dürfte . Fenstereinwerfen , Liebeshändel und Schwärmer abbrennen zur Ängstigung von Frauen und Landpastoren , zählte zu den beliebtesten Unterhaltungsmitteln . Man war noch so unphilosophisch wie möglich . So kam der August 1736 , um welche Zeit der Umbau des Rheinsberger Schlosses beendet war . Von da an beginnen die glänzenden und vielgefeierten Rheinsberger Tage . Aber diese Rheinsberger Tage , die das Ruppiner Leben verdunkelt haben , waren doch nicht so völlig das Ende desselben wie gewöhnlich geglaubt wird . Vielmehr fand jetzt ein Austausch , eine Art Rückzahlung statt , und wenn von 1733 an die Rheinsberger Ausflüge Ruppin um die andauernde Anwesenheit des Kronprinzen gebracht hatten , so war von jetzt an Ruppin der Gegenstand und das Ziel beständiger , wenn auch zum Teil durch den » Dienst « gebotener Besuche . Viele seiner Briefe geben Auskunft darüber , wie teuer ihm die Stadt , in der er vier glückliche Jahre verlebt hatte , geworden war . Entweder tragen jene Briefe das Datum Ruppin und führen dadurch den Beweis längeren oder kürzeren Aufenthalts daselbst , oder flüchtige , von Potsdam , Berlin und anderen Punkten aus geschriebene Zeilen , sprechen eine Sehnsucht aus nach seiner » geliebten Garnison « . So schreibt er im Juni 1737 an Suhm : » Den 25. geh ' ich wieder nach › Amalthea ‹ , meinem Garten in Ruppin . Ich brenne vor Ungeduld , meinen Wein , meine Kirschen und meine Melonen wieder zu sehen « , und 1739 noch ( am 16. Juni ) heißt es in einem vom Ruppiner Garten aus datierten Briefe : » Ich werde morgen nach Rheinsberg gehen , um allda nach meiner kleinen Wirtschaft zu sehen ; hier wollen keine Melonen reif werden , so gerne wie ich auch gewollt , daß ich meinem gnädigsten Vater die Erstlinge des Jahres hätte schicken können . « Diese beiden Briefe sind insoweit wichtig , als sie keinen Zweifel darüber lassen , daß Kronprinz Friedrich seinem » Amalthea « zu Ruppin keineswegs den Rücken kehrte , vielmehr vom August 1736 an eine Art Doppelwirtschaft führte und an die Gärten und Treibhäuser beider Plätze die gleichen Ansprüche erhob . Sonntags las er in Ruppin seine Predigt , während Des Champs vor der Kronprinzessin und dem Hofe in Rheinsberg predigte . Selbst noch unmittelbar nach der Thronbesteigung ( im Sommer 1740 ) sah die Stadt Ruppin den nunmehrigen König Friedrich II. mehrfach in ihren Mauern , und bis zum Spätherbst desselben Jahres blieb es zweifelhaft , ob Ruppin oder Potsdam oder Rheinsberg der erklärte Lieblingsaufenthalt des neuen Königs werden würde . Großartige Gartenanlagen , wie sie damals entworfen wurden , schienen für Ruppin zu sprechen , aber die weite Entfernung von der Hauptstadt führte schließlich zu anderen Entschlüssen . Die Terrassen von Sanssouci wuchsen empor und – Ruppin war vergessen . Es ist zweifelhaft , ob der große König in seiner sechsundvierzigjährigen Regierung es jemals wiedergesehen hat . Die Frage bleibt uns zum Schlusse , was wurde aus diesen Schöpfungen , großen und kleinen , die die Anwesenheit des Kronprinzen ins Dasein rief ? Was haben einhundertundfünfzig Jahre zerstört , was ist geblieben ? Zunächst das Stadt-Palais . 1744 schenkte es der König an seinen jüngsten Bruder , den Prinzen Ferdinand , der zum Chef des in Ruppin garnisonierenden Regiments ernannt worden war . In dieser seiner Eigenschaft als Chef des nunmehrigen Regiments Prinz Ferdinand , scheint genannter Prinz bis 1787 , wo das große Feuer die Stadt zerstörte , wenigstens zeitweilig in Ruppin residiert und das vormalig kronprinzliche Palais bewohnt zu haben . 18 Dies ergibt sich mit einiger Gewißheit aus der Existenz zweier etwa aus dem Jahre 1780 herstammender Bildnisse , die – bei Gelegenheit des Brandes von 1787 gerettet – einem anderen Gebäude wie dem Prinz Ferdinandschen Palais nicht wohl angehört haben können . Es sind dies die Bildnisse der Kaiserin Katharina von Rußland und der Königin Maria Antoinette , Porträts , die hier schwerlich anzutreffen gewesen wären , wenn nicht der Prinz auch noch in der Zeit nach dem Siebenjährigen Kriege wenigstens vorübergehend an dieser Stelle geweilt hätte . Was die Porträts selber angeht , so macht das der schönen Habsburgerin einen sehr gefälligen Eindruck , während das der Kaiserin Katharina mit dem Andreaskreuz auf der Brust nicht bloß durch Umwandlung aus einem ursprünglichen Kniestück in ein Bruststück , sondern weit mehr noch durch einen plump aufgetragenen Firnis an Wert und Ansehen verloren hat . Die Transponierung in ein Bruststück erfolgte , wie mir der gegenwärtige Besitzer vertraulich mitteilte , lediglich unter Anwendung einer großen Zuschneideschere , und war nötig , weil die ganze untere Partie der Kaiserin schwer gelitten hatte . Der Erzähler selbst ahnte dabei nichts von dem Bedeutungsvollen seiner Tat , am wenigsten aber von der historischen Gerechtigkeit , die die große Zuschneideschere geübt hatte . Das » Palais « selbst ist niedergebrannt , und ein apart aussehendes Haus ( das sogenannte Molliussche Haus ) ist auf dem Grund und Boden aufgeführt worden , auf dem 1732 die nachbarlichen Häuser des Obersten von Wreech und des Oberstleutnants von Möllendorff zu einer Art von prinzlichem Palais verbunden worden waren . Die Straße , die zu diesem Hause führt , führt wie billig den Namen der Prinzenstraße , und ein prächtiger alter Lindenbaum , der seine Zweige vor dem poetisch dreinschauenden grauweißen Hause ausbreitet , schafft ein Bild , wie ' s dieser Stelle paßt und kleidet . Zwischen dem Hause und der Stadtmauer liegt ein Gärtchen . Wir passieren es und stehen vor der auf den » Wall « hinausführenden Mauerpforte , die der Kronprinz allabendlich benutzte , wenn er nach dem Dienst und der Arbeit des Tages sich erhob , um im » Tempel « den obenbenannten Freundes- und Offizierskreis um sich her zu versammeln . Die Tür existiert nicht mehr , und es bedarf eines Umwegs , um die Außenseite der Mauer und dadurch zugleich den » Wall « zu gewinnen . Seine schattigen Gänge führen uns jetzt nach »