Familie ? « » Oft schreibt mir die Tochter . Sie hat sich rührend zärtlich an mich angeschlossen . « » Ja , Mutter , dazu lädst Du ein . Hoffentlich tut es Julia Dorne auch . Du bist so mütterlich-weiblich . Du hättest zehn Töchter haben sollen . « » Bin zufrieden , wenn ich nur zwei Schwiegertöchter bekomme . « » Das ewige Thema . « Und sie lachten . » Dorne hat doch auch Zeit gehabt , sich zu verheiraten , « sagte die Mutter . » Das lag anders für ihn . Er hat ein Vermögen von annähernd einer halben Million . Er war also unabhängig . Und doch - da er der geborene Arbeiter ist - weißt Du , es gibt so viele Sorten von Arbeitern - solche von der Art der Bohrwürmer , still , pausenlos , unbemerkbar - andere wie Pferde , stolz , kühn , rasch - dritte wie Stiere , kraftvoll , aber plump - na , Dorne ist Bohrwurm . Gänzlich . So ' n Mann hätte eigentlich nicht heiraten sollen . Paß auf - Du wirst schon sehen . « Dornes und Allerts Mutter hatten Besuche ausgetauscht und sich verfehlt . Nun wünschte Frau Julia durchaus eine Begegnung am dritten Ort . Sie war noch nicht mit ihrer Einrichtung fertig , konnte noch keine Gäste haben und war doch voll Ungeduld , die Bekanntschaft von Allerts Mutter zu machen . Sie störte die Herren ab und an mit ihrem Besuch , kam am Kontor vorgefahren und ließ sich von Allert immer wieder die Fabrik erklären . Er dachte : die langweilt sich . Und er dachte weiter , es sei besser , ein kleines Zeitopfer zu bringen , damit ihr Wunsch erfüllt werde . Morgen nun war ihr Geburtstag . Sie hatte sich ausgebeten , daß man ihn feiere . Man wollte auswärts essen . Die Zeit , fünf Uhr , war Sophie angenehm , dann hatte sie sich längst von der Arbeit erholt . Jetzt an den kurzen Dezembertagen konnte man keine Sitzungen nach ein Uhr mehr abhalten . Als Allert am andern Nachmittag das Kontor verließ , um sich umzukleiden , war er eigentlich wütend . Mitten aus der schönsten Arbeitszeit heraus ! Aber er tröstete sich damit : gleich nach dem Essen , wenn das Geburtstagskind ihren Ehemann noch ins Theater verschleppte , konnte er sich wieder über seine Bücher und Korrespondenzen hermachen . Es war ein greuliches Wetter . Nebel . Dieser Hamburger Nebel , der ein Bruder des Londoner ist . Allert stand einen Augenblick im Einfahrtstor . Hinter ihm lag die Fabrik , mit ihren Schuppen , Maschinenhaus , Kontor und Lager und all dem Nebenkram von Karren , Kisten , Abfallhaufen . Es war ein feuchtes , verschwommenes Bild von düsterm Graugelb . Lichtflecken standen darin wie verwischt von nassen Pinseln , der Schein verfloß in das Grau hinein . Und durch diese dicke , stechende Luft klang allerlei Geräusch : Pfeifen , Pusten , das dumpfe Stoßen von Kolben , das Plappern von Maschinenrädern , das Zischen von Dampf . Vor ihm zog sich die Straße entlang , schmutzig , naß , ekel und unübersichtlich . Hinauf , hinab in einen graugelben Schlund verlaufend , die Laternen von dichten Nebelfloren umhüllt . Und jeder Atemzug schmeckte nach Kohlen . Die Menschen schienen zum Nibelungengeschlecht geworden , das verdammt war , in unterirdischen Höhlen das Gold zu schmieden . Und in Allerts Ohr formte sich das Geräusch , das ringsum aus den schaurig umhüllten Arbeitsstätten drang , zum Gehämmer der Zwerge Alberichs . Er pfiff den Rhythmus vor sich hin und ging dem Bürgersteige nach , um seiner Wohnung zuzustreben . Als er um die Ecke bog , hörte er seltsame Laute - Lachen , kurz und roh - den Schrei einer Frauenstimme - er sah niemand und nichts . Aber dem Klang nach war das in der Richtung seines Weges . Er beschleunigte seine Schritte nicht . Denn das gab es hier draußen alle Augenblicke : Balgereien zwischen betrunkenem Mannsvolk und liederlichem Weibszeug . Das prügelte sich und vertrug sich . Aber nun , wo er dem Stimmenklang näher kam , zeigten sich auf dem Bürgersteig im feuchten Nebel Umrisse ... Männer , die auf ein weibliches Wesen einzudringen schienen - nein , waren es nicht zwei ? - Und im verfließenden Licht einer umnebelten Laterne hob sich ein Arm - wieder ein Schrei - und im gleichen Augenblick , als Allert das Gefühl bekam , daß da doch Frauen gegen Männerroheit zu schützen seien , rannte auch schon eine weibliche Gestalt daher und gegen ihn an und weiter - wie besessen . Taumelnd hinter ihr drein ein Mensch - Allert schob ihn bei Seite - plump schlug der hin - schwer , wie Körper tun , die alle Macht über ihre Bewegung verloren haben . So blieb er liegen und schimpfte lallend über die nassen Straßensteine weg . Zugleich sah Allert auch schon , daß da an der Hausmauer sich eine Gestalt lehnte - mit dem Rücken sich feststemmend - den gebogenen rechten Arm erhoben , ihn wie zum Schutz vor ihr Gesicht haltend , mit der Linken den Mann abwehrend , der auf sie eindrang . - » Een lütten Söten - eenen lütten Söten ... , « sagte der heiser . Schon war Allert neben dem Kerl und stieß ihn mit starker Faust zurück . Auf diese ganz unverhoffte Erschütterung seines Gleichgewichts war der Angetrunkene nicht gefaßt gewesen - mit groteskem Tappen , die Arme in die Luft hineinschlagend , versuchte er sich vor dem Fall zu bewahren . Er hatte auf der Stelle das weibliche Wesen vergessen und war voll Wut auf den Stoß und rohrte allerlei Unklares und Bedrohliches vor sich hin und kreuzte schwankend auf dem Bürgersteig , und war entschlossen , sich sowas nicht gefallen zu lassen - und überhaupt so ' n Kerl - was unterstand der sich hier - stieß einen weg