dem Seil , und zwei Affen sind drin . Gottlob , denk ' ich , und laß mir den Weg zum Hôtel beschreiben . Gegenüber dem Hôtel , in einem kleinen jüdischen Gasthaus , stell ' ich den Wagen ein und lauf ' gleich hinüber . Im ersten Stock ist das Theater , sagt man mir , aber es wird erst um sechs geöffnet . Könnt Ihr mir keinen Komödianten zeigen , bitt ' ich den Kellner , der auch ein Jude war , aber sehr komisch gekleidet - eine kurze , schwarze Tuchjacke hat er getragen und hinten waren zwei Schwänze dran . Warum ? fragt er . Ich will ' s aber nicht eingestehen und bitt ' nur immer fort . Er aber fragt mich immer wieder . Da fährt mir ' s endlich so heraus . Weil ich selbst so ein Komödiant werden will . Der Mensch schüttelt sich vor Lachen und greift mir an meine Wangenlöckchen und sagt : Die mußt du dir noch schöner drehen , wenn dich der Direktor aufnehmen soll . Im selben Augenblick geht ein langer Deutsch ( Herr in moderner Tracht ) an uns vorbei und will die Treppe hinauf . Herr Direktor , sagt ihm der Kellner , hier ist ein neues Mitglied - und erzählt ihm meinen Wunsch . Der Deutsch schaut mich an , er hat ein Gesicht zum Erschrecken , blaß , furchtbar mager , ganz glatt rasiert , so daß er halb gelb , halb blau war - eine ungeheure Nase und funkelnde , stechende Augen - und noch dazu hat es fortwährend in dem Gesichte gezuckt . Aber wie er mich fragt : Ist es wahr ? da erschrecke ich nicht , sondern sage ruhig Ja ! und erzähle ihm alles . Der Kellner lacht fortwährend wie besessen , aber der Herr bleibt ernst und sagt mir : Komm mit ! Er führt mich in ein Zimmer im ersten Stock , da ist eine dicke Frau gesessen und hat sich eben das Gesicht weiß angeschmiert . Eulalia , sagt er ihr , hör einmal zu . Und mir sagt er : Zeige uns , wie du dir deinen Namen als Pojaz verdient hast . Ich nehme mir ein Herz und fang ' an , meine Stücklein loszulassen - eins nach dem anderen . Der Herr schaut die Frau an , die Frau den Herrn , sie lachen nicht , wie sonst meine Zuhörer , aber dennoch glaube ich , daß es ihnen gefallen hat . Genug , sagt endlich der Herr und fängt mit der Frau zu reden an . Es war aber Hochdeutsch , noch dazu ungemein schnell , ich habe sehr wenig davon verstanden . Endlich fragt mich der Herr : Was meinst du selbst , Bursche , hast du Talent ? Das habe ich damals nicht verstanden , ich habe geglaubt , er fragt , ob ich einen Talis ( Betmantel ) habe . Nein ! sag ' ich also . Aber wenn ich heirate , so muß mir meine Braut einen schenken . Sie sind erstaunt , dann lachen sie und der Herr fragt wieder : Ich meine , ob du glaubst , daß du zum Komödianten taugst ? Natürlich , sag ' ich . Ich ? ! Glauben Sie mir , so hat noch nie ein Mensch dazu getaugt . Das wird sich zeigen , schmunzelt er , hier hast du eine Karte , schau dir heute die Vorstellung an und komm dann in den Speisesaal . Da bitt ' ich noch um eine Karte für meinen Schmule und dank ' ihm schön und renn ' wie verrückt die Treppe hinunter - in mein Gasthaus . Den Schmule hab ' ich in Tränen getroffen , das Kind hat sich allein gefürchtet in der fremden Stadt . Und wie ich sag ' , daß er abends ins Theater gehen soll , weint er noch stärker und meint : Das ist ein schlechtes Vergnügen , eine Sünde , das tut er nicht . Und gleich will er fort . Gut ! sag ' ich , bleib zu Haus ! Aber gleich einspannen ? Wirklich nicht um die Welt ! Denn ich kann nicht beschreiben , wie mir zu Mut war , so , als hätt ' mir jemand tausend Gulden geschenkt , oder als hätt ' ich zu viel Wein getrunken ! So lauf ' ich also allein vor dem Hôtel Moldavie auf und ab , bis es dunkel wird , und mein Herz hat mir gepocht zum Zerspringen . Endlich läßt man mich in den Saal - ich war der Erste und hab ' mich vorn hinsetzen wollen , aber mein Platz war auf einer Bank in der Mitte . Eben hat man die Lichter angezündet , ich habe mir angesehen , wie der Saal eingerichtet war . Aber das hat mich nicht sehr überrascht . Es war ja beinahe so , wie in unserer Betschul ' : unten Bänke für die Männer , oben zwei Galerien für die Weiber , und vor mir ein großer Vorhang , wie er in Schul vor der Thoralade hängt . Nur daß dort nicht das Wort Osten eingestickt war , sondern es waren darauf nackte Kinder hingemalt , die so übereinandergepurzelt sind . Später , wie die Leut ' kommen , merk ' ich , daß es doch ein großer Unterschied ist . Erstens waren es lauter feine Deutschen , zweitens sind auch Männer hinaufgegangen auf die Weibersitze , und wieder haben sich Weiber auf die Männersitze gesetzt . Dann hat plötzlich vor dem Vorhang eine Musik zu spielen begonnen . Es war ganz lustig , wie ein Tanz . Aber mir war nicht tanzerig - gefreut hab ' ich mich freilich , aber dabei war mir furchtbar bang . Nun endlich schiebt sich der Vorhang hinauf , merkwürdig , als ob er von selber ginge ; man hat nicht gesehen , wer ihn zieht . Eine Gasse ! ruf ' ich , daß