Mudder seggt mit noch verstärkter Kontenanz : » Dann mut dor noch en Kiel insett warn . « Un so deed se , und als de Büx nu passend wor , sed min Mutter to Vadder : » Seeberg , plätten muttst du se , dat is for mi to swar , darto langt mine Kraft nich , abers vorher muttst du se insprengen . « Vadder nahm also den Mund vull Water und Swester Agnes hol em de Büx hen , einmal rechts un einmal links , un Vadder prustet se an mit sin Mund voll Water as en gelernten Tapzier , und danach wurden de Nähte ausgebügelt , und dann war das Wunderwerk fertig und zwar ein ganz apartes Stück geworden . Und wenn es Mode gewesen wäre , ein Paar Büxen zu benennen , dann hätten sie Eduardo heißen müssen , denn » verballeriert « waren sie jedenfalls . – – Na , am elften April sollt ' ich reisen , und den Sonntag vorher hatte ich mich nochmal mit Korl Lorensen verabredet zum Spazierengehen . Der arme Jung sollte auch Mittag bei uns essen , hatte Mutter gesagt , denn erstens saß er da ganz allein mit der ollen fünschen Madam Sörrensen im Hinterhaus – sein Pflegevater war ja ins » Dullhaus « gebracht – und zweitens war er doch mein Freund , drittens endlich sollte dies in unserem Hause seine Henkersmahlzeit sein , denn meine Mutter war gewillt , die 103 Beziehungen zu Korl Lorensen nach meiner Abreise nicht weiter zu kultivieren , » wil dat er en ollen Dröhnbartel was , un se heel nich wüßt , wat se mit em snacken künn , wenn ick nich mehr bi was . « Korl Lorensen kam also richtig die Treppe herauf gepoltert , aber gar nicht zum Wiedererkennen . Strahlend vor innerer Seligkeit , zog er mich , nach flüchtiger Begrüßung meiner Eltern und Schwester , aus der Stube und , mich mit zitternden Händen am Ärmel packend , flüsterte er mir auf der halbdunklen Diele ins Ohr : » Du , Albert , ick gah mit di , ick hew nu dat Geld . – Albert , ick bin noch ganz beswiemt von all dat Gedraehn bi ' n Herrn Kurator . « » Wer gibt ' s dir denn , Korl ? « frage ich atemlos und fasse ihn rundum vor Freude . » O Gott , o Gott , Albert , denk man , dee Froo Senator het mi in ehr Testament insett , mit dreihunnert Daler het se mi insett , und dat langt för drei Johr , un ick hew zu die Herrn Kurators seggt , wozu ich ' s will , und hab ihnen ein paar Zeichnungen von mir gewiesen , un da haben sie gelächelt un gemeint : › Na , des Menschen Will is sin Himmelrik . ‹ Un nu , Albert , könnt wir tausamen reisen , denn Eduard Heß darf nix mehr seggen , weil er seinen Verstand verloren hat und meint , daß er Raffael is . « Das war denn nun ein großes Freuen für uns beide , obgleich meine Mutter da gleich ' nen Eimer kalt Wasser drauf goß , indem sie sagte , er hätt ' s man lieber auf die Bank tragen sollen und Zins auf Zins legen , dann hett ' s später ' mal zum Anfang 104 von en nüdlichen kleinen Dischlerei gelangt . Und mein Vater meinte : » Was willst du denn machen mit hundert Taler fürs Jahr , Korl Lorensen ? Du kannst dich ja nicht ' mal satt essen an Kantüffeln ? « – Aber Korl meinte , es sei so viel , da könnte er noch sparen . Am Nachmittag gingen wir zusammen spazieren , er in seinem ausgewachsenen Konfirmationsrock , aus dem die roten Hände so groß und frech hervorsahen , mit seinem abgeschabten Hut über den jungen blauen Augen , die so begeistert in die Zukunft blickten , daß sie über seine sonstige Häßlichkeit einen fast verklärenden Schimmer gossen , und ich in meinem Anzug von Mutters Gnaden mit der » verballerierten « Büx , beide Arm in Arm , die Herzen voll stolzer Zukunftsgedanken , seliger Jugendschwärmerei . Die Leute , denen wir begegneten , lächelten , wir bemerkten es kaum . Wir gingen an dem Strom hin , nach der Vorstadt zu . In den Gärten der vornehmen reichen Leute sproßte das erste Grün , auf den Wellen des Flusses blitzten Sonnengoldfunken und die weißen Segel glitten darüber hin wie Riesenschwäne , die sich zum trunkenen Flug in die Lüfte schwingen wollten , um ein Jubellied zu singen . Wir wanderten bis da hinaus , wo die Villen aufhören und die Wege einsam sich hinziehen zwischen Wiesen und Wasser . Die Spreen lockten auf den Erlen , und von dem großen Restaurant herüber klang Musik . So festlich war die Welt , so wunderbar prächtig ; und weit , weit da hinten , 105 stromaufwärts , da liegt eine große Stadt , in der die Kunst wohnt , in der Raffaels Madonna zu schauen ist . » Dahin gaht wi to allererst , Albert , « sagte Korl , » in de Billergalerie to de Madonna . Eduard Heß säd noch letzt – « » Lat mi mit din Unkel Eduard , « unterbrach ich ihn . » Ick will en wohrhaftiger Künstler warn un kein Schillerkleckser . « » Ja , natörlich , Albert , « stimmte Korl zu , » wi wöölt ernsthaftig studieren . Unkel hett am End doch nich so recht – « » Denn sin Kunst satt in sin Wahnsinnsmantel , « meinte ich verächtlich . » Ja , Albert , ick denk man , he hett öberstudeert , un hier baben is bi em wat nicht richtig , aber he kann da nix vör , Albert . Un sin Farbens un Pinsels nehm ick mit mi . « » Ja , wi kommt