über sie ? Für Nichtse giebt es eben nichts . Sie scheinen dir also doch mehr als nichts gewesen zu sein ! « » Das war in der Vergangenheit . Das ist vorüber ! « behauptete er . » Vorüber ? - Wirklich ? « » Ja ! « » Und doch erregt dich der Gedanke an sie noch heut in einer solchen Weise , daß du soeben an der Luft gewesen bist , um dich zu beruhigen ! Ustad , Ustad ! Du sagtest : Und ich ging , um das Licht ohne Schatten zu finden ! Hast du es gefunden ? « Er trat einige Schritte zurück , schüttelte leise den Kopf , warf ihn dann schnell zurück und fragte mich : » Etwa du , Effendi ? « » Von mir ist jetzt nicht die Rede , sondern von dir ! « » Es war von dir die Rede , von deinen Schatten ! Du hast jedenfalls gar nicht gewußt , daß du welche hattest ! « Da stand nun auch ich auf . » Mein Freund , « sagte ich , » mein armer Freund ! Mir scheint , du hast das Leben ganz verkehrt genommen . Die Nichtse waren bestimmend für dich , nicht aber die inhaltsvolle Wirklichkeit . Du wolltest diese Wirklichkeit beherrschen , wurdest aber leider selbst nur von leeren Schatten regiert . Darum standest du machtlos vor dem Leben , als es sein Turnier mit dir begann , und wurdest von ihm in den Sand gestreckt ! Du hattest es vielleicht wohl gar herausgefordert . Du dünktest dich , ein starker Geist zu sein , und wolltest kämpfen gegen andre Geister . Weißt du , was da das Leben that , das riesenstarke , mitleidskluge Leben ? « Er schaute mich fragend an , antwortete aber nicht . » Es kannte dich . Was wäre wohl geworden , wenn es deine Forderung für Ernst genommen hätte ! Es fiel ihm gar nicht ein , sich vor dir im Harnisch aufzustellen . Es schob dir einen seiner Schatten hin , die du ja selbst jetzt nur Phantome nennst . Was thatest du ? Du warfst dein Leben , deinen Geist und deine ganze Rüstung hin , ergriffst die Flucht und gingst in diese Berge , um dich hier in der Gruft , in diesem Grabe deines Jugendmutes , und hinter einem fremden Namen zu verstecken ! Vor wem ? Etwa vor dem Leben , welches dich gar nicht angegriffen hat ? Nein , sondern vor jenem Nichtse , das für dich bald ein Erdengott und bald ein nichtiges Phantasma ist ! « Ich hatte in wohl ernstem Tone gesprochen . Da griff er sich mit den Händen nach dem Kopfe , schaute vor sich nieder , ließ die Arme wieder sinken , holte tief , tief Atem und sagte : » Effendi , du schonst mich wahrlich nicht ! Ich sehe und ich höre , du bist mein Freund , mein wirklicher ! Solche Klarheit , wie du mir giebst , ist mir noch nie geworden ! Willst du mich vernichten , um mich als einen anderen wieder aufzurichten ? Wohlan , thue es ! Doch erlaube mir , mich in deine Klarheit hineinzufinden ! Sie kommt zu plötzlich über mich ! Ein Nichts und doch ein Erdengott ! Ja , ich habe Beides gesagt und mit Beidem dieselbe Person gemeint . Konnte sie beides sein , beides ? « » Ja ; sie konnte es . Aber ich bitte dich : Denke nicht an konkrete Personen , niemals , nie ! Sondern abstrahiere ! Der Bauer reißt die Giftpflanzen aus der Erde und wirft sie auf den Dünger . Der Chemiker aber zieht auch aus ihnen wohlthätige Extrakte . Auch ich kenne sogenannte . Erdengötter . Ich meine da nicht etwa die wirklich großen Menschen , sondern eben die Götter der Denkfaulheit und Urteilslosigkeit . Für mich aber sind sie nur wie jene Pflanzen : Ich koche ihre Seelen für mich aus , damit die meinige an diesem Trank sich stärke . Andere Gründe ihrer Existenz kenne ich nicht . Sie gedeihen nie im geistigen Sonnenscheine , sondern immer nur da , wo das Reich der Schatten eine seiner Provinzen errichtet hat . Dort sind sie Herr und Meister ! Dort giebt es keine Persönlichkeit , kein Wollen und kein Dürfen . Die kleinen Schattlein haben ja alle in den großen zu fallen , um zu huschen und zu schleichen , so , wie er schleicht und huscht . Und wenn er einmal den Mund öffnet , weil dort im Sonnenscheine eine wirkliche Existenz den Mund geöffnet hat , so schau nur hin , was da erscheinen wird ! Was dort der lebendige Odem des Geistes war , das ist hier nur der Dunst des lichtlos dunklen Bodens , auf dem der Schatten liegt und kriecht . - Ich spreche im allgemeinen , denn geistige Personen giebt es hier ja nicht . Wie ich auf die Schatten anderer sehr ruhig meine Füße setze , so mögen die andern auch ganz getrost auf den meinigen treten . Sie verletzen damit keinen wirklichen Menschen . Wer ihn aber mit Fußtritten strafen wollte , der wäre ein Thor , weil bei diesen Schemen ja überhaupt kein Stapfen haftet ! So lange die Erde steht , haben diese Zerrgebilde sich unter den Füßen des menschlichen Verstandes und der denkenden Vernunft herumgetrieben , aber ich habe noch nicht gehört , daß ein Schatten durch diese Fußtritte nicht Schatten geblieben , sondern Mensch geworden sei . Darum begreife ich , o Ustad , nicht , daß die deinen eine so große Macht über dich besessen haben und heut noch zu besitzen scheinen ! « » Effendi , es waren die mythologischen Schatten die Furien ! « rief er aus . » Wenn zehnmal und wenn tausendmal ! Wer sind die Furien ? Giebt es welche , oder leben sie nur in unserer Einbildung ? Im letzteren Falle sind