weissen Mützen umdrängten ihn , mehrere brachten ihm kleine Andenken , und alle riefen ihm nach : » Glückliche Reise , Ta ! Komme wieder , Ta ! Aber bringe keine chinesische Frau mit , Ta ! « Und er grinste über sein armes verweintes Gesicht , wie es nun mal im fernen Osten die gute Erziehung gebietet , wenn man so recht gerührt und traurig ist . Ich fuhr mit Ta zu seinem Schiff , wo ich ihn dem Provikar Hofer übergeben sollte . Vom Central-Park hinunter zum Hafen , durch die vielen verschiedenen Strassen , die immer ärmlicher , hässlicher und holpriger werden . In einer langen Reihe von Stufen irdischen Besitzes geht es von den Fifth-Avenue-Palästen hinunter zu den Tenement-Häusern , zu den Schlupfwinkeln für rätselhafte Existenzen und provisorisch aussehenden kleinen Läden und Kneipen , die man ganz verwundert ist , noch irgendwo in New York zu sehen . Von höchster Höhe bis zu tiefster Tiefe führt der lange Weg , von jenen , die vor der Langeweile von Vergnügen zu Vergnügen flüchten , bis zu denen , die im Kampf gegen Hunger und Kälte von Arbeit zu Arbeit hasten . Auf dem Dampfer herrschte die furchtbare Verwirrung , das Rennen , Hasten , sich Suchen , das aufgeregte Sprechen , das nervöse Lachen , das Händedrücken , das Küssen und Weinen der letzten Stunde vor der Abfahrt . Unendlich viel verschiedene Typen , die die neue Welt auf jedem solchen Dampfer zurück nach Europa schickt ! In die drei grossen Kategorien der Vergnügungs- , Geschäfts- und Gesundheitsreisenden lassen sie sich einteilen . Von einer Menge Freunde werden die meisten Reisenden noch begleitet , so dass ein entsetzliches Gedränge auf dem Deck herrscht . Zwischen all dem stehen die Schiffsoffiziere , ebenso abgestumpft gegen komische wie gegen wehmütige Abschiedsszenen , und erteilen mit lauter Stimme Befehle , korrekt , vorschriftsmässig , echt europäisch . - Nur mit Mühe fand ich in dem Gewühl der Abreisenden und Abschiednehmenden den Provikar . Ich übergab ihm Ta , und er versprach mir nochmals , gut für ihn zu sorgen und ihn sicher bis nach China zu bringen . Dann tönte auch schon die Glocke , dass die Nichtreisenden das Schiff zu verlassen hätten . Ich reichte beiden noch einmal die Hand und sagte zu Ta » Gott behüte dich ! « denn in diesem letzten Augenblick hatte ich das klare Bewusstsein , dass er mit offenen Augen in eine grosse Gefahr ging , weil er es für recht hielt - in seiner Art auch ein Held , trotz Zopf und Schlitzaugen - und ich gab ihm den Wunsch mit auf den Weg , der so viele Helden schon begleitet hat : » Gott behüte dich ! « Dann kam ich in das Gedränge , und zwischen lauter fremden Menschen , die alle auch ihre Sorgen hatten und eilten und hasteten , ward ich vom Schiff auf die Brücke und dann in den grossen dunkeln Schuppen geschoben , an dem der Dampfer noch lag . Ich blieb noch einmal stehen , durch das grosse , offene Tor , das man eben schliessen wollte , sah ich noch einmal das Schiff - es war jetzt los vom Lande , ein Zittern ging durch das Ungeheuer , als ob ein Riese sich seiner Kraft bewusst würde . Ich suchte noch einmal mit den Blicken nach Ta und dem Provikar - da schloss sich das Tor . Vor mir zur Strasse zurück ging eine gebeugte , alte Frau , die bitterlich weinte ; ein kleiner Junge führte sie , und ich hörte ihn tröstend sagen : » Never mind , granny dear , they ' ll come back ! « Aber die alte Frau weinte weiter , sie hatte wohl oft Menschen gehen und nicht wiederkehren sehen und wusste wie ich , dass Menschen vielleicht , Zeiten aber nie wiederkehren . Das Episodenhafte des Lebens lastet heute so besonders schmerzlich auf mir , lieber Freund , das Zerrissene , Heimatlose . Der arme Ta war mir immer noch wie eine Verbindung mit den chinesischen Jahren ; sie waren ja in vielem traurig und enttäuschend , manches haben wir dort erlebt , manches aus der Heimat dort vernommen , was uns in tiefstem Herzen geschmerzt hat - aber ich fühle jetzt doch , dass ich dort angefangen hatte , etwas Wurzel zu schlagen - und dann - man trauert ja auch um die grauen Tage , wenn sie erst vorbei sind , weil sie eben nie wiederkehren können und mit ihnen ein Stück von uns selbst verstorben ist . Seit den Gesprächen mit dem Provikar habe ich die Empfindung , als sei das China , das ich gekannt , auf immer dahin . Bis jetzt dachte ich , ich brauchte nur umzukehren , dann fände ich dort alles wieder , wie ich es verlassen habe - aber dem ist nicht so , man findet nie alles wieder , denn nichts bleibt still stehen , nicht einmal in China . Und nun quält mich die Angst , was werden wird , wenn der Provikar wirklich recht hat mit allem , was er prophezeit . Wenn er doch in Europa durchdringen und es ihm gelingen möchte , noch rechtzeitig zu warnen ! - Und dann sage ich mir wieder , ist es denn je gelungen , Ereignisse abzuwenden , Schicksale zu lenken ? Menschen mühen sich ab , ängstigen und grämen sich , möchten helfen und bessern , und in allem , was sie tun , zum Nutzen oder Schaden anderer , was sie sich einbilden , aus freier Wahl zu tun , was ihnen als Versäumnis oder als Verdienst erscheint - in alledem sind sie vielleicht nur blinde Werkzeuge eines blinden Verhängnisses . - Wer kann es wissen ? Draussen auf dem weiten Ozean zieht das Schiff dahin , das Ta und den Provikar trägt , und zahllose andere Schiffe kreuzen die Meere , alle voller Menschen , die auch zweckerfüllt und verantwortungsbelastet sind . Und