. » Ich weiß nicht « , sagte die Richterin . » Jetzt verstehe ich , daß er mich verabscheut « , jammerte Palma . » O ich Elende ! Er stößt mich von sich , weil er Mord an mir wittert . Mir graut vor meinem Leibe ! Läge ich zerschmettert ! « » Ängstige dich nicht ! Wulfrin hat keinen Argwohn . Er ist gläubig und er traut . « » Er traut ! « schrie Palma empört . » Dann eile ich zu ihm und sage ihm alles wie es ist ! Ich laufe , bis ich ihn finde ! « Sie wollte aufspringen , die Mutter mußte sie nicht zurückhalten , erschöpft und entkräftet sank sie ihr in den Schoß . » Ich verrate dich , Mutter ! « » Das tust du nicht « , sagte Stemma ruhig . » Mein Kind wird nicht als Zeugin gegen mich stehen . « » Nein , Mutter . « Die Richterin streichelte Palma . Diese ließ es geschehen . Darauf sagte sie wieder : » Mutter , weißt du was ? Wir wollen die Wahrheit bekennen ! « Frau Stemma brütete mit finstern Blicken . Dann sprach sie : » Foltere mich nicht ! Auch wenn ich wollte , dürfte ich nicht . Dieser wegen ! « und sie deutete auf ihr Gebiet . » Würde laut und offenbar , daß hier während langer Jahre Sünde Sünde gerichtet hat , irre würden tausend Gewissen und unterginge der Glaube an die Gerechtigkeit ! Palma ! Du mußt schweigen ! « » So will ich schweigen ! « » Du bist meine tapfere Palma ! « und die Richterin schloß ihr den Mund mit einem Kusse . » Aber Kind , Kind , wie wird dir ? « Palmas Augen waren brechend und das Herz klopfte kaum unter der tastenden Hand der Mutter . Diese bettete die Halbentseelte und eilte verzweifelnd in die Burg zurück . Sie kam wieder mit einer Schale Wein und einem Stücklein Brot . Sie kniete sich nieder , brach und tunkte den Bissen und bot ihn der Entkräfteten . Diese wandte sich ab . Da bat und flehte die Richterin : » Nimm , Kind , deiner Mutter zuliebe ! « Jetzt wollte Palma gehorchen und öffnete den entfärbten Mund , doch er versagte den Dienst . Stemma sah eine Sterbende . Da starb auch sie . Ihr Herz stand stille . Ein Todeskrampf verzog ihr das Antlitz . Eine Weile kniete sie starr und steinern . Dann verklärte sich das Angesicht der Richterin und ein Schauer der Reinheit badete sie vom Haupt zur Sohle . » Palma « , sagte sie zärtlich und dieser warme Klang hob die Lider des Kindes , » Palma , was meinst du ? Ich lade den Kaiser ein nach Malmort . Wir treten vor ihn Hand in Hand , wir bekennen und er richtet . « Da freuten sich die Augen Palmas und ihre Pulse schlugen . » Nimm den Bissen « , sagte die Richterin und speiste und tränkte ihr Kind . Sie führte die Neubelebte in den Hof zurück . In der Mitte desselben stand Rudio , noch keuchend vom Ritte . » Heil und Ruhm dir , Herrin ! « frohlockte er . » Ich melde den Kaiser ! Der Höchste sucht dich heim ! Er naht ! Er zieht mächtig heran und mit ihm ganz Rätien ! « » Dafür sei er gepriesen ! « antwortete die Richterin . » Komm , Kind , wir wollen uns schmücken ! « Da Kaiser Karl mit allem Volke den Burgweg erstiegen hatte , hieß er Gesinde und Gefolge vor dem Tore zurückbleiben und betrat allein den Hof von Malmort . Stemma und Palma standen in weißen Gewändern . Die Richterin schritt dem Herrscher entgegen und bog das Knie . Palma hinter ihr tat desgleichen . Karl hob die Richterin von der Erde und sagte : » Du bist die Frau von Malmort . Ich habe deine Botschaft empfangen und bin da , Ordnung zu schaffen , wie du gefordert hast . Hier ist Freiheit in Frevel und Kraft in Willkür entartet . Ich will diesem Gebirge einen Grafen setzen . Weißt du mir den Mann ? « » Ich weiß ihn « , antwortete die Richterin . » Es ist Wulfrin , Sohn Wulfs , dein Höfling , ein treuer und tapferer Mann , zwar noch leichtgläubig und unerfahren , doch die Jahre reifen . « » Ich führe ihn mit mir « , sprach der Kaiser , » aber als einen , der sich selbst anklagt und dein Gericht begehrt , sich so großen Frevels anklagt , daß ich nicht daran glauben mag . Frau , heute ist mir unter diesem leuchtenden Berghimmel ein Zeichen begegnet . Vor deiner Burg hat mein Roß an einer Toten gescheut , die mitten im Wege lag . Ich ließ sie aufheben . Es ist deine Eigene . Sie harrt vor der Schwelle . « Er dämpfte die Stimme : » Frau , was verbirgt Malmort ? Wärest du eine andere , als die du scheinest , und stündest du über einem begrabenen Frevel , so wäre deine Waage falsch und dein Gericht eine Ungerechtigkeit . Lange Jahre hast du hier rühmlich gewaltet . Gib dich in meine Hände . Mein ist die Gnade . Oder getraust du dich , Wulfrin zu richten ? « » Herr « , antwortete sie , » ich werde ihn und mich richten unter deinen Augen nach der Gerechtigkeit . « Karl betrachtete sie erstaunt . Sie leuchtete von Wahrheit . » So walte deines Amtes « , sagte er . Dann ging er auf das knieende Mädchen zu . » Palma novella ! « sagte er und hob sie zu sich empor . Sie blickte ihn an mit flehenden und vertrauenden Augen und sein Herz wurde gerührt . » Rudio « , gebot die Richterin , » bringe Faustinen her !