Katakomben zu » römischen Rittern « und » Kriegstribunen , « er verhieß jedem Römer , der sich freiwillig meldete , aus seiner Tasche Verdoppelung des von der Fürstin bestimmten Soldes : er hob aus den Tausenden , die sich darauf herbeidrängten die Tauglichsten aus ; er rüstete die Ärmeren aus , schenkte denen , die sich besonders auszeichneten im Dienst , gallische Helme und spanische Schwerter aus seinen eignen Sammlungen und - was das Wichtigste - er entließ regelmäßig sobald als möglich die hinlänglich Eingeübten mit Belassung ihrer Waffen und hob neue Mannschaften aus , so daß , obwohl in jedem Augenblick nur die von Amalaswintha gestattete Zahl im Dienst stand , doch in kurzer Frist viele Tausende bewaffnete und waffengeübte Römer zur Verfügung ihres vergötterten Führers standen . Während so Cethegus an seiner künftigen Residenz baute und seine künftigen Prätorianer heranbildete , vertröstete er den Eifer seiner Mitverschworenen , die unablässig zum Losschlagen drängten , auf den Zeitpunkt der Vollendung jener Vorbereitungen , den er natürlich allein bestimmen konnte . Zugleich unterhielt er eifrigen Verkehr mit Byzanz . Dort mußte er sich einer Hilfe versichern , die einerseits in jedem Augenblick , da er sie rief , auf dem Kampfplatz erscheinen könnte , die aber andrerseits auch nicht , ehe er sie rief , auf eigne Faust oder mit einer Stärke erschiene , die nicht leicht wieder zu entfernen wäre . Er wünschte von Byzanz einen guten Feldherrn , der aber kein großer Staatsmann sein durfte , mit einem Heere , stark genug , die Italier zu unterstützen , nicht stark genug , ohne sie siegen oder gegen ihren Willen im Lande bleiben zu können . Wir werden in der Folge sehen , wie in dieser Hinsicht vieles nach Wunsch , aber auch ebenso vieles sehr gegen den Wunsch des Präfekten sich gestaltete . Daneben war gegenüber den Goten , die zurzeit noch unangefochten im Besitz der Beute standen , um die Cethegus bereits im Geiste mit dem Kaiser haderte , sein Streben dahin gerichtet , sie in arglose Sicherheit zu wiegen , in Parteiungen zu spalten und eine schwache Regierung an ihrer Spitze zu erhalten . Das erste war nicht schwer . Denn die starken Germanen verachteten in barbarischem Hochmut alle offenen und geheimen Feinde . wir haben gesehen , wie schwer selbst der sonst scharfblickende , helle Kopf eines Jünglings wie Totila von der Nähe einer Gefahr zu überzeugen war : und die trotzige Sicherheit eines Hildebad drückte recht eigentlich die allgemeine Stimmung der Goten aus . Auch an Parteiungen fehlte es nicht in diesem Volk . Da waren die stolzen Adelsgeschlechter , die Balten mit ihren weitverzweigten Sippen , an ihrer Spitze die drei Herzoge Thulun , Ibba und Pitza : die reichbegüterten Wölsungen unter den Brüdern Herzog Guntharis von Tuscien und Graf Arahad von Asta und andre mehr , die alle den Amalern an Glanz der Ahnen wenig nachgaben und eifersüchtig ihre Stellung dicht neben dem Throne bewachten . Da waren viele , welche die Vormundschaft eines Weibes , die Herrschaft eines Knaben nur mit Unwillen trugen , die gern , nach dem alten Recht des Volkes , das Königshaus umgangen und einen der erprobten Helden der Nation auf den Schild erhoben hätten . Andrerseits zählten auch die Amaler blind ergebene Anhänger , die solche Gesinnung als Treubruch verabscheuten . Endlich teilte sich das ganze Volk in eine rauhere Partei , die , längst unzufrieden mit der Milde , die Theoderich und seine Tochter den Welschen bewiesen , gern nunmehr nachgeholt hätten , was , wie sie meinten , bei der Eroberung des Landes versäumt worden , und die Italier für ihren heimlichen Haß mit offener Gewalt zu strafen begehrten . Viel kleiner natürlich war die Zahl der sanfter und edler Gesinnten , die , wie Theoderich selbst , empfänglich für die höhere Bildung der Unterworfenen , sich und ihr Volk zu dieser emporzuheben strebten . Das Haupt dieser Partei war die Königin . Diese Frau nun suchte Cethegus im Besitz der Macht zu erhalten ; denn sie , diese weibliche , schwache , geteilte Herrschaft , verhieß , die Kraft des Volkes zu lähmen , die Parteiung und Unzufriedenheit dauernd zu machen . Ihre Richtung schloß jedes Erstarken des gotischen Nationalgefühls aus . Er bebte vor dem Gedanken , einen gewaltigen Mann die Kraft dieses Volkes gewaltig zusammenfassen zu sehen . Und manchmal machten ihn schon die Züge von Hoheit , die sich in diesem Weibe zeigten , mehr noch die feurigen Funken verhaltener Glut , die zuzeiten aus Athalarichs tiefer Seele aufsprühten , ernstlich besorgt . Sollten Mutter und Sohn solche Spuren öfter verraten , dann freilich mußte er beide ebenso eifrig stürzen wie er bisher ihre Regierung gehalten hatte . Einstweilen aber freute er sich noch der unbedingten Herrschaft , die er über die Seele Amalaswinthens gewonnen . Dies war ihm bald gelungen . Nicht nur , weil er mit großer Feinheit ihre Neigung zu gelehrten Gesprächen ausbeutete , in welchen er von dem , wie es schien , ihm überall überlegenen Wissen der Fürstin so häufig überwunden wurde , daß Cassiodor , der oft Zeuge ihrer Disputationen war , nicht umhin konnte , zu bedauern , wie dies einst glänzende Ingenium durch Mangel an gelehrter Übung etwas eingerostet sei . Der vollendete Menschenerforscher hatte das stolze Weib noch viel tiefer getroffen . Ihrem großen Vater war kein Sohn , war nur diese Tochter beschieden : der Wunsch nach einem männlichen Erben seiner schweren Krone war oft aus des Königs , oft aus des Volkes Munde schon in ihren Kinderjahren an ihr Ohr gedrungen . Es empörte das hochbegabte Mädchen , daß man es lediglich um ihres Geschlechtes willen zurücksetzte hinter einem möglichen Bruder , der , wie selbstverständlich , der Herrschaft würdiger und fähiger sein würde . So weinte sie als Kind oft bittere Tränen , daß sie kein Knabe war . Als sie herangewachsen , hörte sie natürlich nur noch von ihrem Vater jenen kränkenden Wunsch : jeder andre