , Hauptmann , mit Eurem vollen Beutel aus Dalmatien ! ‹ – Ich stieg ab und erstattete Bericht , dann setzt ich mich zur Gesellschaft und wir spielten bis zum Morgenlicht . Dabei verlor der Oberst an mich etwas wie hundert Zechinen , doch verbiß er seinen Grimm und ohne Streit erreichten wir die Stadt . Aber er ließ den Mißmut an seinem feurigen Rappen aus und das schaumbedeckte Tier traf am Gemüsemarkt mit den fliegenden Hufen ein Bübchen , welches dem Schulmeister und der zur Frühmesse ziehenden Schule nachtrottelte . Wir saßen beim Petrocchi ab und nahmen ein Frühstück . Natürlich war bald auch der Schulmeister da mit einer feierlichen Jammermiene und forderte für das Schülerlein ein dem Edelmut und dem hohen Stande des Herrn angemessenes Schmerzensgeld . Ruinell aber fuhr den armen Wicht so wütend an , daß mich ein Mitleid überkam und ich mich dazwischenlegte . So empfing denn ich die volle Ladung und der Oberst , der seiner Sinne nicht mehr mächtig war , vergaß sich so weit , daß er mich am Wams packte und einen schurkischen Demokraten schalt , der mit dem paduanischen Lügenpöbel unter einer Decke stecke ... « » Das bist du auch , herrlicher Jürg « , rief der Bäcker dazwischen , sobald das Wort Demokrat sein Ohr erreichte , denn dieser Zauberformel hatte er nie widerstehen können . » Das bist du auch ! Dein treues Gemüt hat es mit dem gedrückten Volke stets redlich gemeint ! « ... » Je gelassener ich mich verteidigte , desto unbändiger wurde der Rasende . › Der Degen soll entscheiden , Hauptmann ‹ , tobte er , › kommt mit mir vors nächste Tor . ‹ Ich beschwor ihn , wenigstens bis morgen davon abzustehen und mich nicht zu nötigen gegen meinen Obern zu ziehen . Aber er bedeckte mich mit Schmähungen und nannte es eine Feigheit , wenn ich es nicht auf die Waffen ankommen lasse . Da endlich , um dem ehrrührigen Ärgernis ein Ende zu machen , folgte ich ihm , ungern genug , auf den Wall hinter St. Justina . Wir waren stattlich geleitet , auch vom Stadthauptmann und seinen Sbirren , tapfern Leuten , wie du dir ' s denken kannst , Lorenz ! die sich mit vollkommener Rücksicht hüteten , in fremde Händel einzugreifen . Draußen aber warf der Unselige sich meiner Klinge in so blindem Zorne entgegen , daß er sich nach wenigen Gängen – – aufrannte . « » Brrr « , fuhr Fausch zusammen , obwohl er diesen Schluß der Erzählung ahnungsvoll vorausgesehen hatte . Dann setzte er sich hinter sein Rechenbuch , das auf einem kleinen Pulte zwischen dem Tintenfasse und einem umfangreichen , bis auf eine kleine Neige geleerten Kelchglase lag , und schlug bedächtig blätternd eine Seite desselben auf , die den Namen : » Oberst Jakob Ruinell « als Überschrift trug . Sie war von oben bis unten mit langen Zahlenreihen bedeckt . Er tunkte die Feder ein und zog zwei dicke Striche kreuzweis über das ganze Blatt . Dann setzte er ein Kreuzchen auch neben den Namen und schrieb dazu : » obiit diem supremum , ultimus suae gentis « und das Datum . » Requiescat in pace . Seine Schuld sei ihm erlassen « , sagte er . » Man versenkt den Letzten seines Geschlechts mit Wappen und Helm . Ich begrabe mit dem Ruinell seine Rechnung . Bezahlen würde sie mir doch niemand . « » Nun schleppe ich auch das noch hinter mir her ! « seufzte der andere . » Werdet Ihr Euch flüchten ? « fragte Fausch . » Nein , ich gehe nicht aus Vendig , ich lasse mich nicht vom Herzog Rohan hinwegreißen « , versetzte Jenatsch leidenschaftlich , » jetzt , da der Kampf zur Befreiung meines Vaterlandes wieder entbrennen soll . « » Merkt wohl , Jenatsch « , sagte Fausch , den Zeigefinger an die Nase legend , mit listigem Blicke , » der Provveditore hat Euch nicht umsonst hinüber nach Dalmatien geschickt . Sein Zweck ist , Euch von Rohan fernzuhalten . Ahnt er doch , daß Euer gerades natürliches Wesen im Fluge das Vertrauen des edlen Herzogs gewänne , und daß Ihr in Bünden seine rechte Hand werden müßtet . Wegen Eurer schon im Jünglingsalter verrichteten demokratischen Großtaten seid Ihr dem weichlichen Venezianer verhaßt und erscheint ihm gefährlich . « » Himmel und Hölle scheiden mich nicht von den Geschicken meiner Heimat « , brauste Jenatsch auf , » und diese liegen jetzt in den Händen des Herzogs ! Übrigens « , fuhr er bitter lächelnd fort , » hat sich Grimani verrechnet . Ich bin schon seit Monaten mit dem gelehrten Herzog in einem militärischen Briefwechsel ; denn ich habe Ernst gemacht aus dem Handwerke , Lorenz , das mir einst die Not der Zeit aufgedrungen , und von Bünden zeichnet niemand eine bessere Karte als ich . « » Gut « , sagte Fausch , » aber wie denkt Ihr Euch das Nächste ? Ihr habt nach venezianischem Kriegsgesetze das Leben verwirkt , denn es verbietet bei Todesstrafe sich mit einem Vorgesetzten zu schlagen . « » Bah , es fehlt mir nicht an Zeugen , daß ich knapp nur mein Leben verteidigt habe « , warf der Hauptmann hin . » Grimani freilich haßt mich noch von Bünden her – wo er früher , wie du dich wohl erinnerst , venezianischer Gesandter war – so gründlich , daß er den Anlaß willkommen hieße , mich in den Kanal werfen zu lassen . Diese Lust aber wird er sich versagen müssen . Ich habe einen Vorsprung von mehreren Stunden . Gleich nach dem Zweikampfe warf ich mich zu Pferde und eilte nach Mestre zurück . Der amtliche Bericht an den Provveditore kann