aufopfernder Treue und Selbstentsagung für die Ihren arbeitete und jeden von dieser Arbeit freien Augenblick dem Trachten nach der himmlischen Klarheit widmete . Diese ist ihr , wie ich überzeugt bin , nun schon längst geworden . « » Wie fest , wie fest du glaubst , Sihdi ! « meinte Hanneh , indem sie in tiefer Rührung die Hände faltend ineinander legte . » Es giebt wohl nichts , gar nichts , was dich in diesem unerschütterlichen Glauben irremachen könnte ? « » Nichts ! Ich habe mit allen möglichen Unholden des äußeren und des Seelenlebens um ihn gerungen und bin auch jetzt noch in jedem Augenblicke bereit , für ihn zu kämpfen und mein Leben einzusetzen . Glaube mir , die in Menschengestalt sichtbaren Feinde sind nicht die stärksten und die schlimmsten Gegner dieser meiner seligmachenden Glaubenszuversicht ; die heißesten Kämpfe werden vielmehr im verborgenen Innern ausgerungen , wo der Einfluß dunkler Mächte größer ist als im sichtbaren Leben , welches nur die Wirkungen dieses Einflusses zeigen kann . Wohl dir , meine liebe Hanneh , wenn deine Engel die Hände über dich breiten , um solche Mächte und solche Kämpfe von dir fernzuhalten ! Nicht jeder besitzt die Ueberzeugungskraft , welche erforderlich ist , siegreich aus ihnen hervorzugehen . « Da lächelte sie mich herzig an und sagte : » Sihdi , warum sollte ich kämpfen , also etwas so Schweres thun , was ich ja gar nicht nötig habe ? Du hast mir deinen herrlichen Glauben gebracht und mir ihn in mein Herz gelegt . Was du mir giebst , ist gut . Da liegt er nun wie eine Sonne , die mich und mein ganzes Leben hell erleuchtet und erwärmt , und wo es eine solche Sonne giebt , da können finstere Mächte doch nicht sein . Wir haben jetzt hier eine irdische Kijahma erlebt , die Auferstehung eines Leibes von den Toten ; du aber hast mir durch deinen Glauben schon längst eine schönere , eine herrlichere Kijahma gebracht , eine Auferstehung der Seele von dem Tode , ein Hervorsteigen aus dem Grabe des Irrtums , in welchem es für mich kein Wiedererwachen , sondern nur Verwesung gab . Diese Kijahma ist für dich im Buche des Lebens aufgezeichnet und wird für dich zeugen , wenn einst deine Thaten , Worte und Gedanken abgemessen werden ! « » Sie hat in Gottes Willen gelegen und ist das Geschenk seiner Liebe , die alle Menschen selig machen will ; ich besitze kein Recht , mir einen Dank dafür anzumaßen . Es ist ja so leicht , den Glauben in ein Herz zu legen , welches ihm so sehnend , so willig und voll Vertrauen offen steht . Zwar ist dieses Sehnen in jede Menschenbrust gelegt , aber zugleich wohnen da auch die Geister des Hochmutes , der Selbstgefälligkeit , der Genußsucht , des Ungehorsams , der sich nicht strafen lassen will , und noch viele andere , die es nicht zu Worte kommen lassen . « Da nahm Omar Ben Sadek das Wort , indem er sagte : » Effendi , du sagst die Wahrheit wenn du von diesen Geistern redest . Was war ich für ein Mann , als du mich kennen lerntest ? Ein nach Rache , nach blutiger Vergeltung schnaubender Mensch , ein Anhänger des Islam , der nur sich selbst liebte , seine Feinde haßte und gegen alle andern Personen nichts als stolze Gleichgültigkeit empfand . Du warst der erste unter allen Leuten , der mich zur Achtung zwang . Darum wünschte ich , ebenso wie Hadschi Halef , unser jetziger Scheik , daß du Muhammedaner werden möchtest , denn wir hatten dir so viel zu verdanken und wollten dir den Himmel gönnen , den wir nur für die Anhänger des Propheten offen glaubten . Wir arbeiteten an dir ohne Unterlaß , zu jeder Zeit ; du sagtest nichts dazu ; ein Lächeln war alles , was dir unsere Bemühungen entlocken konnten . Ein anderer an deiner Stelle hätte uns mit den Lehren des Christentums bekämpft , und es wäre ein unerquicklicher Wortstreit entstanden , der uns verfeindet und unsere schließliche Trennung herbeigeführt hätte . Du aber warst zu klug , in das Verhalten der Prediger zu verfallen , welche , ohne unsere Lehren zu kennen , uns zumuten , die ihrigen als richtiger und besser anzunehmen . Du brachtest keine Lehren ; du sagtest keine Worte , aber du sprachst in Thaten . Du lebtest ein Leben , welches eine hinreißende , eine überzeugende Predigt deines Glaubens war . Wir waren deine Begleiter und lebten also dieses dein Leben mit . Der Inhalt des deinigen war Liebe , nichts als Liebe . Wir lernten diese Liebe kennen und liebten zunächst auch dich . Wir konnten nicht von dir lassen und also auch nicht von ihr . Sie wurde größer und immer mächtiger in uns ; sie umfaßte nicht bloß dich , sondern nach und nach auch alle , mit denen wir in Berührung kamen . Jetzt umfängt diese unsere Liebe die ganze Erde und alle Menschen , die auf ihr wohnen . Wir haben den Kuran vergessen ; wir sind gleichgültig geworden für die Gesetze des Propheten , durch welche die Geister , von denen du sprachst , ihre Macht über uns gewannen . Unser Stamm ist groß und berühmt geworden durch das Beispiel , welches wir befolgten , weil es uns von dir , den wir liebten , gegeben wurde . Wir sind unabhängig geworden durch dich ; wir kennen keinen Scheik und keinen Stamm der Dschesireh53 , von dessen Willen wir uns bestimmen lassen . So haben wir uns auch von der Oberhand des Islam freigemacht . Wir wollten dich zu ihm bekehren , sind aber , ohne daß wir es nur merkten , durch die Predigt deiner Thaten , welche nichts als Liebe lehrten , von Muhammed fort- und auf das hohe Minareh54 dieser Liebe hinaufgeleitet worden , von welchem aus es nur ein Gebot und eine