zu gefallen schien . Und jetzt nahm sie einen blanken Teller , hielt ihn hoch und schlug mit einem Quirl an die Außenseite . Das war das Zeichen , und alle versammelten sich um die Feuerstelle her . Nur Valtin und Grete waren zurückgeblieben ; aber der Alte kam alsbald auf sie zu , und nach kurzer Ansprache , von der sie nichts verstehen konnten , nahm er Greten an der Hand und führte sie , während er die gangbarsten und trockensten Stellen aussuchte , bis auf die Mitte des Floßes . Und jetzt erst erkannten unsre Flüchtlinge , wie sonderbar , aber auch wie zweckentsprechend die hier befindliche Kochgelegenheit aufgebaut und eingerichtet war . Das ganze Floß , auf mehr als zehn Schritt im Quadrat , war wie mit einem dicken Rasen überdeckt , auf dem sich wiederum , ebenfalls aus Rasenstücken aufgeschichtet , ein wohl drei Fuß hoher und unverhältnismäßig breiter und geräumiger Herd erhob . In diesen waren Löcher eingeschnitten , und in den Löchern standen Töpfe , um die mehrere kleine Feuer lustig flackerten . Und nun setzten sich die Männer in Front des Herdes , so daß sie den Fluß hinuntersehen konnten , und nahmen ihr Mahl ein , das zunächst aus einer Brühe mit Huhn und Hirse , dann aber aus dem Breitfisch , dem letzten Ertrag ihres Fanges , bestand . Alle ließen sich ' s schmecken ; und als Valtin , gegen den Schluß des Mahles hin , sich über ihr Wohlleben verwunderte , lachte der Alte und beschrieb einen Kreis mit seiner Rechten , als ob er andeuten wolle , daß ihm Ufer und Landschaft , mit allem , was darauf fleucht und kreucht , tributpflichtig seien . Und nun war das Mahl beendet , und Valtin und Grete , nach dem sie gedankt , erhoben sich und suchten wieder ihr Zelt in Nähe des Steuers auf . Sie mußten , an Neumühlen vorüber , schon meilenweit gefahren sein und hätten sich zu jeglichem um sie her beglückwünschen können , wenn nicht das junge Frauenzimmer mit den blanken Flechten und den schwarzen Stechaugen gewesen wäre . Valtin hatte nichts bemerkt , aber der schärfer sehenden Grete war es nicht entgangen , daß sie seit Mittag kein Auge von ihnen ließ und ersichtlich etwas gegen sie vorhatte . Ob aus Eifersucht oder Habsucht , ließ sich nicht erkennen , aber etwas Gutes konnt es nicht sein , und als der Tag sich neigte , rückte Grete näher und teilte Valtin ihre Besorgnisse mit . Dieser schüttelte den Kopf und wollte davon nichts wissen , und siehe da , auch Grete vergaß es wieder , als sich , gleich nach Sonnenuntergang , ein neues Leben auf dem Floße zu regen begann . Der Alte nahm eine Fiedel , und die Frauensperson , die sich mittlerweile geputzt und eine rote Schürze angelegt hatte , führte mit dem jungen Burschen einen böhmischen Tanz auf . Danach setzten sie sich an den Herd und sangen Lieder , die der Alte mit ein paar Strichen auf der Fiedel begleitete . Und nun kam die Dämmerung , und die Sterne begannen matt zu flimmern . Das Floß selbst hatte sich hart ans Ufer gelegt , das hier , anfänglich flach , dreißig Schritte weiter landeinwärts eine hohe , steile Wandung zeigte . Es war noch hell genug , um die rotgelben Töne des fetten Lehmbodens erkennen zu können . Alles schwieg , und nur Grete , der ihr Verdacht wiedergekommen war , sagte leise : » Valtin , ich habe doch recht . Ich fürchte mich . « » Glaubst du wirklich , daß es böse Leute sind ? « » Nicht eigentlich böse Leute , aber sie werden der Versuchung nicht widerstehen können . Du hast ihnen Geld gezeigt , und die Frau hat gesehen , daß ich Schmuck trage . Sie werden uns berauben wollen . Und setzest du dich zur Wehr , so ist es unser letzter Tag . « Valtin überlegte hin und her und sagte dann : » Ich fürcht , es ist , wie du sagst . Und so müssen wir wieder fliehen . Ach , immer fliehen ! Auch noch auf der Flucht eine Flucht . « Und er seufzte leise . Grete hörte die Klage wohl heraus , aber sie hörte zugleich auch , daß es kein Vorwurf war , und so nahm sie seine Hand und sah ihn bittend an . Kannte sie doch ihre Macht über ihn . Und diese Macht blieb ihr auch diesmal treu , und alles war wieder gut . Es traf sich glücklich , daß das Floß mit eben dem Hintereck , auf dem ihr Zelt stand , auf den Ufersand gefahren war . Sie teilten sich ' s mit und kamen überein , auf das Segeltuch , das sie den Tag über zu Häupten gehabt hatten , eine Silbermünze zu legen und , sobald alles schliefe , mit einem einzigen Satz ans Ufer zu springen . Wären sie dann erst die steile Lehmwand hinauf , so würde sie niemand mehr verfolgen . Und wenn es geschäh , so wär es ohne Not und Gefahr , denn Schiffsleute hätten einen schweren Gang und wären langsam zu Fuß . Und während sie so sprachen , war der Mond aufgegangen . Das erschreckte sie vorübergehend . Aber es standen auch Wolken am Himmel , und so warteten sie , daß diese heraufziehen und den Mond überdecken möchten . Und nun war es geschehen . » Jetzt « , sagte Valtin , und den Beistand des Himmels anrufend , sprangen sie vom Floß ans Ufer . Das seichte Wasser , das hier um ein paar Binsen her stand , klatschte hoch auf ; aber sie hatten dessen nicht acht , und im nächsten Augenblicke die steile Lehmwand erkletternd , schritten sie rasch über das Feld hin und in die Nacht hinein . Niemand folgte . 15. Kapitel . Drei Jahre später Fünfzehntes Kapitel Drei Jahre später Drei