lachte Hans . » Wenn unsereiner da oder dort einmal mit Barem aus der bittersten Not helfen will , so bekommt er nichts mehr als des Teufels Dank dafür zurück . Er aber steckt seine Finger überall hinein und verbrennt sie doch nie , sondern immer hängt etwas nicht Unbeträchtliches daran , wenn er sie wieder zurückzieht . Mit den Leuten , die immer schon vorgegessenes Brot in Bäckers Tagebuch haben , kennt er sich aus , es hat eine Art , und zu fangen und zu binden versteht er sie , daß man oft noch beinahe lachen muß . « Jos fuhr wie von einem Wespenstich getroffen auf und fragte : » Kannst du das Wuchern lächerlich finden ? « » Der Lipp ist so mit dem Krämer eins worden « , antwortete Hans ein wenig spitz . » Oh , der braucht den Leuten nicht nachzulaufen . Wie gut sie ihn auch kennen , sie gehen doch freiwillig in seine Falle . « » Freiwillig « , wiederholte Jos verächtlich . » Der Krämer hat dem Lipp sein Darlehen gekündigt , als das Heu billig und nirgends Geld aufzutreiben war als etwa bei solchen , die mit dem alten Sünder unter einer Decke zu spielen scheinen . « Jos war so erregt , daß er , um sich nicht allzuviel Gewalt antun zu müssen , die Stube verlassen wollte , da er sah , daß Schweigen hier jetzt Gold , Weiterreden aber nur Öl in das auf dem Gesichte der Stigerin sich verratende Feuer sei . Schon hatte er die Türe geöffnet , als die Stigerin ihn etwas rauh an den Tisch zurückrief . » Bei uns wird gebetet , bevor man geht « , sagte sie und begann , noch zornrot , eine endlos scheinende Zahl Vaterunser zu beten für Lebendige und Tote , Gott und seinen Heiligen zu Ehren und den armen Seelen zum Trost . Auch Jos brummte mit , von Andacht war aber dabei keine Rede . Dieses gedankenlose Beten mit den Lippen , die noch vor einer Minute den Krämer verteidigen wollten , kam ihm fast wie eine Gotteslästerung vor . Das gute aber war , daß die Stigerin sich in eine ganz andere Stimmung hineingebetet zu haben schien . Nachdem sie endlich das letzte Kreuz gemacht und noch einmal den armen Seelen die ewige Ruhe gewünscht hatte , befahl sie Hansen , doch für Lipps arme Kinder etwas Obst , Weißbrot oder Zucker mitzunehmen . » Die armen Tröpflein « , sagte sie , » haben so selten etwas Gutes , und mit nur wenigem kann man ihnen eine Freude machen , daß sie eins sein Lebtag drum ansehen . « » Und das ist schon eine Kleinigkeit wert « , sagte Jos rauh , aber zum Glück hatte die Stigerin , die schon nach ihrem Speicher geeilt war , diese Bemerkung nicht mehr gehört . Dorothee sah den Knecht mit einem vorwurfsvollen Blicke an . Ja , sie hatte eben auch schon als Kind Weißbrot und Zucker bekommen , drum mußte sie mit allem einverstanden sein und mußte freundlich lächeln beim Abschied vom einzigen Bruder , der jetzt für Hansen des Kaisers Rock trug . Herrgott , wer hätte dem alten Mathisle und Dorotheens kränklicher Schwester alljährlich soundso viel Magdlohn gegeben , wenn Dorothee nicht mehr gelächelt haben würde ! Auch das war Zucker und Weißbrot für die armen Tröpflein und Hansjörg der Heustock , den man um ein Sündengeld kaufte . Du lieber Gott , von dem allem siehst du nichts , denn wie ein großer , grauer , undurchdringlicher Schleier fällt das lange und breite Tischgebet darüber herab . Auf dem Wege zu Lipps ärmlicher Behausung erzählte Hans dem Knechte von seinen Kühen und wie er zu jeder einzelnen gekommen sei . Jos erfuhr dabei , daß wenigstens in den letzten Jahren immer der Krämer dazu geholfen und geraten hatte . » Das ist einer , mit dem man die anderen fängt « , bemerkte der langsame Erzähler nebenbei . » Fehlen kann ' s ihm freilich auch , aber dann hat mir doch die Mutter nichts vorzuwerfen . « Vor dem fast ganz neugebauten Hause des Andreas stand er still und flüsterte dem Knechte zu : » Du , aber der da hätte wieder eine schöne Kuh feil . Die möcht ' ich kaufen , aber selbst , denn der Krämer tät wohl eher auf des Töchtermanns Vorteil denken als auf den meinen . Geh doch einmal in den Stall und sieh dir den Weißfuß drum an , was er wert ist . Aber höre noch : Handeln laß dann mich allein ! Die Angelika - will sagen : der Andreas - wenn der seinen Rausch von gestern schon ausgeschlafen hat - , sie beide sollen nicht meinen , daß sie mit einem zu tun haben , den man so leicht überlisten kann . « Hans blieb beim Wagen stehen , bis Jos wiederkam und seine Meinung sagte . Dann gingen beide in die Stube , wo sie das sehr übernächtig aussehende Ehepaar beim Morgenessen antrafen . Das schöne , blasse Weib stieß einen leisen Schrei aus , als es Hansen so unerwartet eintreten sah . Andreas aber sagte ruhig und kalt : » Ihr seid da dem Weib in die schönste Predigt hineingekommen . « » Schäme dich ! « rief das Weib , und glühende Röte färbte ihr Gesicht , » schäme dich , vor Fremden davon zu reden ! « » Der Hans ist dir doch noch nicht gar so fremd , und Jos ist ein armer Teufel , vor dem sich kein Mensch zu schämen braucht . « » Wo keine Scham , da ist auch keine Ehr ' . « Hans sagte das nur , weil ihm just nichts anderes einfiel und er doch diesem peinlichen Auftritte so gern ein Ende gemacht hätte . Mit solchen Sprichwörtern ist ein Hans gewöhnt , jeden aus der Fassung und zum Schweigen zu bringen . Hier