. Ahnte das leichtblütige Kind das Bedeuten einer solchen Natur , würdigte sie den besonderen Platz , den sie in derselben eingenommen hatte ? Rief sie mit dem erfahrenen Freunde : » Gott gebs ! « oder mit der unerfahrenen Freundin : » Gott verhüts ! « Nun seht und hört sie selbst in der Stunde , welche über ihr Leben entschied . Es mochte einen oder den anderen Tag nach jenem elterlichen Gespräche sein , das mich noch immer beschäftigte . Es war Anfang Juli und unser junger Wirt wohl schon eine Woche lang abwesend auf einer seiner wissenschaftlichen Exkursionen . Er hatte sich seit kurzem beritten gemacht und der sachverständige Rittmeister gesagt : » Ein Teufelskerl , dieser Mosjö Per-sé ! Hat niemals ein Pferd , außer etwa auf dem Schindanger , unter dem Leibe gehabt , aber er reitet wie ein Daus ! « Die Eltern dinierten bei einem benachbarten Gutsbesitzer ; ich war allein zu Haus und am Nachmittag im Garten beschäftigt , ein Bohnengericht für den morgenden Tisch zu pflücken . Eben hatte ich in der Weinlaube auf der Terrasse das saure Werk der Schnitzelei begonnen , als Dörtchen , lachend über das ganze Gesicht , durch die Heckenlücke herbeiflackerte . » Nein , Fräulein Hardine , « rief sie schon von weitem , » nein , gibt es einen kurioseren Kunden als diesen Mosjö Per-sé ! « » Ist Herr Faber zurück ? « fragte ich . Die Dorl nickte . » Eben hat er sein Pferd bei uns eingestellt . Ich stehe mit dem Vater unter der Tür . Gibt er mir wohl die Hand wie sonst ? Behüte . Er macht mir einen Diener , so - « sie bückte sich rasch und tief im Hüftgelenk , als ob ein Taschenmesser zusammenklappt - » und schickt mich dann ohne Umstände fort , weil er mit dem Herrn Vater unter vier Augen zu sprechen habe . Dabei nennt er mich nicht etwa du und Dörtchen wie bisher , sondern ganz feierlich Sie und Jungfrau Dorothee . « » Ich finde es nur schicklich , Dorothee , « versetzte ich weise , » wenn ein junger Mann derlei Vertraulichkeiten aufgibt einem Mädchen gegenüber , das sich jeden Tag verheiraten kann . « » Verheiraten ! « rief die Dorl seelenvergnügt . » Ei , mit wem denn wohl , Fräulein Hardine ? « » Nun , vielleicht eben mit dem Siegmund Faber . « Die Kleine blickte enttäuscht . » Mit dem ? « schmollte sie , » mit dem ? Ach warum nicht gar . Der denkt an Krüppel und Leichen , aber nicht an eine Frau . « » Meine Eltern wünschen und hoffen das Gegenteil , Dorothee . Sie nennen diese Heirat deine Rettung , dein Glück . « Sie wurde blaß , ihre Augen füllten sich mit Tränen . » Aber ich fürchte mich vor ihm ! « lispelte sie bebend . » Hast du die Auslegung des sechsten Gebots in unseren Abendmahlsstunden vergessen ? « fragte ich in der lehrhaften Manier , die mir meiner kleinen Dorl , und zum Glück nur dieser gegenüber , zur anderen Natur geworden war . » Ihren Gott im Himmel und ihren Mann auf Erden soll das Weib fürchten , lieben und ihm vertrauen . « Dorothee sah mich mit ihren großen , himmelblauen Augen an , wie damals am Ostermorgen , als sie mir mit einem Worte den Sinn des Apostelspruchs erklärt hatte . » Ihn fürchten , « sagte sie leise , » nicht , sich vor ihm fürchten . Fürchten Sie sich vor Gott , Fräulein Hardine ? « » Aber warum fürchtest du dich vor dem Faber ? Er ist ein außergewöhnlicher Mensch , anders als alle anderen - - « » Eben darum , « unterbrach sie mich lebhaft . » Ich will keinen Menschen für sich ; ich will einen Mann wie alle anderen Leute ; einen wie ich selber bin , nur um vieles klüger und besser . « Das Kind hatte wieder einmal das Rechte getroffen . Damals zwar schüttelte ich den Kopf . Zehn Jahre später war ich zu der nämlichen Weisheit gelangt . Menschen für sich geben nicht Menschen zu zweien . Ehe und Haus vertragen keine Originale . » Nein , nein , Fräulein Hardine , « wiederholte Dorothee . » Er denkt nicht an mich , und Gott sei gedankt dafür , denn mir graut vor ihm . « Die Sache war damit abgetan und mein heimlicher Protest gegen den elterlichen Plan erklärt . Dorothee liebte ihn nicht , und Siegmund Faber war zu gut für eine Frau , die ihn nicht lieben konnte . Ich lud meine kleine Nachbarin ein , den Nachmittag bei mir zuzubringen ; wir setzten uns in die Laube , und bald fielen unter den runden Fingerchen die Bohnenschnitzel flink und zierlich in die Schüssel auf ihrem Schoß . Sie plauderte und lachte über meine ungeschickten » Hünenpflocken « ; der drohende Bewerber war vergessen . Eine Stunde mochte so vergangen sein , als ein hastiger Schritt auf der Terrassentreppe uns den ungewohntesten Gartenbesucher verkündete . Im nächsten Moment stand Siegmund Faber uns gegenüber ; er trug seinen Sonntagsstaat und verbeugte sich rasch und tief , so wie die Kleine ihm vorhin nachgeäfft hatte . Das lustige Lachen erstarb auf ihren Lippen , sie wurde rot bis unter das Busentuch , blickte in die Schüssel und schnitzelte mit Fieberhast . Um so gespannter sah ich zu dem jungen Manne hinüber . Die gewaltigste Aufregung war auf der sonst so ruhigen Stirn zu lesen , die rote Farbe von seinem Gesicht gewichen , das Herz hämmerte sichtbar unter dem silbergestickten Gilet und die Hände krampften sich zusammen , um ein Zittern zu verbergen . So mochte er ausschauen , wenn er zu einer Operation auf Leben und Tod den Entschluß gefaßt hatte . Doch zögerte er nicht , seinen Besuch zu erklären . » Die Unterredung ,