mit hölzernen Löffeln , Mulden und Quirlen es gestatten würden . Sie hatte nicht einmal die Zeit , das Grab Marie Häußlers , welches doch so dicht neben der Tür des Siechenhauses lag , aufzusuchen . Die blauen Berge zogen sie nach dem Staub und Spektakel der Ebene zu heftig und verlockend an , und wir haben nicht das geringste Recht , der Alten darum gram zu werden , denn sie war eine brave Frau und tat und sagte zu jeder Zeit , was sich schickte . Die schöne Marie war tot und begraben . Hanne Allmann hatte großen Besuch im Siechenhause gehabt , denn das halbe Dorf war gekommen , um die Leiche zu sehen , und alle hatten ihre Bemerkungen leiser oder lauter darüber gemacht . Die einen sagten , es sei kein Schaden , daß das so schnell abgemacht sei , und die anderen meinten , es sei ein Glück . Die geistlichen und weltlichen Behörden , das Pfarramt und der Ortsvorsteher Klodenberg trugen das Nötigste schriftlich über den Fall ein , und die Ernte des Jahres nahm ihren gesegneten Fortgang . Am Begräbnis nahm nur der Lauenhof teil , und zwar durch den Chevalier von Glaubigern ; die Gutsfrau hatte das Leichentuch gern hergeschenkt , aber weiter keine Zeit gehabt , sich um die traurige Geschichte zu kümmern . Adelaide Klotilde Paula von Saint-Trouin schenkte nichts her und erschien auch nicht in Person , um ihrem früheren Schützling die letzte Ehre zu geben . Sie schloß sich an dem Begräbnistage in ihrem Gemache ein und beschränkte ihre Bedürfnisse auf ein gebratenes Hühnchen , Kaffee und die Lektüre von Hufelands » Makrobiotik « ; noch am folgenden Morgen aber war sie recht grämlich , bissig und unliebenswürdig und verlangte , daß man ihre Gefühle schone und die » unselige Person « in ihrer Gegenwart fürs erste nicht erwähne oder gar zum Thema der Unterhaltung mache . » Schämen Sie sich , Frölen Trine ! « sagte die gnädige Frau ziemlich kurz . Der Herr von Glaubigern erschien feierlich und in Gala am Sarge und am Grabe und zwang durch seine Erscheinung auch den Pastor , sich herzubemühen , welcher jedoch nicht offiziell kam , sondern höchst ungern und sehr verlegen . Die Grabrede hielt auch der Chevalier , und zwar ganz in der tiefsten Stille seines Herzens ; sie mußte wohl sehr vortrefflich gewesen sein , denn sie rührte ihn selber und wurde von Hanne Allmann bis in die feinsten Abschattungen verstanden . Ein Leichenmahl wurde nicht gehalten , denn diesmal erregten die Tränen den Appetit nicht , wie dies nach dem Wort Jane Warwolfs häufig der Fall sein soll . Aber der Ritter hatte noch ein langes Gespräch im Siechenhause mit der Hanne über die kleine Antonie Häußler , und da wurde verabredet , daß das Kind für jetzt in dem Siechenhause unter der Pflege der Frau vom Siechenhause verbleiben und daß der Ritter Karl von Glaubigern zwischen dem Kinde und dem Dorf Krodebeck und der übrigen Welt stehen solle . Jane Warwolf aus Hüttenrode war eben ein kluges Weib , welches ziemlich genau wußte , wie sich die Dinge auf Erden ineinander zu schicken pflegen ! Der Ritter von Glaubigern stellte sich , wie es ihm beliebte ; aber das Fräulein von Saint-Trouin nahm gleichfalls seinen besondern Standpunkt ein und behauptete denselben mit großer Charakterfestigkeit . Es übertrug seine Abneigung ohne Abzug von der schönen Marie auf die kleine Antonie und suchte in allem , was das Wohl der letzteren anbetraf , dem Chevalier so hinderlich als möglich zu sein , jedoch ohne alle Auffälligkeit . Zugleich zog es die Zügel seines Einflusses auf den Junker Hennig von Lauen fest an und erlaubte sich immer rücksichtslosere Eingriffe in den Teil der Erziehung des Jungen , welchen der Ritter sich fest gesichert hielt . Es fand die humane Bildung des Schlingels grenzenlos vernachlässigt und hielt den alten Comenius weniger als je für einen Ersatz für das Mangelnde . Es führte den Junker häufiger als je zwischen seinem Pompadour und dem Hündlein Peccadillo spazieren und lehrte ihn Weisheit und Tugend auf seine Art. » Was endlich daraus werden wird , soll mich doch wundern , Glaubigern ! « seufzte ärgerlich die gnädige Frau ; aber der Chevalier zuckte nur ganz leise mit den Achseln und sagte : » Ich komme immer mehr zu der Überzeugung , daß wir uns nicht allzusehr zu ängstigen brauchen ; der Junge ist kein Genie , und es würde schwerhalten , selbst für das Fräulein , ihm den Kopf derartig zu verdrehen , daß sein Standpunkt als Gentleman dadurch in Gefahr geriete . Der Lauenhof war immer ein braver , nahrhafter Ort ; man lebt zu gut darauf , um seine Ungereimtheiten weit über die Feldmark hinauszureiten . « » Und ich hoffe , so soll es immer verbleiben , lieber Alter ! « rief die Frau Adelheid , treuherzig dem Ritter die Hand schüttelnd . Der Junker Hennig sträubte sich oft heftig , wenn ihn die kalte Hand der ihre Pflicht kennenden Byzantinerin packte , um ihn zwischen den Hecken von Krodebeck und in ihren Idealen spazierenzuführen ; aber auch Adelaide von Saint-Trouin fuhr oft heftig zusammen , wenn es hinter diesen Büschen raschelte und rauschte , die Zweige auseinandergezogen wurden und das Kind der schönen Marie ihr neugierig-furchtsam daraus entgegensah . Sie benutzte die Gelegenheit jedesmal aufs beste , den Zögling von neuem auf die Gemeinheit , Ekelhaftigkeit und Nichtsnutzigkeit der Welt jenseits ihrer Ideale hinzuweisen , und jedenfalls zeigte sie als das Erste und Selbstverständliche der kleinen Antonie ein Gesicht , vor welchem diese schnell genug in die Büsche zurückfuhr . Wie dann endlich der Junker Hennig sich zu diesen Lehren und der kleinen Antonie Häußler stellte , das kam an einem absonderlichen Tage des Spätherbstes zum Vorschein und zeigt , wie mißlich das höchste Ideal , die edelste , zarteste , feinsinnigste An- und Absicht dieser schlechten , gemeinen , nichtsnutzigen und ekelhaften , aber wirklichen Welt gegenüber