in alten Akten und Archivstücken über die frühere Geschichte seiner Stadt ; denn seit langen Jahren schon arbeitete er an einem Werke , das doch nie fertig zu werden schien , weil ihm immer neue Zweifel kamen , wenn er glaubte , er habe etwas festgelegt , und dann mußte er immer von neuem untersuchen . Unterdessen wurde in der allgemeinen Wissenschaft draußen ein heftiger Kampf geführt über die Anfänge des Städtewesens und die ersten Zeiten der Gilden und Zünfte und über die frommen Genossenschaften ; das alles betraf seine Arbeiten , aber er verspürte von diesen Kämpfen nichts , denn seit seinen Universitätsjahren hörte er nichts mehr von heutiger Wissenschaft , sondern lebte nur seiner beschränkten Aufgabe , die doch von Jahr zu Jahr luftiger wurde und weniger zu fassen . Die Frau war bei der Heirat ein fröhliches junges Ding , von der niemand wußte , woher sie stammte , und es wurde heimlich erzählt , ste sei eine Schauspielerin gewesen . Damals lebte noch des Herrn Jobst alte Mutter , eine kalte und fromme Frau mit scharfen , grauen Augen . Die mag das junge Ding wohl sehr in die Zucht genommen haben , denn man merkte ihr an , wie sie sich veränderte und traurig aussah und oft verweint . Das einzige Töchterchen , das sie Johanna nannten , wurde ihnen erst nach Jahren geboren . Damals , als Hans seine Berührung mit diesen Manschen hatte , war die Frau schon lange leidend , und es hieß , sie müsse in den Süden gehen . Johanna wuchs auf in dem alten Hause , in dem es noch ein Zimmer gab , das ganz mit blauweißen Kacheln ausgelegt war , auf diesen Kacheln sah sie Schiffe und Windmühlen , Schlösser , Ruinen , Fischer , Kirchtürme , Chinesen und allerhand sonstige Dinge abgebildet , die man sich denken mochte . Dann waren da große , geschweifte Schränke , die vier Türen hatten , und Kommoden mit wunderlichen Griffen , seltsam geschwungene Stühle , uralte Bilder , die ganz dunkel geworden waren und etwa einmal ein gespenstisch blasses Antlitz mit blitzenden Augen sehen ließen ; Treppenstufen gingen zu Zimmern in die Höhe ; Kronleuchter hingen seit Jahrzehnten eingehüllt , und vergoldete Stühle hatten festgebundene Bezüge . And auf den Böden stand unter Staub vielhundertjähriges Altertum , eingelegte Truhen , Spinnräder aus Mahagoniholz mit Elfenbein , alte Bücher in Schweinsleder mit messingenen Beschlägen , Rechnungen der Urahnen in Bändeln , Medizinflaschen von längst vergessenen Toten und sonstiges Krankengerät , Wiegen und Kinderspielzeug , darunter ein Puppentheater aus der Rokokozeit und ein großer Ballen sorgfältig gesammelter alter Leinwand , von der an arme Wöchnerinnen geschenkt wurde , wie seit Jahrhunderten schon geschehen in diesem Hause . Johanna war ein blasses Mädchen mit schwermütigen , dunkeln Augen und langlockigem Haar ; ihr Mund war schweigsam , aber ihre Augen vermochten ein tiefes und heftiges Gefühl zu erregen . Als sie Hans zum ersten Male ansah , war es ihm , als überfalle ihn eine ganz schreckliche Angst ; über die dachte er lange nach , und zuletzt wurde es ihm sicher , daß er das Mädchen liebe . Wie er darüber klar war , beschloß er , mit Karl zu sprechen ; aber kaum hatte er dem den Namen genannt , da machte er ein glückliches Gesicht und begann zu erzählen , wie sie die Tochter seiner Wirtsleute besucht habe , mit der sie zusammen zur Schule ging , denn er wohnte bei einem Oberlehrer , und es sei eines Sonntagnachmittags gewesen , und sie hätten Pfänderspiele gespielt ; da hätte sie ihn mehrmals angesehen ; und er wisse genau ihren Schulweg und habe eine Rose abgepflückt und sei vor ihr gegangen , daß sie ihn habe sehen müssen , und dann habe er die Rose für sie in einen stillen Winkel hingelegt , und sie habe die Rose genommen , und seitdem lege er ihr jeden Morgen eine Rose hin , und sie nehme und trage die . Wie Karl das erzählte , schämte sich Hans für ihn , sowohl um die Frechheit , daß er die Rose hingelegt , wie auch , daß er ihm das erzählte , und wurde ihm auch sehr traurig im Herzen , in weiter und unbestimmter Weise . So sprach er nichts mehr und suchte , daß er bald nach Hause kam , ging auf sein Dachkämmerchen und begann heftig zu weinen ; der Wirtsleute gutherziges Töchterlein aber , das ein , zwei Jahre älter sein mochte wie er , als sie nebenan das Schluchzen hörte , kam sie zu ihm und wollte ihn trösten , riet auch gleich , daß er wohl verliebt sei . Da sprach sie recht verständig und wie eine ganz erwachsene Person , daß er doch noch ganz jung sei , und verloben könne er sich noch lange nicht , und überhaupt sei das alles nur Unsinn . Wie aber Hans , obwohl er sich schämte wie ein Dieb , doch immer heftiger zu schluchzen anfing , da konnte sie in ihrer Gutmütigkeit sich nicht mehr halten , denn sie hatte nahe ans Wasser gebaut , und fingen auch ihr an die Tränen über ihre runden Bäckchen zu rollen in dicken Tropfen . So saßen die beiden auf Hansens Bettkante ; und kam ihr am Ende eine Erinnerung aus einem Buche , das sie gelesen , und sagte sie Hans , sie wolle seine Schwester sein , küßte ihn auf den nassen Mund und ging fort . Nach wenigen Tagen hatte sie sich schon an Johanna heranzumachen gewußt und wurde mit ihr recht befreundet . Da dachte sie dann , Hansen guten Trost zu bringen , denn Johanna hatte ihr gesagt , sie möge Karl gar nicht leiden und habe Hans viel lieber ; aber Hans glaubte ihr nicht , sondern meinte , sie wolle ihn nur trösten durch solche Botschaften . Einmal jedoch besuchte Johanna seiner Wirtsleute Tochter , und da sprach sie auch mit ihm einige Worte