Das ist ausdrücklich geschrieben von einem Kirchenvater . Nicht wahr , Herr Mang ? « » Ja , es ist eigentlich ein Gleichnis . « » Der Herr Stadtprediger Reiser hat g ' sagt , es is wortwörtlich so , weil die Engel nicht die Gewalt haben wie die Priester . « Herr Sporner schüttelte ungeduldig den Kopf . » Mir g ' fallt ' s net , wenn einer solche Geschichten erzählt . Das müssen S ' mir versprechen , Herr Mang ; wenn S ' amal Pfarrer san , werden S ' net hochmütig ! Der Hochmut hat viel verdorben . Früher is net so viel g ' stritten worden , und die Religion war gemütlicher . « Frau Sporner nickte lächelnd zu Sylvester hinüber . » Ich kann mir den Herrn Mang gut vorstellen als Pfarrer . Der bleibt jede freie Stund ' bei seiner lieben Musik . « Sylvester litt unter diesen Reden . Lag eine Mahnung darin ? Wollten sie ihm bedeuten , daß er kein Recht habe , sich gefährlichen Träumereien hinzugeben ? Aber was konnten sie von Gedanken wissen , die er vor sich selbst verbarg ? Nein , es lag sicher keine Absicht in ihren Worten . Es war nur sein Unrecht , daß er die arglosen Reden schmerzlich empfand . » Frau Sporner « , sagte er , » weil Sie von der Musik reden , ich habe das Largo von Händel bei mir . Darf ich es spielen ? « » Ja , ich hab ' mich schon darauf gefreut , « bat Gertraud . Und es lag frohe Erleichterung in ihrer Stimme . Mama Sporner hörte sie heraus , und ein Blick auf die Schwägerin zeigte ihr , daß nicht ihr allein die Wärme des Tones aufgefallen war . Ein boshaftes Lächeln saß in den Mundwinkeln der alten Jungfer , und ihre flinken Augen schossen von Gertraud hinüber zu Sylvester . Der merkte nichts . Er freute sich an der lieben Stimme , deren Klang er diesen langen Abend vermißt hatte . » Heute , Herr Mang , wäre es mir lieber , wenn Sie nicht spielen , « sagte Frau Sporner . » Ich habe schon den ganzen Tag Kopfweh . « » Wenn ich das gewußt hätte ! « antwortete Sylvester rasch , » entschuldigen Sie ! « Der Inhaber der Firma Sporners selige Erben war kein Mann für weit ausgreifende Pläne . » Dös hast aber doch sonst gar nie ! « sagte er . » Und im Laden hast mir koa Sterbenswörtel g ' sagt ! « » Ich hab ' net mitten drin von der Kasse weggehen wollen . Und es war auch nicht so arg . Jetzt ist ' s aber stärker geworden . « » Ja , nachher geh ' nur glei ins Bett ! « » So gefährlich ist ' s nicht . Bloß Musik tät ' ich heut lieber nicht hören . « » Es tut mir so leid , « sagte Sylvester , » daß ich Sie gestört habe . « » Nein , bleiben Sie nur ! Es ist mir lieber , wenn Sie noch ein bißchen bleiben . « Mathilde stand auf . » Mich mußt du entschuldigen , Sophie ! Ich bin so zu lang ' geblieben . Morgen is die Frühmess ' um sechs Uhr . « » Ja , wie du willst . Traudel , begleit die Tante hinunter ; die Elis kann das Tor nicht ordentlich aufsperren . « » Also gute Nacht ! Und recht gute Besserung ! « » Gut ' Nacht , Mathild ' ! « Sylvester blieb in gedrückter Stimmung zurück . Er horchte auf die Schritte draußen ; jetzt klangen sie die Treppe hinunter , und dann hörte er sie nicht mehr . » Herr Mang ! « Er schrak zusammen und sah auf Frau Sporner . Das war wieder der ernste Blick . » Herr Mang , ich muß eine Bitte an Sie richten . Aber Sie dürfen mich nicht falsch verstehen . « Sylvester brachte keinen Laut über die Lippen . Er wußte alles . Nun kam das Gefürchtete , und sein Herz klopfte . » Nicht wahr , Sie verstehen mich recht . Es hat Schwätzereien gegeben , und ich darf als Mutter nicht gleichgültig bleiben . « » Aber ... « » Ich weiß , was Sie sagen wollen , Herr Mang . Das braucht keine Versicherung , aber es ist besser , auch für Sie in Ihrer Stellung , wenn solche Reden nicht einmal den Schein für sich haben . Sie wissen , daß wir Sie gerne bei uns sehen , aber ich muß Sie bitten , daß die Musikstunden aufhören . Wenn Sie sonst hie und da kommen , freut es uns alle . Sie verstehen , daß ich Sie gewiß nicht kränken will ? « » Ich war ... ich bin ... « » Sie müssen sich an meine Stelle denken . « » Ich war so gerne bei Ihnen . « » Lieber Herr Mang , nehmen Sie das nicht schwer ! Wir freuen uns ja , wenn Sie wiederkommen , aber ich meine nur wegen der Musikstunden ... « » Ja , Frau Sporner ... « » Ich schreibe Ihnen morgen noch , ich wollte nur zuerst mit Ihnen reden . Brieflich sieht es immer sonderbar aus ... « » Ja , Frau Sporner . « Leichte Schritte näherten sich der Türe . Traudel kam zurück . Ein Blick zeigte ihr , daß sich etwas zugetragen hatte . Und es war nicht schwer , das zu sehen . Der Alte stand am Fenster und schaute angelegentlich auf die dunkle Straße hinaus . Er hütete sich , den jungen Mann anzusehen ; eine solche Aussprache war nichts für ihn . Er ärgerte sich über seine Frau ; die tat ja , als wäre sie ihrer Lebtage Hofdame gewesen . So etwas Großartiges ! Er hätte das nie fertig gebracht ;