auf den Herrgott , Meister Grünebaum . Derselbigte wird Euch schon zeigen , was Ihr eigentlich seid . ' s ist doch wirklich ' ne Lächerlichkeit , daß ein Mensch den Vormund spielen will , der sich selber nicht bemündeln kann . « Die Melodie » Guter Mond , du gehst so stille « muß in der Tat eine sehr besänftigende Wirkung auf die menschlichen Gefühle ausüben ; der Oheim Grünebaum pfiff sie schmelzend , solange die Base Schlotterbeck redete , und wie großer Zorn auch in seinem Busen kochen mochte , die Welt bekam nichts davon zu sehen . Hans Unwirrsch , mit seinem Bücherränzel aus der Schule heimkehrend , fand die beiden Frauen in sehr erregter Stimmung , mit hochroten Gesichtern , und den Oheim sehr gefaßt , gleichmütig und kühl ; - er ahnte wohl , wovon wiederum die Rede gewesen war , aber selten erfuhr er etwas Näheres über die Verhandlung . Gewöhnlich nahm der Oheim Abschied , indem er einen Choral oder sonst eine schwermütige Weise flötete und dabei den armen Hans grinsend in das Ohr kniff ; Mephistopheles hätte ihn um sein Lächeln beneiden können , und die Frauen fielen nach seinem Abmarsch gewöhnlich matt und gebrochen auf die nächsten Stühle und waren für mehrere Stunden unfähig , an die menschliche und göttliche Gerechtigkeit zu glauben . Im Kornfelde blitzte und klang die Sense : der Oheim Grünebaum hatte noch immer nicht nachgegeben . Allerlei Früchte lösten sich , ohne daß der Wind wehte , von den Zweigen und fielen herab : der Oheim Grünebaum hielt seine Meinung hartnäckiger als je fest . Silberne Fäden umspannen die Welt und schwebten durch die Luft : der Oheim Grünebaum schwebte nicht mit , sondern lachte hohn von seinem niedrigen Dreifuß . Bunt und immer bunter färbte sich der Wald , aber des Oheim Grünebaums Ansicht von Welt und Leben hielt Farbe . Moses Freudenstein brüstete sich immer stolzer in seinem Triumphe , und Hans Unwirrsch sah immer kläglicher und trübseliger drein . Die Singvögel flöteten ihre letzten Weisen und rüsteten sich zur Abreise nach Süden : der Oheim Grünebaum flötete auch , aber er blieb im Lande und nährte sich redlich , denn er war zu sehr überzeugt , daß er nicht zu entbehren sei in Neustadt , im Roten Bock und in seiner Familie . Kein Deus ex machina stieg herab , dem armen Hans Hülfe zu bringen , und so blieb ihm zuletzt nichts weiter übrig , als sich selbst zu helfen . Er führte einen Plan aus , der längerer Zeit bedurft hatte , um in seiner kleinen Brust zu reifen , setzte dadurch die Base und die Mutter in schwindelnde Verwunderung und brachte den steifnackigen Oheim Grünebaum vollständig aus der Fassung . An einem Sonntagmorgen zu Anfang des Septembers hatte der Gymnasialprofessor und Doktor der Philosophie Fackler das Reich allein in seinem Haus und fühlte sich geborgen , behaglich wie selten in seiner Studierstube . Die Frau Professorin und Doktorin befand sich mit ihren beiden Töchtern in der Kirche und bat höchstwahrscheinlich den lieben Gott um Verzeihung für die unruhigen Stunden , welche sie dann und wann dem » guten Mann « , d.h. ihrem Gemahl und Herrn bereitete . Die Magd hatte sich in Privatangelegenheiten entfernt ; - still war das Haus , ein grauer Tag blickte freilich in die mit Tabakswolken gefüllte Studierstube , aber die freudige Seele des Professors wandelte auf blauem Gewölk mit dem Liederbuch des Quintus Valerius Catullus und schlürfte die wonnigen Minuten der Freiheit - Vivamus , mea Lesbia , atque amemus , rumoresque senum severiorum omnes unius aestimemus assis . Am See Benacus lustwandelte er im Schatten der Granatbäume und Pinien auf der glückseligen Halbinsel Sirmio , und die funkelnden Verswellen des römischen Dichters spülten jeden Gedanken an die Gegenwart und jene Lesbia , die augenblicklich in der Kirche scharf und schrill mitsang , in das Nichts hinab . Er überhörte den Klang der Haustürglocke , vernahm nicht den ängstlich leisen Schritt , der die Treppe emporstieg ; er fuhr erst auf , als etwas leise an seiner Tür kratzte und klopfte . Schnell verbarg sich der lateinische Schalk Catull unter einem Haufen ernstern gelehrten Rüstzeugs , und würdig rief der Professor und Doktor der Philosophie : » Herein ! « Niemand folgte der Einladung , und lauter wurde sie wiederholt , aber auch dieses Mal ohne Erfolg . Verwundert erhob sich der Gelehrte aus seinem Sessel , zog seinen langen Schlafrock fest um sich und ließ nun mit noch größerer Verwunderung ein winziges Bürschlein von ungefähr elf Jahren in seine Studierstube , ein Bürschlein , das an allen Gliedern zitterte und dem die Tränen über die Backen liefen . Niemand war bei der Unterhaltung , welche dieser Besucher mit dem Herrn Professor Fackler hatte , zugegen , und die Einzelheiten des Gesprächs können wir nicht angeben . Nur das können wir sagen , daß die aus der Kirche mit den holden Pfändern der » tausend und aber tausend Küsse « , ihren beiden Töchtern , heimkehrende Lesbia ihren Gatten in einer sehr vergnügten Stimmung fand . Er trug ihr nicht die Aufmerksamkeit entgegen , welche sie von ihm erwartete , sondern fuhr fort , weitbeinig in der Stube auf und ab zu laufen und zu murmeln : » Seh einer ! - Ein wackerer kleiner Kerl ! - Puer tenax propositi ! - Er soll seinen Willen haben ! - Bei allen olympischen Göttern , er soll erreichen , was er will , und möge es zu seinem Heil sein ! « » Was soll zum Heil sein ? Wem soll was zum Heil sein , Blasius ? « fragte Lesbia , ihr Gesangbuch weglegend . » An der Ferse soll jemand genommen und in den Styx soll er getaucht werden , Beste , auf daß er gegen der Welt Bedrängnisse gefeiet sei und als Sieger aus der Männerschlacht hervorgehe . « » Du hast heute wieder deinen albernen , unverständlichen Tag , Blasius