und Kurt - der Oberstleutnant wurde selbstverständlich übergangen - ein , am Sylvesterabend seine Gäste zu sein , unter der Bedingung , dass Fräulein Clementine und Elisabeth ihre Kollegin Lena aufforderten , an der Feier teilzunehmen . Auf andere Gäste wurde verzichtet . Man wollte ganz unter sich sein . Lena , die sich während der vergangenen Festwoche schon mehrere Rügen seitens der Aufsichtsdamen zugezogen hatte , war am einunddreissigsten während der Dienststunden derartig zerstreut , dass es nur ihren gutmütigen Nachbarinnen zu danken war , wenn sie , ohne unliebsames Aufsehen zu erregen , durch ihre Arbeitszeit kam . Endlich schlug die Stunde der Erlösung . Rasch , ohne auch nur auf die Strehsens zu warten , stürzte sie davon . Lenas Staat , der Lotte so viel heisse Thränen , so viele qualvolle Stunden gekostet hatte , war schon zurechtgelegt , so dass sie nur hineinzuschlüpfen brauchte . Lena war überglücklich . Das weisse Oberhemd , das kurze , fest anschliessende schwarze Jäckchen darüber sassen wie angegossen . Nun fehlte nur noch der schwarz und weiss karrierte Shlips , und fertig war sie . Es war auch höchste Zeit , denn während Lena die Schleifenenden vor dem schmalen Spiegelchen festknüpfte , wurde draussen die Flurklingel schon gezogen . Max Bornstein hatte um die Erlaubnis gebeten , sie um neun Uhr abholen zu dürfen . Lotte öffnete dem eleganten , jungen , hypermodern gekleideten Mann etwas verlegen die Thür und bat ihn , inzwischen in ihrem » Atelier « Platz zu nehmen , die Schwester würde gleich kommen . Bornstein verbeugte sich tiefer , als er sich je vor Lena verbeugt hatte , und stammelte einige unzusammenhängende Worte , während er dem schlanken blassen Mädchen in ihr Arbeitszimmer folgte . Er hatte etwas ganz anderes von der gemeinsamen Häuslichkeit einer kleinen Putzmacherin und einer Telephonistin erwartet , so eine Art Bohème , in der man es nach keiner Richtung hin sonderlich genau zu nehmen brauchte . Förmlich betroffen war er , alles anders zu finden wie er gedacht . Hier konnte er sich nicht so ohne weiteres im Negligée geben , - wenigstens vor den Augen dieses beinahe vornehmen , stillen Mädchens nicht - wie er es sonst bei dergleichen kleinen Scherzen gewohnt war . Eigentlich fatal ! Bornstein liebte es nicht , besondere Umstände machen zu müssen . Wenn er das vorher gewusst hätte , würde er , einstweilen wenigstens , einen Besuch in dieser geordneten , gut bürgerlichen Häuslichkeit vermieden haben . Endlich kam Lena . Als sie in ihrem neuen , feschen Kostüm in die schmale Thüröffnung trat , ein Lächeln auf dem frischen , rosigen Gesicht , da verschwanden Bornsteins Beklommenheit , sein Unmut im Augenblick wieder . Wahrhaftig , das Mädel war so reizend , dass man sich schlimmsten Falles schon ein paar Unbequemlichkeiten um seinetwillen aufhalsen konnte . Die beiden hielten sich nicht lange mit Abschiednehmen auf . Ihr schwarzes Jacket und das Pelzbarett hielt Lena schon in der Hand . Bornstein half ihr galant hinein , und dann , nachdem Lena Lotte flüchtig auf die Wange geküsst und Bornstein sich steif vor ihr verbeugt hatte , eilten sie durch die Küche die Treppe hinunter . Vom Hofe her hörte Lotte ihr fröhliches , etwas lautes Lachen . Nachdenklich schüttelte sie den Kopf . Diese Freundschaft Lenas wollte ihr nicht so recht gefallen , insbesondere nicht , seit sie Herrn Bornstein nun selbst gesehen hatte . Freilich , er war ein intimer Bekannter von Strehsens , folglich nach Lottes kurzsichtiger Logik ein jedes Vertrauens werter Mann . Auch hatten die Strehsens Lena ja völlig in ihren Schutz genommen , sie gehörte seit Weihnachten beinahe wie zur Familie , also trugen sie auch die Verantwortung für Lena . Trotzdem würde Lotte unter anderen Verhältnissen Lena nicht so ohne weiteres den Kavalierdiensten des Herrn Bornstein überlassen haben . Aber jetzt - nach dem , was zwischen ihr und Gerhart vorgekommen war , hatte sie auch nur das Recht zu einem Vorwurf , einem Tadel ? Ein kleiner Trost war es ihr , dass Franz Krieger , an den sie jetzt fortwährend denken musste , oft genug zu Haus gesagt hatte : » Die Lena wird schon durchkommen , die weiss sich zu helfen . Die lässt sich so leicht kein X für ein U machen . « Und dann hatte er hinzugefügt : » Aber Du , Lottchen ! Was soll aus Dir werden ? « Der gute , brave Mensch ! Lotte seufzte auf . Er würde es sich zu Herzen nehmen , er ganz gewiss , wenn er gewusst hätte , wie tief sie jetzt schon in Sorgen steckte . Aber es musste durchgekämpft werden , es musste ! Sie nahm ihre kleinen Geschäftsbücher vor und fing an zu rechnen und zu überlegen , wie sie es im nächsten Jahre praktischer und nutzbringender einrichten könnte . Auch das Haushaltungsbuch schlug sie auf . Es half nichts , so schwer es auch war , sie mussten noch einfacher leben , sich noch mehr abgehen lassen . Sie mussten leben , wie wirklich arme Leute ! Den Kopf in die Hand gestützt , sass sie und rechnete . Sie hatte viel Zeit , die ganze lange Sylvesternacht durch . Gerhart hatte die Jahreswende mit ihr allein verleben wollen . Sie hatte sich geweigert , mit blutendem Herzen , aber sie hatte es doch fertig bekommen . Seit sie ihm jenen Schwur geleistet , fürchtete sie sich instinktiv vor dem Alleinsein mit ihm . Sie hatte ihm andere Vorschläge gemacht , aber er hatte nur sie , sie allein gewollt . Als sie unerbittlich blieb , war er in heftigem Zorn davongegangen . Wie sie von Frau Wohlgebrecht zufällig gehört , würde er Sylvester in einer freien literarischen Vereinigung feiern . Während Lotte sich das Hirn zermarterte , was sie an Groschen und Pfennigen sich absparen könne , ging es in dem , von den Restaurationsräumen etwas abseits gelegenen Zimmer , in das Bornstein seine Gäste