in einem pfirsichfarbenen Bett - die Heide fing an zu blühen , und die Bienenschwärme , die bis dahin auf den goldenen Rübsamenfeldern und in der Buchweizenblüte geschwelgt hatten , breiteten sich nun wonnetrunken über den unabsehbaren , honigtriefenden Flächen aus ... Nun summte sie wieder bestrickend und einlullend um das traute Dach , die uralte eintönige Heidemelodie ! Aus den Lüften taumelten meine Lieblinge , die blauen Schmetterlinge , so massenhaft nieder , als sei der strahlende Sommerhimmel droben in Stückchen zerflattert ; über die Sandblößen schlüpften goldflimmernde Laufkäfer , und an den Wiesen- und Gartenblumen hingen Perlmuttervögel , der prächtige Admiral und das Pfauenauge . Sonst war ich den Schmetterlingen nachgelaufen , hatte sie eingefangen , mich ergötzt an dem wunderbaren Farbenspiel der Flügel , und sie dann wieder davonfliegen lassen - so hatte ich oft halbe Tage lang die Heide durchschwärmt ; das war jetzt anders geworden . Ich hielt mich viel im Zimmer meiner Großmutter auf , das mit seinen altertümlichen , aus dem Judenhause stammenden Möbeln einen geheimnisvollen Reiz auf mich ausübte . Es lag und stand da alles an seinem alten Platze , nicht ein Gerät war verrückt worden , die große Uhr wurde wieder pünktlich aufgezogen , und damit nichts fehle , was den Glauben erwecken konnte , die Verstorbene walte noch in dem Raume , hatte Ilse die niedergebrannten Kerzen auf dem Silberleuchter durch neue ersetzt . Sie schloß mir auch da und dort eine Truhe oder einen Spind auf ; die Fächer waren meist leer - meine Großmutter hatte bei ihrer Flucht aus der Welt allen Ballast von sich geworfen . Dafür war mir aber auch jedes beschriebene Papierblättchen , jeder zerstäubende Blumenrest ein interessanter Fund . In einem Schranke hingen auch noch verschiedene Kleidungsstücke , die meine Großmutter aber nie in der Heide getragen hatte . Eines Tages nahm Ilse ein schwarzes , wollenes Kleid aus dem Schranke , zertrennte es und fing an , zuzuschneiden - sie hatte in der Stadt schneidern gelernt , und das war ihr Stolz ... Ich war sehr erschrocken , als sie mich aufforderte , zur Anprobe in das Werk ihrer Hände zu schlüpfen - das Ding sah aus wie ein Küraß . » Ilse , nur das nicht ! « protestierte ich schaudernd und zerrte ängstlich an dem pressenden Halsausschnitt , der mir dicht an der Kehle saß , und mein Ellbogen gab sich insgeheim alle Mühe , die enge , drückende Aermelnaht zu zersprengen . » Ei was - wirst dich schon dran gewöhnen ! « sagte sie kaltblütig und schneiderte weiter . Wir saßen im Baumhof unter den Eichen , wohin ich einen Tisch und Stühle getragen hatte . Draußen über der Ebene brütete die flimmernde Nachmittagssonnenhitze ; aber hier war es schattig , kühl und still ; nur die Bienen summten , und droben im Nest schrieen die jungen Elstern . Ich hatte den übergroßen , runden , braunen Strohhut unter den Händen , den mir Ilse vor etwa fünf Sommern aus der Stadt hatte kommen lassen , und trennte auf ihr Geheiß das Rosaband herunter , das die Wonne meiner Augen gewesen war . Da kam Heinz aus dem nächsten Dorfe zurück und legte einen Brief vor Ilse hin . Mein Vater hatte auf die ihm telegraphisch mitgeteilte Nachricht vom Ableben meiner Großmutter hin geschrieben und sein Nichterscheinen bei der Beerdigung mit ernstlichem Kranksein entschuldigt . Seitdem war die Korrespondenz zwischen ihm und Ilse eine ziemlich lebhafte geworden ; um was es sich handelte , wußte ich nicht , ich bekam keine Zeile zu sehen ; aber so viel war mir bekannt , daß zwischen Ilses letztem Schreiben und der Antwort meines Vaters , die sie da eben vor meinen Augen überlas , kaum fünf Tage lagen . » Nichts da ! « sagte sie und steckte den Brief in die Tasche . » Uebermorgen reisen wir - dabei bleibt ' s ! « Hut und Schere fielen mir aus den Händen . » Reisen wir ! « wiederholte ich mit stockendem Atem . » Du willst mit Heinz fort ? ... Ihr wollt mich mutterseelenallein auf dem Dierkhofe lassen ? « » O je , da wär ' er gut aufgehoben , der arme Dierkhof ! « rief sie und zum erstenmal wieder seit dem Tode meiner Großmutter flog ein schwaches Lächeln über ihre Züge . » Närrisches Ding , du sollst fort ! « Ich stand auf und warf meinen Stuhl so heftig zurück , daß er polternd hintenüber fiel . » Ich ? - wohin denn ? « stieß ich hervor . » In die Stadt , « lautete die lakonische Antwort . Das ganze sonnige Heideland draußen und die urkräftigen , rauschenden Eichen über mir versanken - die entsetzliche , dunkle Hinterstube umfing mich , und ich sah in das feuchte , karge Gärtchen inmitten der vier grün angelaufenen Häuserwände . » Und was soll ich in der Stadt ? « preßte ich heraus . » Lernen ! « » Ich gehe nicht mit , Ilse , darauf kannst du dich verlassen ! « erklärte ich entschieden , während ich mit den bitteren , heißen Thränen rang . » Mache mit mir , was du willst - aber du sollst sehen , ich klammere mich in der letzten Stunde draußen am Hausthorpfosten an ... Ob du das Herz hast , mich fortzuschleppen ? « Ich schüttelte Heinz , der wie eine Bildsäule mit offenem Munde dastand , verzweiflungsvoll am Aermel . » Hörst du denn nicht - fort soll ich ! ... Wirst du das leiden , Heinz ? « » Ist ' s denn wirklich wahr , Ilse ? « fragte er beklommen und faltete die ungeschlachten Hände ineinander . » Nun sehe mir einer die zwei Kinder hier an - thun sie doch wirklich , als sollte der Kleinen der Hals abgeschnitten werden ! « schalt sie , aber ich sah recht gut , daß ihr gar nicht wohl zu Mute war bei