Reichs , die geistliche Gerichtsbarkeit , schneiden und heilen kannst . Wenn mein Herr diese gefährliche Stelle mit kühner Wahl besetzt , so ist er der Erfüllung seiner königlichen Wünsche nahege rückt . ‹ Der König zwinkerte schalkhaft mit den Augen , sei es , daß er wie gewöhnlich an der Weisheit seines Kanzlers sich ergötzte , sei es , daß er dieselbe mit der seinigen diesmal noch zu überbieten und zu überraschen hoffte . Herr Thomas sah die schlaue Miene des Königs und beobachtete sie gelassen . › Auch einen besseren Heiligen Vater als den , welchen sie vor etlichen Monden in Rom auf den Thron gehoben haben , könnten wir uns nicht wünschen . Er hat eine Leidenschaft , durch welche wir ihm menschlich nahekommen können . Mit gelehrter Hast sammelt und betrachtet er Münzen , und , wunderbar , während er sich begnügt , die alten römischen Imperatoren in ein paar wohlerhaltenen Exemplaren zu besitzen , kann er deiner Goldstücke , o Herr , nie genug bekommen , zu Hunderten , zu Tausenden ersehnt er sie , weil sie dein erhabenes Antlitz tragen und er an ihm , als an demjenigen eines treuen Sohnes der Kirche , sein Gefallen findet . ‹ Herr Heinrich schüttelte sich vor Lachen , während der Kanzler diese Hohnrede mit ernstem und traurigem Munde , wie er immer zu scherzen pflegte , vortrug . › Wie aber wird mein Herr nun den Stuhl des Primas besetzen ? ‹ sprach er weiter . › Mit jenem Bischof , oder mit diesem Abte ‹ – ich bin der Namen nicht mehr sicher , und möchte Euch um nichts in der Welt , auch nur in einer Kleinigkeit , das Unwahre sagen – › beide sind sie geeignet für die Zwecke meines Herrn , doch vielleicht der Abt noch besser , denn er ist der lasterhaftere . ‹ › So läßt er sich leichter handhaben ‹ , ging der König auf den Gedanken seines Kanzlers ein . › Der Bischof wäre nicht weniger gefügig ‹ , versetzte Herr Thomas , › der Vorzug des Abtes ist ein anderer und ich gebe nur der Weisheit meines Königs Worte , wenn ich der Gefahr deiner Politik folgendermaßen das Antlitz aufdecke . Du weißt , o Herr , wie und warum der Eroberer , dein erhabener und ruhmbedeckter Ahne , die englischen Bistümer nicht nur mit der Gerichtsbarkeit über die Kleriker , sondern , was den Staat entkräftet und zerstört , über die Händel zwischen Klerikern und Laien begabt hat . Das war damals nützlich , da die ersten Bischöfe des Eroberers Kreaturen waren ; jetzt ist es schädlich und unerträglich , denn aller Eigenwille deiner Normannen duckt unter den Bischofsstab , und jeder Empörer gegen deine Majestät läßt sich eine Krone scheren , um die Blitze deiner Gerechtigkeit ungestraft verhöhnen zu können . ‹ Mein Herr und König ballte seine auf der Lehne des Stuhles liegende Hand , denn er war ein Freund der Ordnung und der Gerechtigkeit . › Deiner Weisheit ist nicht verborgen ‹ , bemerkte Herr Thomas , › warum auch erschlichene Rechte der Kirche sich so schwer mindern oder aufheben lassen : weil die Kirche ein Doppelwesen ist , das aus Leib und Seele besteht . Der Leib ist ein Heer von Geschorenen und Ehelosen , ein paar tausend von Münstern und Klöstern , ein Bündel von Gebräuchen , Gelübden und auf Fabeln und Fälschungen beruhenden Ansprüchen . – Die Seele der Kirche aber ist Tugend , Bescheidenheit , Erbarmen , Keuschheit ‹ – der König machte unwillkürlich eine Gebärde und zuckte mit den Wimpern – › kurz , alles , was jener andere lehrte , den sie gekreuzigt haben . ‹ Ihr müßt wissen , Herr Burkhard , daß der Kanzler den Salvator nie bei einer seiner hochgelobten Würden nannte , sondern immer nur den › andern ‹ , und ich meine , daß es seinem heidnischen Blute widerstrebte , den heiligen Namen auszusprechen . › Das Volk aber , o Herr , kann Gefäß und Inhalt nicht trennen ; – hast du es mit einem Primas zu tun , der durch seine Tugend Gewalt über die englischen Seelen übt , du nimmst ihm nicht ein Titelchen seiner Vorrechte . Darum wähle du einen öffentlichen Sünder , einen unbestritten Lasterhaften wie unsern Abt ... ‹ « Also fuhr der Armbruster , der im besten Zuge war , in der Rede des Kanzlers fort , doch Herr Burkhard hatte sich gegen ihn vorgeneigt und zupfte ihn am Ärmel . » Armbruster « , tat er Einspruch , » ich halte dich für einen wahrhaften Mann ; aber es wird mir schwer zu glauben , daß ein jetziges Mitglied der triumphierenden Kirche sich bei Lebzeiten , auch vor seiner Bekehrung , über die hienieden streitende so schnöde geäußert und deinem König einen so ruchlosen Rat gegeben . Ich habe es dir gesagt , dem neuen Heiligen bin ich nicht grün ; aber was zuviel ist , ist zuviel . Das kommt aus deinem Eigenen ! « » Herr « , versetzte Hans der Engelländer mit einem bösen Lächeln unter seinem grauen Barte , » es mag sein , daß der Kanzler dazumal nicht diese körperlichen Worte ausgesprochen hat , dem Geiste nach aber hat er sich so ergangen , das dürft Ihr mir glauben , und nicht ein- sondern hundertmal – versteht mich , als Staatsmann . Er hat vor meinem Könige diese Frage häufig erörtert . Daß aber etwas von dem Meinigen beifloß , ist nicht unmöglich , denn leider beten wir alle dieselbe Litanei , sobald auf die Sitten der Pfaffheit die Rede fällt – natürlich mit gebührender Ausnahme Eures Stiftes und noch mehr Eurer eigenen ehrwürdigen Person . – Gesetzt aber auch , meine Geschichte wäre etwas ins Ungewisse geraten , von jetzt an wird sie echt und unumstößlich wie das Evangelium . Denn was nun geredet wurde , haftet in meinem grauen Kopfe wie die römische Schrift auf einem umgestürzten