, fast zu höflich gegen die Fouragierer und Nachzügler . Vollständig zog er sein altes Wesen ab ; aber er warf es nicht fort , sondern hing es sorgsam zu seiner alten Uniform in den Kleiderschrank , um es in bessern Zeiten wieder hervorzuholen . Sein Sohn Theodor ahmte dem Vater so gut wie möglich nach und saß still zu Hause bis zum zweiten Pariser Frieden , wo er aus dem Dunkel des Winzelwaldes hervorkroch und zur Hauptstadt kam , seine militärische Karriere zu beginnen . Er wurde im Laufe der Zeit Hauptmann in der Garde , heiratete ein Fräulein Viktorine von Zieger , zeugte seinen Sohn Leon , ruinierte den Poppenhof gänzlich und starb , ohne daß durch seinen Tod der Staatsorganismus ins Stocken geraten wäre , im Jahre 1835 . In den zwanziger Jahren hatte der Papa Gotthelf das Zeitliche gesegnet , ohne daß er der Tochter die sorgsame Pflege seiner letzten Tage Dank gewußt hätte . Auch Juliane kam nach der Hauptstadt ; denn auf dem Poppenhofe , unter der Regierung des Bruders , war ihre Stelle nicht mehr . Sie besaß ein Vermögen von zehntausend Talern , doch wurde die Hälfte desselben von dem Bruder zurückgehalten ; sie mußte von der bleibenden Hälfte leben und einen Prozeß gegen Herrn Theodor führen . Erst einige Jahre nach dem Tode des Bruders wurde dieser Rechtsstreit zu ihren Gunsten entschieden . In der Hauptstadt lebte Juliane ganz zurückgezogen ; sie liebte es immer noch , mit den niedern Volksschichten zu verkehren und ihnen nach Kräften mit Rat und Tat zu Hülfe zu kommen . Sie hatte das Unglück , an einem dunkeln Winterabend den Fuß auf einer Leiter , die in eine elende Dachkammer führte , zu brechen ; aber ihr Lebensmut konnte durch nichts gebrochen werden . Sie hinkte durch die Gassen , eine allbekannte und doch geheimnisvolle Persönlichkeit ; von allen Einwohnern der volkreichen Stadt wurde sie vielleicht am meisten gegrüßt . Aus dem Giebel des Nikolausklosters hatte Heinrich Ulex nach dem Tode des Meinersschen Ehepaares sein Observatorium gemacht ; in der Musikantengasse hatte sich Fritz Fiebiger eingerichtet ; sie wurden allmählich ein paar alte Junggesellen , und eine ältliche närrische Jungfer war Juliane von Poppen geworden . In der großen Stadt kann man sich verstecken wie in dem Winzelwalde ; jene hat ihre Schatten , ihre geheimnisvolle Lust und Schauer wie dieser . Wie in dem Winzelwalde fanden sich die drei frühern Genossen zusammen . Sie waren im Leben arg hin und her geworfen worden ; sie suchten nunmehr die Einsamkeit und die Stille . Sie hatten alle viel gelernt ; aber jeder sah die Welt auf seine Weise an ; am kindlichsten war der Idealist Heinrich Ulex geblieben , am nüchternsten war Juliane von Poppen geworden ; der Humorist Fritz Fiebiger bildete das verbindende Mittelglied . In dem Giebel des Sternsehers saßen sie nächtlicherweile , sahen nach den Gestirnen und beredeten den Lauf der Welt ; ihnen hing die Einsamkeit die lichtblaue Seite ihres Schleiers über die Augen . Ein neues junges Geschlecht war um sie her aufgewachsen ; das Weib fühlte am ersten und innigsten das Bedürfnis , mit der Jugend in Verbindung zu bleiben - Juliane hatte sich zur Pflegemutter Helene Wienands gemacht . Das war folgendermaßen gekommen . Um das Jahr 1827 betrat das Freifräulein zum erstenmal das Wienandsche Haus . Sie kam in Geldgeschäften , vergaß aber das Kontor über dem , was sie in dem Hause selbst erblickte . Sie traf es in der allergrößesten Verwirrung und Aufregung . Der Bankier war in Geschäften verreist ; am frühen Morgen war Helene geboren worden , und die Mutter war eine halbe Stunde nach der Geburt gestorben . Die ratlose Dienerschaft lief hin und her . Verwandte besaß der Bankier in der Stadt nicht ; der Doktor Pfingsten selbst war auf dem Punkt , den Kopf zu verlieren . Das Kind schrie in seiner Verlassenheit , die tote Mutter war die einzige Ruhige im Hause . In diesem Wirrwarr erschien das Freifräulein wie ein Engel , gesandt vom Himmel . Nachdem sie den Sachverhalt erkundet hatte , bemächtigte sie sich sofort der Leitung der Dinge , und zwar auf eine Art , welche die höchste Bewunderung verdiente . Ihren Prozeß , ihre Geldnot , ihre jungferliche Stellung , alles vergaß das Fräulein um die unbekannte Tote und das unglückliche Kind . Sie war nur das tröstende , sorgliche , ordnende Weib ; und als der Bankier Wienand zu seinem zerstörten Heimwesen zurückgeeilt war , fand er die tiefste Ruhe und Ordnung hergestellt , fand er sein Kind mit Amme und Wärterin aufs beste versorgt , fand er sein Weib im geschmückten Sarge und das Freifräulein in schwarzer Seide , die Bibel auf den Knien , feierlich ernst neben der Toten . Als der durch das plötzliche Unglück völlig betäubte Mann anfing , sich wieder zu besinnen und das Geschehene zu begreifen , als er dann von dem Doktor Pfingsten vernahm , was er der fremden Dame schuldete , da sah er ein , obgleich er von Herzen so egoistisch wie irgend jemand war , daß er dem Freifräulein auf keine Art jemals sich dankbar genug beweisen könne . Er beteuerte ihr das auch einmal über das andere , Juliane jedoch rümpfte die Nase , sagte : » Dummes Zeug , Albernheit ! « , strich ihr Kleid auseinander und glatt und lud dem Bankier gleichmütig die Beaufsichtigung des großen Prozesses Poppen contra Poppen auf . Das kleine mutterlose Mädchen aber hatte sie unendlich in ihr Herz geschlossen , und es und der Prozeß bewirkten , daß kein Tag verging , ohne daß das Freifräulein in dem Hause des Bankiers erschien , die Leitung von beiden zu besprechen . Der Bankier nahm sich denn auch des Prozesses aufs beste an , sorgte für die tüchtigsten Konsulenten und Advokaten und hatte wirklich an der glücklichen Beendigung desselben einen nicht geringen Anteil . Einen bessern Ersatz für die verlorene Mutter als Juliane von Poppen hätte