mein Held im Leben nie , Wem bangte nicht , sobald er schrie : Kikriki ! Das ist naiv ! sagte Oswald . Nicht wahr ! sagte Primula . Am späten Abend schwärmt er nie , Doch munter ist er Morgens früh , Drum haßt ihn auch das faule Vieh . Kikriki ! Für ' s Liebchen scheut er keine Müh ' , Bald kratzt er dort , bald kratzt er hie , Und fand er was , so ruft er sie : Kikriki ! Und ist mein Held auch kein Genie , Und sein Gesang nicht Poesie , So stimmt mich doch , ich weiß nicht wie , Sein Kikriki ! Nun , was sagen Sie , lieber Freund ? Was soll ich sagen , erwiderte Oswald , als daß Sie Ihre Absicht vollkommen erreicht haben . Der Hörer glaubt sich auf den Hühnerhof versetzt . Die Töne , die Sie hier anschlagen , sind wahre Naturtöne , aus dem Herzen der Dinge heraus . Das Gedicht ist ein kleines Meisterstück im modern realistischen Geschmack . Aber jetzt , verehrte Frau , eine Bitte : Wie sehr es den Werth der Gedichte auch erhöht , sie aus dem wohllautenden Munde der Dichterin zu hören - ich möchte mir den Eindruck dieses letzten Gedichtes nicht gern verwischen lassen . Was auch noch kommen mag , dies war die Grenze des Erreichbaren . Nur dieses Eine müssen sie mir noch erlauben . Es bildet mit den beiden andern gleichsam eine Trilogie , ein Summarium dessen , was ich den Thieren abgelauscht . Darf ich beginnen ? Bitte ! An einen Maikäfer , der auf dem Rücken lag . O Du Bacchant der lust ' gen Maiennacht ! Hast Du geschwelget in den Blüthendüften , Hast Du gebadet in den weichen Lüften Vom Abend , bis der neue Tag erwacht ? Und hast des Lebens Kürze nicht bedacht ? Nicht : wie so bald in dunklen Grabesgrüften Ruh ' n zarte Knöchel , ach ! und üpp ' ge Hüften , Und Lippen , die nur eben keck gelacht ? Jetzt liegst Du matt auf Deinem Flügelschild . Ich lese stumm in Deinen ernsten Zügen , Und dunkle Runen seh ' ich dort geschrieben . Ach ! nur ein Taumel war Dein bestes Lieben ! Drum , die Du liebtest , mußten Dich betrügen , Des Maies Käfer , falscher Liebe Bild . Die schöne Vorleserin war zu Ende . Da tönte in das entzückte Schweigen , in welches Oswald versunken schien , und Primula jedenfalls versunken war , das Rollen eines Wagens , der denn auch alsbald vor dem Hause still hielt . Frau Pastorin , Frau Pastorin ! schrie das Dienstmädchen mit ängstlichen Tönen in den Garten hinein . Oswald athmete auf . Hier kam Besuch und mit dem Vorlesen war es auf alle Fälle vorbei . Vielleicht konnte er auch seinem Besuch bei dieser Gelegenheit ein Ende machen . Es sind Plüggens , liebe Gustava , sagte der Pastor , der durch die Gartenhecke den Wagen recognoscirt hatte . Die gnädige Frau und zwei Fräulein Töchter . Willst Du nicht eilen - Entschuldigen Sie mich , werther Gastfreund , sagte die Dichterin , eiligst das Buch schließend ; aber Sie wissen , so oft wir versuchen , einen kühneren Flug zu nehmen - Frau Pastorin , Frau Pastorin ! schrie es immer ängstlicher von der Gartenthür her . Ich komme ! rief die verstörte Primula und eilte den sonnebeschienenen Gartenweg entlang dem Hause zu . Wollen wir nicht ebenfalls - sagte der Pastor . Entschuldigen Sie mich , wenn ich bitte , mich jetzt entfernen zu dürfen , unterbrach ihn Oswald . Aber weshalb , lieber Freund ? Frau von Plüggen ist eine höchst vortreffliche Dame und die Töchter , wenn auch nicht schön - Und wären sie schön wie die Engelein , ich müßte auf das Vergnügen verzichten , sie jetzt zu sehen . Adieu , adieu ! Entschuldigen Sie mich bei Ihrer Gemahlin ! Nicht wahr , die Pforte dort ist nicht verschlossen ? Und damit eilte Oswald von dem Pfarrer , der viel zu gut von sich und seiner Primula dachte , als daß er den eiligen Rückzug des Gastfreundes nicht einzig aus dessen Scheu , mit der unbekannten hochadeligen Familie zusammenzutreffen , hätte erklären sollen , fort aus dem Garten durch die Pforte auf die Dorfstraße , von der Dorfstraße hinaus auf die Felder ; und gönnte sich nicht eher Rast , als bis die Bäume des Waldes , hinter welchem , wie er wußte , das Gut Melitta ' s lag , über seinem Haupte sich wölbten . Elftes Capitel Der Waldweg , auf dem jetzt Oswald leicht und fröhlich dahinschritt , schien wenig betreten und noch weniger befahren . Im Winter mochte es ein verzweifelter Weg sein , desto schöner und poetischer war er nun im Sommer . Hier und da wucherten Gras und Lattig von einem der schlecht gehaltenen Gräben bis zum andern quer drüber hin ; an manchen Stellen überwölbten ihn die hohen Buchen und Eichen mit ihren breiten Kronen . Je tiefer Oswald in die grüne Wildniß drang , desto heimlicher und stiller wurde es um ihn her - so heimlich und still , daß er in dem Liede , welches er vorhin lustig angestimmt hatte , plötzlich abbrach , als fürchtete er , den Wald im Schlaf zu stören . Denn in dieser heißen Nachmittagssonne schläft der Wald . Das grüne Blättermeer rauscht nicht in schwellenden Wogen ; still und unbeweglich trinkt es die Gluth der Sonne . Kaum , daß es hier oder dort leise in einem der Bäume raschelt . Das erweckt dann wohl einen oder den anderen der schlafenden Nachbarn , oder sie raunen nur dem Störenfried zu , daß jetzt keine Zeit zum Plaudern sei , und träumen weiter . Die Vögel harren , im dichtesten Laube versteckt , der Abendkühle . Das Weibchen schlummert auf dem Nest über den halbflüggen Jungen ; das Männchen