mich als Vater lächerlich macht , die meinen Namen vor aller Welt blamiert « - - Ach , könnt ' ich ihn nicht ablegen , den Namen , dem ich Unehre mache ? So etwas muß doch möglich sein , so etwas muß man doch gestatten , einem beleidigten Vater zur Genugthuung ! Nein , ich will nicht sterben , ich kann so nicht sterben ! Nicht einmal die Matura gemacht und soll schon sterben ? Noch keinem Menschen auf dem Erdenrund geholfen , und soll schon sterben ? Nein , es geht nicht , ich darf nicht . Ich bin auch berufen ! » Geh und hilf deinen Schwestern , « so klang der Ruf . Ich liebe alle Menschen , ich kann so nicht von ihnen gehen ! Die kleinen Kinder auf der Straße , die mir die Händchen hingestreckt , - sollen sie vergebens die Händchen nach mir strecken ? Mein Gott , mein Gott , ist es möglich , daß ich so verzweifelt bin um Geld ? um schmutziges , verabscheutes Geld ? Oh , wie ich es verachte ! oh , wie ich es hasse ! mit Ekel , mit Ekel halt ' ich es in meiner Hand ! Alles Böse , alles Teuflische , alles Verderben ist für mich verkörpert in diesen schmutzigen , schmierigen Plättchen und Lappen , für die die Welt feil ist . Schafft es ab , um Gotteswillen , schafft es ab ! es klebt von Schweiß und Blut und Kot ! Es labt keinen Sinn , es stillt keinen Hunger , keinen Durst , es vergiftet die Liebe und tötet die Seele ! Und ich weine um Geld ? Ach , Vater , alles will ich dir verzeihen , nur das nicht , nur die tiefe Erniedrigung nicht , in die ich vor mir selber verfallen bin ! Ja , weinen , das ist alles , was du kannst ! Erbärmliche Kreatur , flügellahme Fledermaus ! und du willst andern helfen ? haha ! so etwas Lächerliches , so etwas Absurdes und Verrücktes , wie diese abgestürzte Fledermaus ! Du hast ja keine Flügel ! Du hast ja keine Flügel ! Hast du denn das nicht gewußt ? Mußt es so derb erst fühlen ? - Beiß doch die Zähne zusammen , du dummes Geschöpf und blick in die Zukunft mit deinen zugekniffenen Nachtaugen . Man muß es versuchen - man muß Pläne machen . Nein , das hab ich doch nicht geglaubt , und das ist mein Unrecht , denn mußte ich nicht auf alles gefaßt sein ? Ich habe auf mein Glück vertraut , auf günstige Zufälligkeiten - all das war verkehrt . - - - Aber doch wieder und wieder frag ' ich mich : » was soll man denn thun ? « Nackt und hülflos werden wir geboren , stürben ja sogleich , wenn man uns nicht wärmte und tränkte . Und wie es weiter geht - immer müssen da die Helfer um uns sein ; ohne sie kein Lernen , kein Emporwachsen aus der Unwissenheit . Uebermittelung , das ist alles Leben . Sie schleudern dir die Lebensfackel zu , damit du sie weiter giebst ; hinter dir bleibt der Tod und das Dunkel , vor dir die unabsehbaren Reihen der Fackel schwinger , und über dir das Lichtmeer , der zusammengeflossene Glanz , die Gegenwart . Aber mit der Fackel giebt mir der hinter mir Stehende doch nicht allein das nackte Leben , - giebt er mir nur das , so giebt er mir zu wenig ! Mach ' mich fähig , mein Leben voll auszunützen , das muß ich von dir fordern , von dir , der du hinter mir stehst ! Nur dann kann ich eine helle , glänzende Fackel weiterschleudern , nur dann . Wohl , ich habe Anspruch auf die Hilfe der andern ! Jeder Mensch muß auf diesem Recht bestehen . Gegenseitige Hülfeleistung , darauf ist alles aufgebaut . - Ach , sie sind nicht gut mit mir verfahren ! Stundenlang bin ich so drunten , so drunten - - Auch ganz verstört . Ich möchte alle Leute fragen ! hab ' ich das Recht auf Hülfe , oder bild ' ich mir dies Recht nur ein ? Es ist manchmal wie ein wüster Traum . Ich kann es nicht glauben . Ich nehme den Brief wieder vor , auf den es keine Antwort giebt . Ich lese die Worte , die Zeilen und verstehe sie nicht . Ich weiß sie alle auswendig und verstehe sie nicht . Es scheint , daß sie mich verhungern lassen wollen ? Es scheint so . Es scheint , daß Papa diesen Ausgang für etwas Natürliches und Gutes hält ? Er haßt mich also . Er möchte meinen Untergang . Oh , Papa , der Wunsch kann dir erfüllt werden , bald ! Wenn ich das Boot nehme - - Den ganzen Tag seh ' ich das Boot vor mir . Schwarz wie die Gondeln in Venedig schwimmt es auf dem wogenden graugrünen Wasser , und die blauschwarzen Gewitterwolken hangen tief darüber ...... Aber dann wieder - » wenn sie nach Hause kommt - - Asyl im Elternhaus « - - Was heißt das ? Sein Haß ist also nur relativ ? Wenn ich mich feig und charakterlos zeige , dann haßt er mich nicht ? Wenn ich mein Bestes vergesse und leugne , um ein » Asyl « , eine » Stütze « zu haben , dann haßt er mich nicht ? Aber , Papa , begreifst du denn nicht , daß ich ein freier Mensch bin , und daß ich selbst über mein Leben bestimmen muß ? Es ist ja mein Leben , nicht das deine ! Das Gesetz meines Daseins ruht ja in mir , kann in keinem anderm ruhen ! Was hülfe es dir , wenn dir ein Leichnam ins Haus käme , - wenn ein Automat dir gehorchte ? - - 30. September . Gut , das