lies - da lernt man was draus ! Und wenn man eine Weile drin gelesen hat - dann kommt einem meistens das Weinen an . « » Ist es denn so traurig ? « fragte er und besah den roten Deckel mit beklommener Neugier . » Ja , sehr traurig , so schön und so traurig wie - wie - bloß von Liebe ist die Rede , von weiter gar nichts , und man fühlt , wie die Sehnsucht einen übermannt , wie man fliegen möchte nach dem Ganges , wo die Lotosblumen blühen und wo - « Sie stockte , dann lachte sie hell auf und meinte : » Ach , das ist zu dumm - nicht ? « » Was ? « » Was ich da schwatze . « » Nein - ich möcht ' dich mein Lebtag so reden hören . « » Ja - möchtest du ? - Ach , du - hier ist es mollig ! Ich komm ' mir so geborgen vor , wenn du dabei bist . « - Und sie streckte sich in dem Netzwerk aus , als wollte sie mit dem Kopf nach seiner Schulter hin . Ein seltsames Gefühl von Glück und Frieden überkam ihn , wie er es lange nicht gekannt hatte . » Warum schaust du fort ? « fragte sie . » Ich schaue nicht fort . « » Doch ... du mußt mich anschauen ... Das hab ' ich gern ... du hast so ernste , treue Augen - du , jetzt weiß ich auch , womit ich die Lieder da vergleichen soll ! « » Nun , womit ? « » Mit deinem Pfeifen . Das ist auch so - so - - na , du weißt schon ... Pfeifst du denn auch noch manchmal ? « » Selten ! « » Und die Flöte hast du wohl auch nicht spielen gelernt ? « » Nein . « » O pfui ! - Wenn du mich liebhast , dann tust du ' s ... Ich werde dir auch das nächste Mal eine schöne Flöte schenken ! « » Ich habe nichts , dir wieder zu schenken ! « » Doch - du schenkst mir all ' die Lieder , die du spielst . Und wenn dir recht wehe ums Herz ist ... na , lies nur in dem Buche - da steht alles . « Paul besah es von allen Seiten . » Was muß das für ein seltsames Buch sein ? « dachte er . » Und nun erzähl mir von dir ! « sagte sie . » Was tust du ? Was treibst du ? Was macht deine liebe Mama ? « Paul sah sie dankbar an . Er fühlte , daß er heute würde reden können , ganz wie ihm ums Herz war - da fuhr ' s ihm plötzlich durch den Sinn , daß die Frühstückspause längst vorüber und daß der Knecht mit den Pferden auf ihn wartete . Bis Mittag mußte er fertig sein , denn nach dem Essen sollte das Fuhrwerk mit einer Fuhre Torf , die er heimlich hatte stechen lassen , in die Stadt . » Ich muß an die Arbeit , « stammelte er . » Ach , wie schade ! Und wann bist du fertig ? « » Um Mittag . « » So lange kann ich nicht warten , sonst ängstigt sich Mama . Aber in den nächsten Tagen komm doch wieder einmal ausschauen - vielleicht findest du mich . Jetzt will ich noch eine Stunde hier liegen und dir zugucken . Es sieht prächtig aus , wenn du mit deinem schneeweißen Tuche auf und nieder schreitest und die Körner um dich her sprühen . « Er reichte ihr stumm die Hand und ging . » Das Buch werd ' ich hier liegen lassen , « rief sie ihm nach , » hol ' s dir , wenn du fertig bist ... « Der Knecht lächelte verschmitzt , als er ihn kommen sah , und Paul wagte kaum die Augen zu ihm aufzuschlagen . Jedesmal , wenn er in seiner Arbeit an der Stelle vorüberging , an der sie drüben im Walde ruhte , richtete sie sich halb auf und winkte ihm mit dem Taschentuche . Gegen zwölf Uhr wickelte sie ihre Hängematte zusammen , trat an den Waldesrand und rief durch die hohle Hand ihr Lebewohl ... Er nahm zum Dank die Mütze ab , der Knecht aber schaute nach der anderen Seite und pfiff sich eins , als wollte er nichts bemerkt haben ... Während der heutigen Mittagsmahlzeit wandte die Mutter keinen Blick von ihrem Sohne , und als sie mit ihm allein war , trat sie auf ihn zu , nahm seinen Kopf in ihre beiden Hände und sagte : » Was ist dir passiert , mein Junge ? « » Weshalb ? « fragte er verwirrt . » Dein Auge leuchtet so verfänglich . « Er lachte laut auf und lief von dannen ; als sie ihn aber beim Abendbrot noch immer anschaute - fragend und traurig zugleich - , da tat es ihm weh , daß er ihr kein Vertrauen geschenkt hatte , er ging ihr nach und gestand ihr , was ihm widerfahren war . Da flog es wie Sonnenschein über ihr vergrämtes Gesicht , und als er mit glühenden Backen verschämt von dannen schlich , schaute sie ihm feuchten Auges nach und faltete die Hände , wie um zu beten . Er saß bis gegen Mitternacht in seiner Kammer , den Kopf in die Hände gestützt . Das geheimnisvolle Buch lag auf seinen Knien , aber darin lesen konnte er nicht , denn der Vater hatte ihm verboten , abends Licht zu brennen . Er mußte warten bis zum Sonntag . Er dachte darüber nach , wie anders sie geworden war . - Hätte sie nur nicht so oft gelacht . Ihr Frohsinn entfremdete sie ihm , und das volle , blühende Leben , von dem sie