ist mir zwar bekannt « , begann Don Alfonso , » und ich habe es Punkt um Punkt erwogen . Aber um den Formen zu genügen , Strozzi , leset es uns , bevor ich unterzeichne , noch einmal langsam ! « Dieser , den die Gegenwart der Herzogin berauschte , trug , nicht ohne sich mitunter ärgerlich zu mißreden , zum Verdruß des jedesmal den Irrtum verbessernden Herzogs , das Erkenntnis feierlich vor . Unterdessen ertönte von ferne aus dem Gefängnisturme das Totenglöcklein und Angela erblickte durch das Fenster den Hinrichtungszug und sah , wie die beiden Este mit einem Franziskanermönch und den Scharfrichtern das Blutgerüst betraten . » Gebt , Oberrichter , damit ich unterzeichne « , sagte Don Alfonso und tunkte die Feder ein . Da verließ Angela ihr Versteck und warf sich dem Herzog , seine die Feder führende Hand mit ihren beiden festhaltend , zu Füßen ! » Nein , Don Alfonso ! Nicht Euern Bruder , sondern mich lasset bluten ! ... Ich bin die Schuldige ! Bis heute schwieg ich , weil ich immer noch auf Euer und auf Lucrezias Erbarmen hoffte ! Jetzt aber sei ' s gesagt ! Zweimal war ich Don Giulios Verderben ! Das erste , da ich mit meinem Lobe seiner Augen seinen Bruder , den Teufel , reizte – das zweite , da ich Eurem Gebote zuwider in seinem Pratello den Geblendeten aufsuchte und , mein Leid auf seines häufend , ihn zur Verzweiflung trieb ! ... « Der Herzog maß die seine Kniee umfassende Borgia mit erstauntem , mißbilligendem Blicke , doch ehe er ihr antworten konnte , wurde die Tür wieder geöffnet , und es erschien , allen unerwartet und von niemand geladen , der kranke Kardinal . Verzehrt bis zur Entkörperung , leicht gebückt , mit durchdringenden Augen unter der kahl und hoch gewordenen Stirn , schien er lauter Geist zu sein , grausam und allwissend . Seine Diener rückten ihm einen Stuhl an den Herd und er setzte sich neben die Flamme , während die Herrlichkeiten sich ihm zuwandten . » Ich bin zum Hochgericht gekommen , obgleich mich niemand rief « , sagte er mit leiser Stimme ... » Doch ich habe eine Bitte an dich , Bruder ! ... « Schon aber hatte sich die verzweifelnde Angela von den Knien erhoben , stand vor dem Feuer und unterbrach ihn ... » Trittst du immer der Gnade in den Weg , Widersacher ! Beruhige dich , du wirst Blut trinken ! Hier ist keine Gnade ... Hier ist die Hölle ! ... Um dich , mit dir , in dir war die Hölle von Anfang an ! Ist es doch ein Wort des Heilands , das dich zum Greuel trieb ! Das uns beide in die Verdammnis wirft ! › Die Purpurfarbe des göttlichen Erbarmens dringt durch bis in das persische Märchen ‹ , sagte diese hier « – sie ergriff Lucrezias Hand – » aus deinem Purpur aber , Kardinal , bricht Haß und Blut hervor , sobald man den heiligsten der Namen nur nennt ! ... « » Schweige , törichtes Mädchen ! « bebte es von den Lippen des Kardinals . » Ich könnte dich erwürgen ! Ich bin deiner – ohne Gewährung – übersatt . Du bist mir ein Abscheu ! ... Du hast mir die Augen meines Bruders verhaßt gemacht , die Himmelsaugen , die mich früher voll Vertrauen anschauten ! « » Krank , und immer noch grausam , Ippolito ? « sagte die Herzogin und zog Angela in ihre Arme . » Hat diese nicht recht , wenn sie sagt , daß die Fabel Ben Emins etwas an alledem verschuldet hat ? « Der Kardinal wandte sich langsam gegen seine Schwägerin und seine Augen brannten . » Was weiß man von dem Nazarener ? « sagte er . » Was man von seinen Reden und Taten erzählt , ist unglaublich und unwichtig . Ich kenne ihn nicht . Wird ein Gott gekreuzigt ? ... Ich weiß nur von dem durch die Kirche in den Himmel erhöhten König , von dem durch die Theologie geschaffenen zweiten Gotte der Dreifaltigkeit . Sein der Himmel ! Unser die Erde ! Unser ist hier die Gewalt und das Reich ! Und es ist Herrscherpflicht , das Schädliche und Unnütze , das uns widersteht , zu vernichten . Doch wir philosophieren hier und draußen erwarten zwei den Tod ... Mit einem Worte , Bruder , sie dürfen nicht sterben ! ... Du gibst sie mir ! Schütte kein Blut mehr über mein Haupt ... Es verwirrt und erstickt mich . – Sehen darfst du die Fürstenmörder nicht mehr ! Verbirg sie im Kerker , aber laß sie leben um meinetwillen ! « Der Herzog sann mit geneigtem Haupte , dann sagte er : » Ich tue es ungern , es schädigt mein Fürstenrecht . Aber ich will es lieber , als daß dich zwei abgeschlagene Häupter ängstigen und zwei Tote in die Gruft nachziehen . Ich tue es dir um des vielen willen , was du für Ferrara getan hast . Man öffne den Balkon ! Wir treten hinaus , und Ihr , Großrichter , leset das Urteil mit dem Zusatze der üblichen Begnadigungsformel . « Sie erhoben sich ; der Kardinal aber blieb an der heruntergebrannten Glut sitzen . Er ließ sich eine Decke über die Knie legen , lehnte sich in seinem Stuhle zurück und schloß die Augen . Er wünschte nicht , als Zeuge der ihm gewährten Begnadigung gesehen zu werden . Diener brachten Mäntel , Kopfbedeckungen und Überwürfe , um die ins Freie tretenden Herrschaften vor der Winterkälte zu schützen . Während Lucrezia sich in die Kapuze eines blendend weißen , aus der feinsten flämischen Wolle verfertigten Nonnenmantels hüllte und Donna Angela ihr dabei behilflich war , näherte sich ein Page mit unschuldigem Gesicht , bog rasch , wie ein Chorknabe vor dem Altar , das Knie vor der Herzogin und überreichte ihr in einer silbernen