vor , dabei schläft ' s sich gut ein . Ein Sybarit - was ? Aber zwei Nächte hab ' ich hintereinander Kinder zur Welt bringen helfen . Die Rangen kommen jetzt immer bei Nacht zur Welt . Auch eine Unsitte - Unsolidität . « Er lachte sehr laut über seine Bemerkung . Werner schaute ihn nachdenklich an . Der war glücklich ! Der war mit sich zufrieden , tat seine Arbeit und genoß sein Bett . Nichts Dunkles quälte ihn , keine schwere - unbegreifliche Aufgabe . Und Werner empfand diese ruhige Zufriedenheit als klein , er verachtete sie fast seiner eigenen Qual gegenüber . Der Abend verging still und gemütlich . In der Nacht machte Werner sich pünktlich zu seinem Posten auf den Weg . Er überlegte sich das nicht mehr . Wozu ? Er wußte es ja doch , zu der bestimmten Stunde würde er unten im Walde sein . Die Nacht war windstill . Es schneite . Dieses weiße Niederrinnen legte eine bleiche Helligkeit in die Nacht . Alle nächtlichen Kameraden Werners im Walde schwiegen heute . Sie standen regungslos da und ließen sich von den weißen Flocken zudecken . Auch Werner saß regungslos auf seinem Baumstumpf und ließ sich zudecken . Die stetige Bewegung des niederfallenden Schnees machte ihn schläfrig , wiegte ihn in einen wachen Traum . Ganz ferne Bilder aus der Kindheit kamen : das Stübchen der Witwe Werner . Der kleine Erwin lag im Bett . Die Lampe stand am Fenster . In ihrem Lichte konnte das Kind sehen , wie draußen große Schneeflocken an der Fensterscheibe vorüberzogen . Die Mutter erzählte mit klagender Stimme der Nachbarin von den schweren Zeiten . Es war immer von Mark und Pfennigen die Rede . Das Kind hörte dein wie einem Wiegenliede zu . Mark und Pfennige schienen ihm etwas Trauriges zu sein , von dem sich endlose Geschichten erzählen ließen . Und die Schneeflocken kamen aus dem Dunkel und gingen in das Dunkel , einen Augenblick im Strahl der Lampe durch die Scheibe in das Zimmer sehend . Der kleine Erwin versuchte es , die endlose Geschichte von den Mark und Pfennigen zu verstehen , versuchte es , die Flocken zu zählen , die am Fenster vorüberzogen , bis ihm die Augen zufielen . Ein leises Geräusch ließ ihn aufschauen . Rasts Schlitten war schon mitten auf der Brücke . Rast sagte etwas , und der Zwerg antwortete mit seiner gedrückten Altweiberstimme , schläfrig , als fahre er auf sicherer Landstraße hin . Nun waren sie - hinüber - wirklich hinüber und fort . Werner schaute auf die Brücke - erstaunt . Es war ihm gewesen , als müßte es heute sein . Er hatte das so fest erwartet , daß es ihn ruhig gemacht hatte - heute würde er es sehen , daß der Schlitten mitten auf der Brücke verschwand - und nun - - - Werner sann vor sich hin . Es war kein Nachdenken , es war ein gespanntes aufmerksames Insichhineinhorchen . Was wird geschehen ? Auf die Brücke wollte - mußte er hinauf . Gut ! Er ging auf die Brücke hinauf . Der feuchte Schnee machte die Bretter schlüpfrig . Er hatte sich in acht zu nehmen . jetzt stand er über dem Abgrund . Das Wasser unten war heute stumm . Eine leichte Eiskruste mochte darüber liegen . Werner bückte sich und befühlte die Bretter . Dieses lag ganz lose auf und war morsch . Werner rüttelte daran . Es saß doch fester , als er gedacht . Er spannte seine Kraft in . ja - nun gab es nach , ließ sich schieben , schwenken und fiel . Unten krachte die dünne Eisdecke , das Wasser gurgelte . Jetzt brauchte einer die anderen Bretter nur mit dem Fuß zu stoßen und sie fielen auch . Werner stieß sie mit dein Fuß , und wieder krachte unten das Eis und plätscherte das Wasser , unerträglich laut in all der Stille , erschien es Werner . Vor ihm gähnte ein großes , schwarzes Loch . Er stand am Rande und schaute hinein . Eine schwere Mattigkeit machte ihm die Glieder weich , nahm ihm alle Kraft . Am liebsten hätte er sich auch in das schwarze Loch hinabgleiten lassen . Ein Aufschlagen des Wassers , ein Gurgeln und die tiefe Stille hätte sich auch über ihn gelegt , kühl und wohltuend . Vorsichtig trat er den Rückweg an und setzte sich wieder auf den Baumstumpf . Er zündete sich eine Zigarette an , sah beim Schein des Zündholzes nach der Uhr . Es ging ihm durch den Kopf , daß der niederfallende Schnee jede Spur verwischte . Er dachte an seinen Gang heute morgen . Wie fern , wie fremd schien ihm der Werner , der in der Schulstube väterlich die Hand auf die blonden Kinderköpfe gelegt und mit den Kindern » Vom Himmel hoch « gesungen hatte . Ja , so ein friedlicher Pastor hat es gut ! Unendlich langsam verrannen die Stunden heute , und die gespannte Wachsamkeit des Ohres war ermüdend . jeder Ton , das Herabgleiten des Schnees von den Zweigen , der Fall eines Tannenzapfens , das Knacken der Eiskruste unten auf dem Wasser , alles hallte so erschreckend in ihm wider . Da war es aber wirklich , das dumpfe Aufschlagen des Pferdehufes auf den Schnee . Werner erhob sich . Alles in ihm war furchtbar angestrengte Aufmerksamkeit . Er versuchte es , durch die niederfallenden Flocken zu sehen , versuchte es , mit dem Ohr die Entfernung zu messen , die der herannahende Schlitten durchmaß . - Jetzt war er an der alten Tanne . - Jetzt sah er den Kopf des Pferdes , er mußte dicht vor der Brücke sein - - Werner trat vor . » Halt ! « rief es aus ihm heraus . Rast riß das Pferd zurück und hielt . » Wer ist da ? « fragte er . » Fahren Sie nicht weiter « , sagte