ihrem länglichen Gesichte den Ausdruck der Willensstärke , der aber durch die fast schüchternen Blicke ihrer dunkeln , in einem unbestimmten bläulichen Glanze schwimmenden Augen wieder wettgemacht wurde . Rosalie schien nicht gewohnt , sich unter fröhlichen Menschen zu bewegen , sie sah deren lärmend lustigem Treiben zugleich verschüchtert und neugierig zu ; sie schien nicht zu wissen , was sie , als reiche Bauerstochter , für Respekt von Seite ihres Tänzers beanspruchen konnte , auch nicht , was die ärmste Dirne in solchem Falle für Aufmerksamkeiten fordern würde ; schweigend saß sie an der Seite des wortkargen Burschen , und wenn er sie an der Hand aufzog und sagte : » Springen wir auch mal herum « , oder ihr Glas füllte und ihren Teller mit Backwerk häufte , so dankte sie ihm mehr mit Blicken als mit Worten . Sie dachte wohl , es sei echt männisch , sich wenig mit einem Weibe abzugeben . Den Toni vom Sternsteinhof nahm es zwar wunder , daß Käsbiermartels Sali es nicht rügte , wie mürrisch und verdrossen er neben ihr sitze , aber er war es in die Haut hinein zufrieden ; er sorgte nur , seiner Verstimmung so weit Herr zu bleiben , daß niemand dem Grund derselben auf die Spur zu kommen vermöge . Er bemühte sich , die gleichgültigste Miene von der Welt beizubehalten , während er Helene nicht aus den Augen ließ , wenn sie plaudernd mit dem Holzschnitzer über den Rasen dahinschritt oder beim Tanze in den Armen des unbeholfenen Knirpses sich » gering « machte , damit der sie herumschwenken oder in die Höh lüpfen konnte ; verlor sie sich aber ganz in dem Gewühle , so daß sie nicht mehr zu sehen war , dann befiel den Toni eine Unruhe , er machte einen langen Hals , rückte auf dem Sitze hin und her , erhob sich wohl auch ein und ein anderes Mal . Eben begann wieder der Baß zu schnurren , die Trompete zu schmettern und die Klarinette zu gellen , die Paare traten zum Tanze an ; der Kleebinder Muckerl hatte diesmal die Matzner Sepherl aufgezogen . Helene kam langsam über die Wiese dahergeschritten bis an den Zaun , der diese von dem Garten schied , sie warf einen Blick herüber , dann kehrte sie sich ab , lehnte sich mit dem Rücken gegen das Gatter und stützte den vollen Arm auf einen Pfahl . Sie hielt das Gesicht dem Tanzboden zugewendet . Toni erhob sich , er winkte der Dirne an seiner Seite mit der Hand zu und sagte : » Bleib nur , ich will bloß ein kleins wengerl schaun . « Er ging auf den Zaun zu und blieb zwei Schritte hinter Helenens Rücken stehen . » Leni « , rief er halblaut . Durch eine kaum merkliche Bewegung des Kopfes zeigte die Dirne , daß sie nach ihm hinhorche . » Ich bitt dich « , fuhr er fort , » schau dir nur die schmerzhafte Muttergottes an , die s ' mir da an d ' Seiten gsetzt haben . « Die Dirne griff spielend die Schürze auf und führte sie gegen das Gesicht , darunter die hohle Hand zu bergen , die sie vor den Mund legte . » Das is gut fürn Unterschied « , flüsterte sie . » Wenn man ihr dein Halbmandel quer übern Schoß leget , wär ' s Karfreitagbild fertig ; zun bußfertigen Gedanken-Erwecken taugen die zwei . « Helene kicherte unter der Schürze . » Noch eins , Leni . Komm morgen ! « » Werd nit können . « » Es is um nix Grings . « » Werd halt schaun . « » Bhüt dich Gott . « Die Dirne neigte den Kopf , während der Bursche sich entfernte , und ging dann so bedächtig , wie sie gekommen , nach dem Tanzboden zurück . Als der Toni an den Tisch trat , sah er zwei Gestalten , eine dicke und eine dünne , seinen Vater und den Käsbiermartel , in dem Hausflur erscheinen und sich nach dem Garten wenden , rasch bot er der Sali die Hand . » Springen wir wieder mal mit herum « , rief er und zog das Mädchen hastig mit sich fort ; als die Alten am unteren Ende des Gartens eintraten , eilten die Jungen just zu seinem oberen hinaus . Der Käsbiermartel zeigte mit seinem knöchernen Arm nach dem Paare . » Schau , wie schön sauber sie mit ihm Schritt halt « , schmunzelte er . » Ich sag dir , sie mag ihn leiden . « » Wundert mich nit , is auch ein sauberer Bub « , sagte der Sternsteinhofbauer . » No , so uneben is die Dirn just auch nit , daß s ' ihm zwider sein müßt ! « » Bewahr . « » Also gebn wir s ' einmal zsamm , wie wir ' s schon seit langem übereins worden sein ! « » ' s hat ja noch Zeit . « » ' s hat Zeit ! ' s hat Zeit ! Bei dir hat ' s Zeit ! Die Dirn is mannbar , sag ich dir , warum sollt s ' d ' schönst Zeit verpassen und überständig werdn , wie wann s ' ein arms Waiserl wär , das nix nit mit ins Haus brächt wie ' n gflickten Kittel , den s ' am Leib tragt ? ! « » Ich weiß ja , was s ' mitkriegt , ' s is wohl schon a Weil her , daß d ' mir ' s gsagt hast , aber ich hab ' s noch nit vergessen . « » Is ja recht , wann dir ' s gmerkt hast . Was ich biet , das biet ich , und dadrauf kannst mich an der Stell beim Wort nehmen ; halt aber du nur mit dem deinm nit ewig lang zruck . Bei gar zviel Zeit zum Umschaun fänd