ne ! Wer gescheit is , gnädige Kontesse , da haben Se sehr recht , der heirat ' sich keenen Mann ! « Unter solchen Reden war man ins Haus getreten . Hier sprangen ein paar Kaninchen hinter einen Bretterverschlag . Wanda wollte eines der Tiere erhaschen , aber das Tierchen war flinker als sie . Frau Katschner , die Paulinens wegen jetzt noch nicht das Zimmer betreten wollte , fand hierin eine günstige Gelegenheit , die jungen Damen noch länger im Hausflur zu halten . Sie öffnete das Ställchen . In einer dunklen Ecke unter einer Heubucht erblickte man eine ganze Kaninchenhecke . Wanda rief : » Pfui Deibel , wie stinkt ' s hier ! « lief aber nichtsdestoweniger in den Verschlag hinein und zog einzelne Tiere an den Löffeln heraus . Frau Katschner mußte ihr sagen , welches Männchen und welches Weibchen seien . Als das Interesse hierfür erschöpft schien , hielt es Frau Katschner für angezeigt , die Damen in das Wohnzimmer zu führen . Pauline kam jetzt zum Vorschein aus ihrer Kammer , mit gesenkten Augen , über und über errötend . Ihre Befangenheit war womöglich noch größer als zuvor . Pauline war in früheren Zeiten ein gelegentlicher Gast auf dem Schlosse gewesen , als Spielgefährte für Komtesse Ida , mit der sie ungefähr in gleichem Alter stand . Damals war man vertraut gewesen miteinander , nach Weise von Kindern , bei denen sich der Standesunterschied nicht so stark bemerkbar macht . Frau Katschner hatte der Tochter zwar immer die größte Devotion gegen die herrschaftlichen Kinder eingeschärft , aber beim Spiele war die künstliche Schranke der Etikette oft genug überschritten worden . Inzwischen hatten die beiden Komtessen eine Pension für freiadelige junge Mädchen besucht , aus der sie vor einem Jahre als fertige junge Damen entlassen worden waren . Sie hatten ihren ersten Winter in der Berliner Gesellschaft hinter sich . Seit Jahren hatten sich also die ehemaligen Spielgefährten nicht mehr gesehen . Auch Ida errötete bis unter das blonde Haar , als sie Pauline jetzt die Hand reichte . Einen Augenblick hatte sie erwogen , ob sie das Mädchen umarmen solle . Aber dann fürchtete sie , es könne gemacht aussehen und wie Herablassung wirken , und so ließ sie es lieber bei einem Händedruck bewenden . Wanda hingegen stellte sich vor Pauline hin und musterte sie von oben bis unten . » Diese Pauline ! « rief sie . » Was das für ein Weib geworden ist . Wie eine Frau sieht sie aus , wie die reine Frau ! Gar nichts vom Mädel mehr ! « Paulinens Hals , Wangen und Stirn färbten sich purpurn . Die Komtesse ahnte nicht , welchen Sinn jene ihrer Bemerkung unterlegen mußte . Frau Katschners Vermittlertalent half über diesen kritischen Moment hinweg . Sie sprach und fragte , machte auf dieses und jenes aufmerksam , forderte die Damen zum Sitzen auf . Sie erzählte aus jetziger und früherer Zeit , wußte ihre devote Gesinnung gegen die Herrschaft in das rechte Licht zu rücken . Mit ihrer Bewunderung für die Erscheinung der Komtessen hielt sie nicht zurück . Sie war eine Meisterin in der Dienstbotenschmeichelei . Durch gelegentlich eingeworfene Fragen verstand sie es übrigens auch , die jungen Damen zur Aussprache zu bringen , so daß sie bald allerhand für sie Wissenswertes in Erfahrung gebracht hatte . Pauline saß stumm dabei und rührte sich kaum . Auf dem Mädchen schien irgendetwas zu lasten . » Famos ist es hier ! « rief eben Wanda . » Überhaupt , die sogenannten armen Leute haben es doch gar nicht schlecht ! « Da erhob sich in der Kammer nebenan ein jämmerliches Quiecken . Pauline wurde sehr unruhig , und selbst Frau Katschner warf einen besorgten Blick nach jener Tür . » Was haben Sie denn da drinne ? Junge Katzen ? « fragte Wanda . Sie schien große Lust zu verspüren , dem Grunde des Lärmens sofort nachzuforschen . » Ach , das ist ja das Kind ! « rief Frau Katschner . » Gnädige Kontessen müssen entschuldigen ! « » Was ! Habt ihr hier kleine Kinder ? « Pauline saß wie mit Blut übergossen , die Augen in den Schoß gerichtet . » Wir wissen eigentlich selbst nicht recht , wie wir zu dem Kinde kommen , « sagte Frau Katschner . » Da habe ich eine Schwester , von der is der Mann gestorben , und da is eine Tochter , die hat geheiratet , und sehen Sie , der is der Mann davongelaufen . So ein Lump ! nicht wahr ? Na , ich hab ' s ja vorher gesagt ! Aber , wer nicht hören wollte ... Also , von der is das Kind . - Das arme Ding haben wir derweilen hier bei uns aufgenommen , weil die sich einen Dienst sucht . Das is der ihr Kind , ja ! « - Pauline sah ihre Mutter erschrocken an ob der Lüge . Das Mädchen war auf einmal ganz bleich geworden . Gut , daß Wanda das Gespräch sofort an sich riß und über durchgebrannte Männer und kleine Kinder mit Kennermiene zu sprechen begann . Pauline schlich sich derweilen aus dem Zimmer . Gleich darauf hörte man sie in der Kammer das schreiende Kind beruhigen . » Na , und sehen Se ! « fuhr die Witwe voll Eifer fort , » was meine Pauline is , die hat Sie das Kind doch nu so lieb gewonnen , als wäre ' s ihr eigenes . Wie eine zweite Mutter , mechte man sprechen , is das Mädel zu dem Kinde . « » Darf man das Kleine einmal sehen ? « fragte Ida . Frau Katschner lief ins Nebenzimmer und sprach dort halblaut ein paar Worte mit ihrer Tochter . Bald darauf kamen beide Frauen ins Zimmer zurück . Pauline trug den Jungen auf dem Arme . Das Kind saß da , einen Finger im Munde , nur mit dem Hemdchen bekleidet ,