, ein beiseitegeschaffter Prinz . « Daumer lachte gezwungen . » Das fehlte noch « , entgegnete er abschätzig . » Was denn noch alles ! « » Du glaubst nicht daran ? Das hab ich mir gleich gedacht . Aber woher mögen solche Gerüchte stammen ? Irgend etwas muß doch dahinter sein . « » Gar nichts muß dahinter sein . Sie schwatzen eben . Laß sie schwatzen . « Eine halbe Stunde später erhielt Daumer den Besuch des Archivdirektors Wurm aus Ansbach . Es war dies ein kleiner , etwas verwachsener Mann , der nie lächelte ; es hieß von ihm , daß er sehr befreundet mit Herrn von Feuerbach und die rechte Hand des Regierungspräsidenten Mieg sei . Von ersterem bestellte er Grüße an Daumer und sagte , der Staatsrat werde in allernächster Zeit nach Nürnberg kommen , er beschäftige sich angelegentlich mit der Sache Caspar Hausers . Nach einem kurzen , wenig belangvollen Hin- und Herreden griff der Archivdirektor plötzlich in die Rocktasche , brachte ein kleines broschiertes Buch zum Vorschein und reichte es wortlos Daumer . Dieser nahm es und las den Titel : » Caspar Hauser , nicht unwahrscheinlich ein Betrüger . Vom Polizeirat Merker in Berlin . « Daumer besah das Büchlein mit feindseligen Augen und sagte matt : » Das ist deutlich . Was will der Mann ? Was ficht ihn an ? « » Es ist ein gehässiges Pamphlet , tritt aber höchst plausibel auf « , erwiderte der Archivdirektor . » Es sind da mit Fleiß und Geschick alle Verdachtsgründe , die schon längst in mißtrauischen Gemütern spuken , gegen den Findling zusammengetragen . Der Verfasser prüft alle Angaben Caspars auf ihre Verdächtigkeit hin , auch gibt er Beispiele aus der Vergangenheit , wo ähnliche Lügenkünste , wie er sich ausdrückt , zu verspäteter Enthüllung gelangt sind . Sie , lieber Professor , und Ihre hiesigen Freunde kommen dabei nicht zum besten weg . « » Natürlich , kann ich mir denken « , murmelte Daumer , und mit der flachen Hand auf das Buch schlagend , rief er aus : » Nicht unwahrscheinlich ein Betrüger ! Da sitzt so ein mit allen Hunden gehetzter Herr in Berlin und wagt es , wagt es - ! Himmelschreiend ! Man sollte ihm diesen nicht unwahrscheinlichen Betrüger vorführen , man sollte ihn zwingen , dem Engelsblick standzuhalten , ach , schändlich ! Der einzige Trost dabei ist , daß doch niemand das Zeug lesen wird . « » Sie irren sich « , versetzte der Archivdirektor ruhig , » das Heft findet reißenden Absatz . « » Nun gut , ich werde es lesen « , sagte Daumer , » ich werde damit zum Redaktor Pfisterle von der Morgenpost gehen , der ist der richtige Mann , um dem famosen Polizeirat Widerpart zu halten . « Der Archivdirektor maß den aufgeregten Daumer mit einem gleichgültig-schnellen Blick . » Ich möchte eine solche Maßregel nicht ohne weiters gutheißen « , bemerkte er diplomatisch ; » ich glaube auch im Sinn des Herrn von Feuerbach zu sprechen , wenn ich Ihnen davon abrate . Wozu das Zeitungsgeschreibe ? Was soll es nützen ? Man muß handeln , in aller Vorsicht und Stille handeln , das ist es . « » In aller Vorsicht und Stille ? Was wollen Sie damit sagen ? « fragte Daumer ängstlich und argwöhnisch . Der Archivdirektor zuckte die Achseln und schaute zu Boden . Dann erhob er sich , sagte , er wolle am folgenden Nachmittag wiederkommen , um Caspar zu sehen , und reichte Daumer die Hand . Als er schon auf der Treppe war , eilte ihm Daumer nach und fragte , ob es ihn nicht störe , wenn er morgen fremde Leute hier im Hause treffe , es hätten sich einige Herrschaften zu Besuch angesagt . Der Archivdirektor verneinte . Es gehörte zu den Charaktereigentümlichkeiten Daumers , daß er sich in einmal gefaßte Ideen bis zur offensichtlichen Schädlichkeit verrannte . Trotz der Abmahnung des besonnenen Herrn Wurm begab er sich , kaum daß er das Buch des Berliner Polizeirats gelesen hatte , was weniger denn eine Stunde Zeit brauchte , voll Erbitterung in die Redaktion der » Morgenpost « . Der Redaktor Pfisterle war ein hitziges Blut ; wie der Geier aufs Aas stürzte er sich auf diese Gelegenheit , seine immer in Vorrat vorhandene Wut und Galle loszulassen . Er wollte Material haben , und Daumer bestellte ihn für den Mittag des folgenden Tages zu sich in die Wohnung . Am Abend herrschte eine sonderbar schwüle Luft im Daumerschen Haus . Während des Nachtessens wurde wenig geredet , und Caspar , der von all dem , was rings um ihn vorging , nicht im mindesten etwas ahnte , war verwundert über manchen prüfenden Blick oder über das düstere Schweigen auf eine herzliche Frage . Er hatte die Gewohnheit , vor dem Schlafengehen noch ein Buch zur Hand zu nehmen und zu lesen ; das tat er auch heute , und es geschah nun , daß sein Blick , als er das Buch aufgemacht , auf eine bestimmte Stelle fiel , die ihn veranlaßte , entzückt in die Hände zu schlagen und in seiner herzlichen Art zu lachen . Daumer fragte , was es gebe ; Caspar deutete mit dem Finger auf das Blatt und rief : » Sehen Sie nur , Herr Professor ! « Seit einiger Zeit hatte er aufgehört , Daumer zu duzen , und zwar ganz von selbst und eigentümlicherweise fast an demselben Tag , an welchem er zum ersten Male Fleisch genossen und danach krank geworden war . Daumer blickte ins Buch . Die von Caspar aufgegriffenen Worte lauteten : » Die Sonne bringt es an den Tag . « » Was gibts dabei zu staunen ? « fragte Anna , die über die Schulter des Bruders gleichfalls in das Buch schaute . » Wie schön , wie schön ! « rief Caspar aus . » Die Sonne bringt es an