stand ja bei ihm ! Ich Wickelkind habe ihm ja Alles überlassen ! Sonderbar : Der Gedanke , sich nun selbst ein Kursbuch anzuschaffen und einen Reiseplan zu machen , kam ihm nicht . Dafür entwarf er bereits den Brief , den er nach seiner Ankunft in Athen » diesem Elenden « schicken wollte : » Hier bin ich , auf der Akropolis , und gottlob ohne den Pintscher , der mir folgen wollte ... Ich habe eine sehr angenehme Stelle als Sekretär eines deutschen Privatgelehrten ... Meine Adresse teile ich Dir nicht mit , um vor Deiner Verräterei sicher zu sein . Denn es giebt keine Gemeinheit , die ich Dir nicht zutraute ... « Dieser Brief , den er vielmal in sich hin und her wandte und mit zahlreichen vergifteten Spitzen versah , beruhigte ihn ungemein . Als er ihn auswendig wußte , war er so weit , die » Jammerhaftigkeit dieses Staatsanwaltssprößlings « für ein Glück anzusehen . Wäre ich denn in seiner Gegenwart frei gewesen ? Hätte er mich nicht in meinen besten Entschlüssen gestört ? Was für eine unglaubliche Verirrung dieser Gedanke überhaupt gewesen ist , mit dieser Hundeschnauze zusammen nach Griechenland gehen zu wollen . Aber eine gute Lehre das ! Immer und Alles allein ! Jedes Vertrauen ist Wegwurf ! Er schrieb sich diese Maxime in sein Notizbuch und empfand das ganze differenzierte Wohlgefühl des Pessimisten . Er wurde sogar übermütig . Warte , mein braver Knabe , dachte er sich und nahm die Girlingerschen Sachen aus dem Koffer , hing sie , nachdem er sie zerrissen hatte , auf eine Bohnenstange und stellte das Ganze nach Art einer Vogelscheuche in ein Beet . Daran befestigte er ein Stück Papier mit der Aufschrift : Siegeszeichen des Wohlverhaltens . Dann nahm er den Koffer mit seinen Habseligkeiten und schlug den Weg zu dem Hause ein , in dem Martha waltete . Es war selten , daß dort ein Mensch männlichen Geschlechtes mit einem Koffer erschien , denn , wenn auch viele Handlungsreisende in diesem gastfreien Hause verkehrten , so ließen sie ihre Musterpackete doch gewöhnlich im Hotel . Und so erregte er ein gelindes Aufsehen . - Ja , Schnutchen , kleines , willst Du denn verreisen ? rief ihm Martha entgegen , die , mit einem schwarzseidenen Hemde bekleidet , nicht mehr an die Gemälde Professor Thumanns erinnerte . - Ich bin auf dem Wege zum Bahnhofe und will Dir nur Lebewohl sagen , erwiderte Stilpe etwas ernster , als es im Stile dieses Milieus war . - Nanu , doch nicht ganz fort , Schnutchen ? Dann muß ich ja weinen ! ? - Ganz fort . Weit weg . Aber frage nicht . Wir wollen noch einmal fröhlich sein . Er gab sich hier sonst gerne frivol , weil er fürchtete , im andern Falle seine Jugend zu verraten , die ihn in diesem Hause immer etwas genierte , aber diesmal konnte er die jugendliche Feierlichkeit nicht verleugnen . - Jetzt wird mirs aber ängstlich , Schnutchen . Wer soll mir denn dann Verse vorlesen ? - Du brauchst nicht so spöttisch zu sein . - Aber nee , ich mein ' s ernst , auf Ehre . Ich kann sie ja auswendig ! Und sie deklamierte mit unverstellter Genugthuung : Wie jene Ritter in der alten Zeit , Die für die Liebe stritten todbereit , Streit ich für Dich und Deine Edelheit . Ich liebe Dich und glühe mich Dir an , Vor Deinen Füßen lieg ich , sieh mich an , Ein Knabe bin ich , küsse mich zum Mann ! Nein , bin kein Knabe ! Denn ich weiß durch Dich , Was Liebe ist , Dein Blick erweckte mich , Drum sing ich Dank Dir heut und ewiglich ! - Siehst Du , ich kann ' s ganz auswendig ! Stilpe war selig . Seine Verse klangen ihm aus diesem Munde wie der Inbegriff aller Poesie , und er fiel dem Mädchen heiß um den Hals . - Rotwein ! Champagner ! Und Cigarretten ! - Aber Schnutchen , hast Du denn soviel Geld ? - Ja , ja , massenhaft ! Laß nur kommen . - Nee , Schnutchen , laß das doch die alten Onkels machen . Ein paar Glas Bayrisch thuts bei Dir schon . - Nein , nein ! Heute müssen wir Wein trinken ! Weißt Du , eine Orgie feiern ! Eine Orgie ! Weißt Du , was das ist ? - Ja , ja , so was Verrücktes . Aber wozu denn ? - Mach ! Mach ! Ich habe nicht lange Zeit . Ich muß fort . Bestelle nur ! ... Ach so , vorausbezahlen ? Da , da ist Geld . Er gab ihr sein ganzes Portemonnaie . - Gehört das ganz meine ? Stilpe erschrak sehr . Aber er faßte sich und sagte mit edlem Anstande : - Wie Du willst . Aber dann kann ich nicht reisen . - Gott , bist Du ein anständiger Junge ! sagte das Mädchen und gab ihm das Portemonnaie zurück . Diesmal ärgerte ihn das Wort Junge nicht . Der Wein nahm seiner Stimmung den Rest von Gedrücktheit . Zwar wollte sich durchaus nicht das entwickeln , was er eine Orgie nannte , denn das Mädchen bemutterte ihn heute noch mehr als sonst , aber wenn er auch nicht tanzte , so lief er doch recht lebhaft in dem kleinen Zimmer , soweit es nicht Bett war , auf und ab . - Wenn Du wüßtest , was ich vorhabe ! Wenn Du wüßtest , wohin ich reise ! - Na , so sags mir doch . Er blieb stehen und sah sie ekstatisch an . - Ja ! Wenn Du mir versprichst , mit mir zu reisen ! - Ja , wenn Du bei Mutter Zanken meine Schulden bezahlst . - Wieviel sind es ! - Na , blos so dreihundert Märker . - Herrgott ! Dreihundert ! Nein ,