Stäbchen melodische Töne entlockte . Und auch bei dem Professor , der den indischen Dionysos darstellte , in purpurrotem Gewand mit Weinlaubkranz und einem langen goldenen Stab . Beim Tanzen raste er wild daher , und seine Augen rollten , mir fiel auf , daß er eigentlich ein schöner Mann ist mit seiner mächtigen Gestalt und dem dunklen Bart. Er schien auch vielen Frauen gut zu gefallen , und er sah sie alle mit verzückten Blicken an und fand sie alle namenlos schön . An Rauschfähigkeit fehlte es ihm sicher nicht , und er lebte ganz in seiner Rolle , wenn man es so nennen darf - außer bei einer kleinen Szene . Maria verfiel in einem animierten Moment darauf , an seinem ungeheuren goldenen Stab emporzuklettern - er schaute sie froh entgeistert an , hielt ihr den Stab hin , und der Stab brach in der Mitte durch . Schade , aber in diesem Moment versagte sein heidnisches Empfinden , und er wurde ärgerlich . Nach meinem Gefühl dürfte Dionysos sich nicht ärgern , wenn Bacchantinnen oder Hermaphroditen etwas entzweibrechen . Aber außer mir hat es wohl niemand bemerkt . Den Meister sah ich zum erstenmal aus der Nähe , als Cäsar in weißer Toga und mit einem goldenen Kranz um die Stirn - er mischte sich ungezwungen unter die Menge , und es gab ihn wirklich . Dabei behält er doch immer eine gewisse Ferne , und seine Geste schien mir schön und würdig . Das Fest begann mit einem feierlichen Umzug : voran schritt eine Bacchantin , die ein ehernes Becken schlug , dann kam Dionysos mit seinem goldenen Stab , ihm folgten der Cäsar - er trug eine Art kugelförmigen , durchbrochenen Krug , in dem ein Licht brannte - und die in Schwarz gehüllte Matrone , daneben und dazwischen bekränzte Knaben mit Weinbechern . Wer in antikem Gewande war , folgte , die übrigen blieben zur Seite stehen . Denn viele waren auch anders kostümiert - Renaissance , alte Germanen oder orientalisch . Der arme Georg , Marias Rechtspraktikant , der durch die Eckhäusler eingeladen war , hatte den Charakter des Festes entschieden nicht begriffen , er war als Pierrot gekommen , und es war ihm dann sehr unbehaglich . Willy , dem er sein Leid klagte , sagte , er müsse eben versuchen , sich wie der Narr in einem Shakespearischen Drama aufzufassen . Er empfand wohl die Bosheit nicht , die darin lag , und fühlte sich getröstet . Der Umzug ergab tatsächlich ein ungemein wirkungsvolles Bild und durch den eigenartigen Gesang , der dabei angestimmt wurde , eine fast beklommen weihevolle Stimmung . Selbst Georg in seinem Pierrotanzug war ganz davon angetan und stand wie erstarrt in einer Fensternische . Es waren nur ein paar Verse , die liturgisch , das heißt in dumpfnasalem Ton gesungen wurden , wobei man alle Silben gleichmäßig betonte und ins Unendliche ausdehnte . Sie lauteten : Wir sind gewohnt , Wo es auch thront , Hinzubeten , es lohnt . Wie unser Ruhm zum Höchsten prangt Dieses Fest anzuführen , Die Helden des Altertums Ermangeln des Ruhms , Wo und wie er auch prangt , Wenn sie das Goldene Vlies erlangt - Wir die Kabiren ... Zwei- , dreimal wurde dieser Gesang wiederholt , während der Umzug sich durch sämtliche Räume bewegte . Adrian saß am Flügel und spielte eine Art dumpfe , getragene Begleitung . Dann löste sich alles in bewegtes Durcheinander , Tanz und die sonst üblichen festlichen Betätigungen auf . Ich sehe in der Erinnerung ein buntes Gemisch von einzelnen Bildern und Eindrücken , die ich wohl festhalten möchte , ehe sie sich verwischen . Der Professor - Dionysos - in einem Kreise von Damen - er redet in Versen , wohl eine halbe Stunde lang , man bewundert ihn , und mit Recht , denn es war wirklich eine Leistung . Die Kappadozische schmachtet ein wenig und ist ganz Bewunderung - sie hatte ein eigentümliches Kostüm an mit großen Metallplatten an den Ohren ( vermutlich kappadozisch ) . Dann sehe ich Delius , die römische Matrone , in der Hand einen Teller mit zierlichen Butterbrötchen , die er versunken in den Mund schiebt . Er ist heute ganz in seiner wahren Welt . Seine Mutter ( er lebt mit seiner Mutter zusammen und soll sie sehr verehren ) irrt zwischen den Gästen umher und sucht ihn : Wo ist mein Sohn - haben Sie meinen Sohn nicht gesehen ? Endlich entdeckt sie ihn , aber er wendet sich ab und will sie nicht anerkennen . Ganz betroffen flüchtet sie zur Frau des Hauses , die sie lächelnd beruhigt . Ich entdecke Sendt , der alleine in heiterer philosophischer Ruhe hinter einem Glase Wein sitzt und die kleine Szene ebenfalls beobachtet hat . Halb betäubt lasse ich mich neben ihm nieder . » Trinken Sie , junger Mann « , sagt er , » wie bekommt Ihnen denn das Flötenblasen - es machte mir aufrichtiges Vergnügen , Sie neben dem Dionysos einherschreiten zu sehen . Solange die Maskerade Maskerade bleibt ... « » Ach , lieber Doktor , wenn Sie nur Philosoph bleiben . - Ich bin wirklich freudig überrascht , Sie hier zu treffen . « » Oh , warum nicht ; ich amüsiere mich ausgezeichnet , und es gibt wirklich allerhand zu sehen - zum Beispiel Delius - , können Sie sich wohl denken , weshalb er seine Mutter nicht erkennen wollte ? « Ich meinte , er wollte wohl nicht aus der Stimmung herausgerissen werden , und als römische Matrone ... Sendt lächelte . » Die Matrone gilt vielleicht nur für Outsider . - Ich habe munkeln hören , daß er den Eingeweihten die große Urmutter darstellt - obwohl diese von Rechts wegen unsichtbar ist . Deshalb trägt er wohl auch den schwarzen Schleier auf dem Haupt . Sie begreifen , daß es nun wirklich stillos wäre , sich mit seiner Mama zu unterhalten , wenn man sich selbst als