diese kleine Frau ist kein grausames Schicksal . Und dann , wenn wir die Vergangenheit auf sich beruhen lassen , jetzt sind die Verhältnisse ja korrekt . Sie haben sich in London trauen lassen . « » So ? In London « , bemerkte die Generalin , » davon hört man jetzt oft , eine neue Erfindung . Es scheint , daß in London die Trauungen schneller gemacht werden , auch so moderne Fabrikware . « Knospelius zuckte die Achseln . » Hausarbeit , meine Gnädige , wird eben selten . Ich darf also annehmen , daß mir meine Grills zugestanden sind . « Die Baronin Buttlär lehnte sich in ihren Stuhl zurück und seufzte : » Ich sage nichts . Achtung vor der Londoner Trauung habe ich nicht und die Vergangenheit kann ich nicht auf sich beruhen lassen . Aber es scheint , daß das altmodische Ansichten sind . « Der Baron Buttlär ärgerte sich darüber . » Liebe Bella « , sagte er gereizt , » du mußt zugestehen , daß diese Leute uns bisher nicht belästigt haben , einen Gruß , einmal ein freundliches Wort und dann schließlich so ein Landpartienverkehr - « » Landpartienverkehr , bravo ! « rief der Geheimrat , » das ist das Wort , da haben wir die Formel . Die Hauptsache ist , für jede Lebenslage eine Formel zu finden , das andere findet sich dann schon . Also mein Fest ist gesichert . Ich darf die Herrschaften morgen nachmittag erwarten . Im Birkenwäldchen , bei der Zibbe Waldhüterei . Das Meer ist ausgeschlossen , denn das Meer ist nicht gemütlich . Sie werden sehen , es wird alles sehr harmonisch verlaufen . « Und vergnügt rieb er sich die langen , bleichen Hände . Am Nachmittage des folgenden Tages zogen die Einwohner des Bullenkruges zur Zibbe Waldhüterei hinauf . Voran die Generalin im weitläufigen weißen Piquékleide und einem großen Strohhut über dem erhitzten Gesicht . Lolo und Nini trugen weiße Kleider und meergrüne Bänder . Der Sonnenschein vergoldete die weißen Birkenstämmchen , die vom Seewinde alle landeinwärts gebogen dastanden wie Jungfrauen , die nach vorn geneigt ihre grünen Schleier über das Gesicht wallen lassen . Der Geheimrat empfing seine Gäste , für die Generalin und die Baronin waren Korbstühle da , für die anderen lagen Polster auf der Erde und ein weißes Tischtuch war über das Heidekraut gebreitet worden . » Nehmen Sie Platz « , sagte der Geheimrat und rieb sich die Hände , » der Kaffee kommt gleich , die jungen Damen helfen mir ein wenig bei der Bewirtung , meine Kolombinen , ha , ha ! « Klaus servierte den Kaffee , sehr korrekt in einen schwarzen Rock geknöpft , ernst und traurig . Die Unterhaltung wollte nicht recht in Gang kommen ; man sprach von Birken im allgemeinen , dann sprach der Baron Buttlär von Branntwein und Monopol ; Hilmar saß einsilbig und zerstreut neben Lolo und machte Ringe aus dem Rauch seiner Zigarette . Mücken tanzten im roten Sonnenstrahl und der Duft des warmen Heidekrautes und der warmen Birkenblätter machte die Menschen schläfrig . Wedig gähnte und äußerte zu Nini : » Nun könnten sie auch kommen . « » Wen erwartest du ? « fragte die Baronin Buttlär streng . Allein es war klar , alle empfanden dies Beisammensitzen nur als Vorspiel . Nun und dann kamen sie den Hügel herauf , Hans voran , gefolgt von Doralice , die bleich und ernst war . Sie hatte nicht kommen wollen , aber Hans war heftig geworden . » Wenn sich die Leute vor uns fürchten , bitte , bitte , wir brauchen uns vor niemand zu fürchten . « So hatte sie denn ihr blaßviolettes Musselinkleid angezogen , das Zeitlosenkleid , wie sie es nannte , hatte die rote Korallenschnur um den Hals gelegt , den großen schwarzen Hut aufgesetzt und war mitgekommen . Der Geheimrat war ein wenig aufgeregt , als er seine neuen Gäste empfing , sie vorstellte , ihnen Plätze anwies , nach Kaffee rief . Doralice saß neben der Generalin noch immer sehr bleich und still wie ein junges Mädchen , das ruhig wartet , bis sie von den älteren Leuten angesprochen wird . » Schönes Wetter « , sagte die Generalin , » es ist gut , daß Sie sich auch herausgemacht haben . Wir sehen Sie immer baden , Sie schwimmen mir ein bißchen zu kühn . « Während die Generalin mit ihrer mütterlichen Stimme unbefangen fortplauderte , schwiegen die anderen , die Baronin Buttlär errötete , Fräulein Bork lächelte verzückt und die beiden Mädchen richteten ihre grellen braunen Augen unverwandt auf Doralice , öffneten die Lippen , man sah es , die Bewunderung für die schöne Frau benahm ihnen ein wenig den Atem . Dann mischte der Baron Buttlär sich plötzlich in die Unterhaltung , munter und galant . Er wandte sich ausschließlich an Doralice und sprach ziemlich unvermittelt von Paris und dem Bois de Boulogne . Auch Hilmar wurde lebhafter , er erzählte Nini und Lolo etwas , machte sie lachen ; er legte Wert darauf , daß es an seiner Ecke lustig zuging . Der Geheimrat , der sich mit Hans unterhielt , blickte zufrieden auf die Gesellschaft , in die jetzt Leben zu kommen schien . Hinter den Birken erscholl eine dünne , hüpfende Musik . Der Strandwächter spielte Harmonika und der lahme Schneider des Dorfes die Geige . Der Geheimrat sprang auf und rief : » Ich bitte mit dem Tanz zu beginnen . Baron Buttlär , ich bitte , den Ball , die fête champêtre zu eröffnen . Die Sonne geht unter , also richtige Beleuchtung . Baron Hamm , bitte nicht zu vergessen , daß die Geselligkeit des Deutschen Reichs auf dem Leutnant beruht . « Baron Buttlär führte seine Frau zum Tanz , die sich ein wenig sträubte . » Aber Buttlär , wir , die Alten . « Hilmar tanzte mit Lolo und Wedig , dunkelrot im Gesicht und