Gräfin von Orlamünde ; darin aber sind beide einig , daß es das Bildnis der Dame sei , die seither in der Geschichte der Hohenzollern unter dem Namen der Weißen Frau eine gewisse Berühmtheit erlangt hat . « » Das hab ich gut getroffen « , sagte Effi , während sie das Buch beiseite schob ; » ich will mir die Nerven beruhigen , und das erste , was ich lese , ist die Geschichte von der Weißen Frau , vor der ich mich gefürchtet habe , solang ich denken kann . Aber da nun das Gruseln mal da ist , will ich doch auch zu Ende lesen . « Und sie schlug wieder auf und las weiter : » ... Eben dies alte Porträt ( dessen Original in der Hohenzollernschen Familiengeschichte solche Rolle spielt ) spielt als Bild auch eine Rolle in der Spezialgeschichte des Schlosses Eremitage , was wohl damit zusammenhängt , daß es an einer dem Fremden unsichtbaren Tapetentür hängt , hinter der sich eine vom Souterrain her hinaufführende Treppe befindet . Es heißt , daß , als Napoleon hier übernachtete , die Weiße Frau aus dem Rahmen herausgetreten und auf sein Bett zugeschritten sei . Der Kaiser , entsetzt auffahrend , habe nach seinem Adjutanten gerufen und bis an sein Lebensende mit Entrüstung von diesem maudit château gesprochen . « » Ich muß es aufgeben , mich durch Lektüre beruhigen zu wollen « , sagte Effi . » Lese ich weiter , so komm ich gewiß noch nach einem Kellergewölbe , wo der Teufel auf einem Weinfaß davongeritten ist . Es gibt , glaub ich , in Deutschland viel dergleichen , und in einem Reisehandbuch muß es sich natürlich alles zusammenfinden . Ich will also lieber wieder die Augen schließen und mir , so gut es geht , meinen Polterabend vorstellen : die Zwillinge , wie sie vor Tränen nicht weiterkonnten , und dazu den Vetter Briest , der , als sich alles verlegen anblickte , mit erstaunlicher Würde behauptete , solche Tränen öffneten einem das Paradies . Er war wirklich charmant und immer so übermütig ... Und nun ich ! Und gerade hier . Ach , ich tauge doch gar nicht für eine große Dame . Die Mama , ja , die hätte hierher gepaßt , die hätte , wie ' s einer Landrätin zukommt , den Ton angegeben , und Sidonie Grasenabb wäre ganz Huldigung gegen sie gewesen und hätte sich über ihren Glauben oder Unglauben nicht groß beunruhigt . Aber ich ... Ich bin ein Kind und werd es auch wohl bleiben . Einmal hab ich gehört , das sei ein Glück . Aber ich weiß doch nicht , ob das wahr ist . Man muß doch immer dahin passen , wohin man nun mal gestellt ist . « In diesem Augenblicke kam Friedrich , um den Tisch abzuräumen . » Wie spät ist es , Friedrich ? « » Es geht auf neun , gnäd ' ge Frau . « » Nun , das läßt sich hören . Schicken Sie mir Johanna . « » Gnäd ' ge Frau haben befohlen . « » Ja , Johanna . Ich will zu Bett gehen . Es ist eigentlich noch früh . Aber ich bin so allein . Bitte , tun Sie den Brief erst ein , und wenn Sie wieder da sind , nun , dann wird es wohl Zeit sein . Und wenn auch nicht . « Effi nahm die Lampe und ging in ihr Schlafzimmer hinüber . Richtig , auf der Binsenmatte lag Rollo . Als er Effi kommen sah , erhob er sich , um den Platz freizugeben , und strich mit seinem Behang an ihrer Hand hin . Dann legte er sich wieder nieder . Johanna war inzwischen nach dem Landratsamt hinübergegangen , um da den Brief einzustecken . Sie hatte sich drüben nicht sonderlich beeilt , vielmehr vorgezogen , mit der Frau Paaschen , des Amtsdieners Frau , ein Gespräch zu führen . Natürlich über die junge Frau . » Wie ist sie denn ? « fragte die Paaschen . » Sehr jung ist sie . « » Nun , das ist kein Unglück , eher umgekehrt . Die Jungen , und das ist eben das Gute , stehen immer bloß vorm Spiegel und zupfen und stecken sich was vor und sehen nicht viel und hören nicht viel und sind noch nicht so , daß sie draußen immer die Lichtstümpfe zählen und einem nicht gönnen , daß man einen Kuß kriegt , bloß weil sie selber keinen mehr kriegen . « » Ja « , sagte Johanna , » so war meine vorige Madam , und ganz ohne Not . Aber davon hat unsere Gnäd ' ge nichts . « » Ist er denn sehr zärtlich ? « » O sehr . Das können Sie doch wohl denken . « » Aber daß er sie so allein läßt ... « » Ja , liebe Paaschen , Sie dürfen nicht vergessen ... der Fürst . Und dann , er ist ja doch am Ende Landrat . Und vielleicht will er auch noch höher . « » Gewiß , will er . Und er wird auch noch . Er hat so was . Paaschen sagt es auch immer , und der kennt seine Leute . « Während dieses Ganges drüben nach dem Amt hinüber war wohl eine Viertelstunde vergangen , und als Johanna wieder zurück war , saß Effi schon vor dem Trumeau und wartete . » Sie sind lange geblieben , Johanna . « » Ja , gnäd ' ge Frau ... Gnäd ' ge Frau wollen entschuldigen ... Ich traf drüben die Frau Paaschen , und da hab ich mich ein wenig verweilt . Es ist so still hier . Man ist immer froh , wenn man einen Menschen trifft , mit dem man ein Wort sprechen kann . Christel ist eine sehr gute Person , aber sie spricht nicht , und Friedrich ist so dusig und auch