Konventikelschen alle den großen Nagel haben , das hat mir schon mein Vater selig ins Gewissen geredt , und sein letztes Wort war immer : › Und der Melcher Harms , das ist der Schlimmste . ‹ Ja , das ist nun freilich schon eine kleine Ewigkeit , aber Kamm-Melcher hieß er auch schon , und bloß den Saal hatten sie noch nicht und noch keine Freitagabend-Andacht , und der alte Graf war noch gut bei Weg und dachte noch an kein Sterben . Und war das Jahr vorher , eh der preußische Krieg anfing . Aber du mein Gott , wenn mein Vater selig ihn jetzt so säh , immer mit Strumpf und Strickzeug , und wie er so klein tut , als könnt er kein Wasser trüben , und dann abends aufs Schloß in die kleine Kapellenstube mit dem fliegenden Engel – oh , du mein Gott und Vater ! und wenn er dann gar noch säh , wie sie jeden geschlagenen Freitag in den Saal geht und sitzt da mit auf der Bank und weint und schluchzt , als ob sie so wär wie das arme Volk oder der alte Nagelschmied Eschwege , der immer vorsingt – und er soll ihr auch das Abendmahl gegeben haben ; aber das glaub ich nicht , da wäre doch ein Blitz vom Himmel gekommen – , oh , du mein Gott und Vater , wenn er das noch gesehen und erlebt hätt , da würd er noch ganz anders gesprochen haben ! Und das soll auch nicht sein , Baltzer . Aber Sörgel ist zu gut und denkt bloß immer : es schadet nichts . Aber es schadet doch . Und von Ordnung ist keine Rede mehr , und weiß kein Mensch mehr , ob er ein Hirt ist oder ein Papst . Und was Katholisches hat er , das sieht jeder , und war auch mit nach ' m Eichsfeld . Ihr müßt es ja selber wissen , Baltzer . Und was habt Ihr zuletzt davon ? Was ? Daß sie mit katholisch wird ! « » Hilde ? « » Ja , Hilde . Wer anders als Hilde . Denn den ganzen Tag ist das Püppchen oben , wenn nicht gerad Regen ist oder Wind , und da priestert er ihr was vor und setzt ihr Raupen in ' n Kopf und erzählt ihr vornehme Geschichten von Schloß und Rittersleut ' , und wenn sie dann wiederkommt , sieht sie sich um , als ob sie selber so was wär . Und Martin auch immer mit dabei , wenn er aus ' m Wald kommt , und muß ja dran vorüber , versteht sich , weil es der nächste Weg ist – und ist eigentlich die Meile Siebenviertel – , und da sitzen sie denn und haben ihr Konvivchen oder ihr Konventikelchen , oder wie Ihr ' s nennen wollt . Ja , Baltzer , der Martin auch . Aber mit dem hat ' s keine Not nicht , der ist seines Vaters Sohn , und den wird der Alte nicht katholisch kriegen . Und hört auch nicht recht zu , weil er immer bloß Hilden angafft , und ist immer Brüderchen und Schwesterchen . Ja , ja , Baltzer , seht mich nur an ! Und ich weiß noch den Tag , wo die Muthe gestorben und begraben war und Hilde mit Euch herüberkam und Martin und ich und Joost auf der Diele standen , dicht an der Treppe , wie Ihr da sagtet : › Ihr sollt euch liebhaben . Wollt ihr ? ‹ Und seht , Heidereiter , das ist auf guten Boden gefallen . Und immer wie Bruder und Schwester Haha ! « Baltzer , während die Grissel so sprach , hatte sich auf eine der kleinen Erdstufen gesetzt , die zu dem Gatter hinaufführten , und riß einen breiten Grashalm aus , wand ihn um seinen Finger und warf ihn wieder fort . Er wiederholte das Spiel zwei- , dreimal und sagte nach einer Weile : » Höre , Grissel , du bist eine hämische Person . Und ich habe dich für besser gehalten , als du bist . Du hast einen Haß gegen den alten Melcher , weil er , deinen Vater selig in Ehren , klüger ist als drei Kantoren oder Schulmeister zusammengenommen ... Und was redest du da von den Kindern ? Laß die Hilde ! Wenn ihr der Melcher gefällt , so mag er ihr gefallen . Und ob er das Abendmahl gibt oder nicht , ist all eins . Und wenn die Gräfin es gehen läßt , so müssen wir ' s auch gehen lassen . Katholisch wird die Hilde nicht und keiner nicht , und was ich da gestern bei der Flasche gesagt habe , dessen schäm ich mich heut , und war nichts , als was die Leute sagen , und was die sagen , ist immer Dummheit oder Lüge . Denn der alte Melcher – ob ich ihn leiden kann oder nicht , das ist eine Sach für sich – ist von den strengen und den festen Lutherschen und war letzte Woche nach Eisleben und nicht nach ' m Eichsfeld . Und du , Grissel , wenn du deinem Vater im Grabe keine Schande machen willst , so schreibe dir das achte Gebot hinter die Ohren : Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten ! « » Oh , das kenn ich und halt es auch ! « » Und das mit dem Martin « , fuhr der Heidereiter fort , ohne der Unterbrechung zu achten , » das sagst du bloß , weil du mich ärgern willst und weil du meinst , daß ich mit der Hilde höher hinaus will . Ja , Grissel , das will ich ! Und darin hast du recht . Und ist keiner hier herum und bis Ilseburg hin und das Amt mit eingerechnet , dem ich sie gönne . Und auch dem Martin nicht . Er