den vornehmen Damen , daß die Besuche spät kommen und lange bleiben , « versetzte Vittoria begütigend , obgleich sie anders dachte . » Ja , aber Vittoria , heute morgen will sie ihm wieder Botschaft senden - wenn wir wissen könnten - ob Beppo wieder dort gewesen - ob die Marietta ihm etwas gesagt . « » Nun , heute abend , wenn der Beppo nach Hause kommt , da erzählt er es mir schon , « versetzte Vittoria , die Rosa gern auf andere Gedanken gebracht hätte . » Ach , bis heute abend - das ist so schrecklich lange , « seufzte Rosa , » bis dahin kann ihm Unheil drohen - ach , wenn ich wissen könnte , was sie ihm geschrieben - doch das ist unmöglich - könntest du die Marietta nicht sprechen , gute Vittoria ? « » Nein , Cara , das geht nicht ; ich kenne die Marietta kaum , und sie würde sehr böse werden , wenn sie erführe , daß der Beppo hier erzählt , was sie ihm anvertraut . Wollen wir mehr wissen , müssen wir sehr vorsichtig sein . « » Ja , du hast recht , - aber könntest du nur den Beppo jetzt sprechen , vielleicht daß er etwas Wichtiges wüßte , wonach zu handeln nottäte ; ich werde sonst den ganzen Tag in tödlicher Angst sein . « » Nun , nun , Carissima , « sagte Vittoria , » was tut man Ihnen nicht zuliebe ? Ich will sehen ; wenn die Domenicunia hier neben etwas auf das Geschäft achten will , so lauf ich eben nach San Giuseppe hinauf , wo der Beppo arbeitet , und sehe zu , wie ich ihn zum Sprechen kriege und ob er was weiß . « » Ach , liebe , gute Vittoria ! « rief Rosa voll Freude und fiel der Gemüsehändlerin um den Hals . » Du bist wahrhaft gut ; du hilfst nicht nur mit Worten , du handelst . Verständ ' ich nur den Handel , ich wollte gern indes dir das Geschäft besorgen . « » Ach , gute Signorina , das wär was Schönes , wenn man die gefeierte Künstlerin , der ganz Rom huldigt , plötzlich hier Gemüse verkaufen säh ' , « sagte Vittoria lachend , » und ich glaube , meine ganze Bottega würde in einer halben Stunde ausverkauft , alle die schönsten Herren von Rom würden kommen ; ich weiß auch eigentlich gar nicht , warum Sie so an dem einen , dem Fremden , halten , wenn Sie doch die Wahl haben unter den besten Römern . « » Ach , Vittoria , ich weiß es auch nicht , wie es kommt , « versetzte Rosa , in holder Scham erglühend , und schlug die Augen nieder . » Siehst du , die sind mir alle so gleichgültig , so fern , keiner wandelt durch meine Träume , weder im Schlaf noch im Wachen ; nur der eine war es fast von Anfang an , dessen Nähe mir ein Glück im Herzen weckte , von dem ich bis dahin keine Ahnung gehabt . Ich will dir auch sagen , ich glaube , er ist besser als alle anderen , vielleicht der beste aller Menschen ; ich kenne alle seine Gedanken , seine Jünglingsträume , habe sie gelesen in seinen Gedichten , sie von ihm gehört . So denken und fühlen gewiß nur wenige Menschen . « » Aber - er ist ein Prinz und wird ein König , « sagte Vittoria nachdenklich und dachte dabei : wohin soll diese Liebe führen ? » Ich weiß , « versetzte Rosa , und eine Träne trat in ihr Auge . » Zuerst dacht ' ich nicht daran ; da meinte ich , daß er einer von jenen Prinzen sei , wie sie in den deutschen Märchen vorkommen , die meine Mutter mir erzählt hat , die so schön und gut sind und auch ... « » Nun was ? « frug Vittoria . » Ja , und auch zu ganz armen Mädchen kommen , um sie zu erlösen und sie zu Königinnen zu machen , « erwiderte Rosa etwas verlegen ; » aber , liebe Vittoria , du wolltest ja gehen und ich schwatze dir dummes Zeug vor und die Zeit vergeht ; siehst du , gerade weil er ein Königssohn ist und eine so hohe Aufgabe im Leben hat , will und muß ich ihn retten . « Vittoria rief die Stellvertreterin herbei und ging fort , den Bruder aufzusuchen . Als sie zurückkam , eilte Rosa wieder hinunter zu ihr , da sie bei sich die Neugier der Amadei fürchtete . » Nun , Vittoria ? « fragte sie hastig . Diese berichtete , daß die Marietta allerdings dem Bruder am Morgen wieder ein Billett auf dieselbe Weise wie das vorige zu überbringen gegeben habe und daß man ihn jedesmal reichlich lohnte . » Und weiter war es nichts ? « fragte Rosa enttäuscht ; » sagte Marietta weiter nichts ? « » Ja , « begann Vittoria zögernd . » Ach , bitte , du weißt noch etwas , sag mir alles , « bat Rosa . Vittoria , immer in der Hoffnung , die volle Wahrheit werde die erregten Gefühle Rosas abkühlen , sagte : » Ja , die Marietta hat ihm rasch erzählt , daß die Herzogin am Abend nach der Gesellschaft gleich in ihr Zimmer gegangen sei , und da habe sie sie gefragt , ob sie auf ihre Treue rechnen könne , und als Marietta dies beteuert , habe sie gesagt , sie wolle ihr ganz vertrauen , denn Marietta müsse ihr beistehen und es solle auch ihr Schade nicht sein . Darauf habe sie gestanden , daß sie den Prinzen glühend liebe und den Herzog hasse und nur an eines denke , wie sie sich diesem entziehen und sich mit dem Prinzen vereinigen könne . Noch sei ihr Plan nicht