um so eher , als er nicht für Geld ansagte wie die andern Jungen , die sich gemeinsam ein Fernrohr gekauft hatten und einen förmlichen Fischerfrauenbenachrichtigungsdienst auf Teilung unterhielten . Störtebeker aber war zu stolz , Geld anzunehmen . » Behol man , ik verdeen Gild nog mit mien Fisch un mien Kninken « , sagte er , wenn ihm eine einen Groschen geben wollte . Einen Tag , als er draußen war , lief ein großer , grauer Manofwar , ein deutsches Kriegsschiff , dicht an ihm entlang . Schon von Schulau an hatte es sich durch langgezogenes Heulen bemerkbar gemacht , - langsam glitt es nun vorüber . Er guckte es groß an , denn auf einem solchen Manofwar war auch sein Vater gewesen , als er gedient hatte . An der Reling standen viele Mariner und guckten ihn an , weil er so jung war und doch schon mitten auf der Elbe wriggte . Mit einem Male aber winkte ein Matrose und rief : » Hallo , Störtebeker ! « Das war Jan Greun , der auf der anderen Seite von der Stegel wohnte : wat müß Hein Saß sik wunnern ! » Höh , Jan ! Wat kummst du denn hier her , ik meen , du würst in Schino ! « » Lurst du up dien Vadder ? « » Jo , Jan ! He kummt man bloß ne . « Störtebeker rief noch , er solle man mal mit den Kanonen losballern , auch fragte er Jan , ob er seine Braut grüßen solle , dann war das Kriegsschiff vorüber , und er mußte machen , daß er den Steven seines Kahnes gegen die anlaufende , große Dünung drehte . Bald nachher kam Hein Rolf mit seinem Kutter vorbei , und als der Junge in gewohnter Weise fragte , da bekam er die Antwort : » Jo , dien Vadder hett mit uns tohoop fischt ! He hett ok de Reis , he is ober no Bremerhoben gohn ! Segg dien Mudder man Bescheed ! « » Is dat eulich wohr , Hein ? « » Jo , meenst , wat ik di wat vörleeg ? « Da schipperte Störtebeker traurig nach dem Deich zurück . Nach der Weser war sein Vater ! Das konnte ja schön werden , denn das letzte Jahr war er auch immer dahin gewesen , so daß die Mutter manchmal geklagt hatte : wenn du ierst eenmol up de Wesser wesen büst , denn fohrst dor woll gliek söben Mol no de Ratt hin ! Nun konnte es wieder so kommen , daß er immer dahin segelte . » Mudder , weeß , neem Vadder is ? « fragte er , als sie beim Kaffee saßen . » In Bremerhoben ! Ik hebb mit Hein Rolf snackt , de hett bi em fischt ! « » Gott Loff un Dank , dat Vadder de Reis hett und an Land ist « , sagte die Mutter erfreut . » He harr ober man no Hus kommen müßt « , sagte er darauf , » wat deit he no de Wesser hin ? « » Dat mütt Vadder sülben weeten « , erklärte sie aber , » dor is he dichter bi de See un hett dor ok woll noch een beter Markt as boben an Altno . « * * * Und richtig erzählte die Stutenfrau , die lebendige Zeitung des Deiches , am andern Morgen , daß so viel Schollen oben an der Brücke wären , daß kein einziger Ewer leer geworden sei . Sie müßten alle überliegen und hätten morgen wohl nur noch tote Fische im Bünn , die sie den Hökerweibern nachwerfen könnten , ohne daß diese sich auch nur umguckten . Da sah Gesa ihren Jungen an : doch man god , wat Vadder no de Wesser is ! aber Störtebeker steckte eine hochmütige Miene auf , die heißen sollte : teuft man af , in Bremerhoben is dat Markt vullicht noch slechter ! Die Stutenfrau erzählte weiter , daß Metta Focken Zwillinge bekommen hätte , - twee lütte Jungens , ober krekel un gesund ! - daß Hinnik Bott seinen Ewer kondemmen ließe und daß Jochen Fahjes Knecht auf See über Bord gekommen und ertrunken sei , nachts . Er hätte sich noch lange über Wasser gehalten , aber sie hätten ihn nicht wiederfinden können , weil es so dunkel gewesen wäre . » Jochen , rett mi , Jochen , rett mi ! « hätte er immer gerufen , bis er weggesunken sei , die schweren Seestiefel hätten ihn zuletzt hinuntergezogen . » Is man een Butenlanner , Gorch hett he heten , ober wat is dat bedreuft « , schloß die Frau . Störtebeker lehnte am Deichpfahl , einem absägten Kurrbaum , der noch die Zeichen H.F. 125 trug , und hörte zu . Sechster Stremel . Störtebeker stand binnendeichs und heilte seine Bunge aus , die zwei große Löcher hatte ; entweder war ein Hecht hindurchgeschossen , oder der Bauer hatte sie mit Willen entzweigestoßen . Da begab es sich , daß der Briefträger den Deich entlang kam . Als der Junge ihn sah , dachte er an einen Brief von seinem Vater , aber er mochte noch nicht fragen . Erst , als er Jan Beier in das Schütt gehen sah , ließ er die Bunge liegen und sauste ins Haus hinein . » Van Bremen , Gesa « , sagte der Briefträger gerade und gab seiner Mutter einen Brief , wobei er den Herd mit den Augen streifte und lüsterte , ob der Kessel über dem Feuer hing . Und als er das Wasser singen hörte , hellte sich seine Miene auf , er holte den großen Beutel aus der Hosentasche , setzte ihn gewichtig auf den Tisch und sagte : » Hunnert Doler , mien Diern ! « » Junge , Junge , Mudder , wat een Hümpel ! « rief Störtebeker aus , als er die Goldstücke sah