werden meine Bitten auch den meinigen leicht erweichen . Und wenn ich auch Dir folgen wollte - gleich wäre es ja doch nicht möglich - - und sobald mein Vater weiß , daß Du wieder hier , läßt er mich gleich einer Gefangenen bewachen , daß jedes Entkommen unmöglich . Und denke , wenn man uns verfolgte , entdeckte - dann hätten wir für immer die Hoffnung verscherzt , daß die Väter uns gewährten , was wir frevelhaft ihnen und der Sitte trotzend , uns erzwingen wollten . Dann bliebe mir nur das Kloster ! - Horch , ich höre Draußen kommen , gieb mir noch einen Kuß zum Zeichen , daß Du mir nicht zürnst - und dann wollen wir in Gegenwart der Andern uns der Stunden freuen , die uns noch vergönnt sind , nebeneinander zu verweilen . « Wie hätte er nicht versöhnt sein , im Innern den edleren Sinn der Jungfrau erkennen und ihr zustimmen sollen , ja sie um so höher ehren , daß sie seinen verführerischen Bitten widerstand , wenn auch seine sinnlichere Natur es anders verlangen mochte ? Es war gut , daß die Eintretende nur Elisabeth war , weil sie das Paar noch mit vereinten Lippen sah . Stephan ergriff Elisabeth ' s Hand , indeß Ursula in ein kleines Nebengemach entschlüpfte , um ihr in Verwirrung gerathenes Haar zu ordnen , und sagte : » Ihr nehmt alles Edle , Hohe und Schöne in Euren Schutz : die Künstler wie die Gelehrten und die Dichter - und so auch ein liebendes Paar , dem man keine Zufluchtsstätte lassen will . Euch , hohe Frau , danke ich dies glückliche Wiedersehen und vertraue ferner die Geliebte Eurer Huld . « » Werdet Ihr jetzt hier in Nürnberg bleiben ? « fragte Elisabeth ; » ich möchte Euch rathen , was Ihr schon jetzt gethan , noch einmal und freudiger zu versuchen , seit Ihr Euch auf ' s Neue von Ursula ' s Liebe überzeugt hab ' t. Nicht um sie zu vergessen , sondern um sie zu verdienen , möcht ' ich Euch in der Fremde wissen . Wenn Ihr Thaten thut oder Geschäfte leitet , welche Euch den Beifall Eures Herrn Vaters erwerben müssen und unabhängig von ihm machen , so erwerbt Ihr Euch auch vielleicht als Lohn seine Einwilligung - oder das Recht , sie zu erzwingen . « » O Ihr hab ' t Recht , « rief Stephan , » Ihr les ' t in meinem Innern ; ich dürste längst danach , etwas Großes , ein kühnes Unternehmen zu vollbringen , um mir Ursula dadurch zu verdienen , wie die Ritter der Heldengedichte mit Drachen oder Legionen von Feinden kämpften zur Ehre ihrer Dame , und dann erst des süßen Minnelohns sich würdig fühlten . « Ueber Elisabeth ' s Züge flog das ihr eigenthümlich höhnische Lächeln . Sie kannte diese sybaritisch gewöhnten Patriziersöhne , die wohl einmal ihre Kraft an ein verliebtes Abenteuer wagten , aber selten zu einem ernsten Streben sich ermannten . Sie dachte , daß Stephan diese Antwort doch nur gab , um nicht durch ihre Worte beschämt zu sein , und daß er wohl in diesem Augenblick so fühlen möge , aber daß von solchen schönen Empfindungen noch lange nicht auf ihre Ausdauer zu einer edlen Wirksamkeit zu schließen sei . Sie antwortete ihm jedoch in feiner Zustimmung , aber bald war dies Zwiegespräch durch den Eintritt Christoph Scheurl ' s unterbrochen , welcher kam , um die Damen zu Tafel zu führen . Er begrüßte Stephan freundlichst , nahm dann den Arm der wieder zurückgekommenen Ursula , indeß Elisabeth den ihrigen in den Stephan ' s legte . So gingen sie auf weichen Teppichen durch weite Corridore in ein abgelegeneres Prunkgemach , das mit fürstlicher Pracht eingerichtet war . Hier fanden sie noch einige Herren , Elisabeth ' s Brüder , den Propst Anton Kreß , Herrn Martin Ketzel und einige andere Genannte . Sie nahmen an der reichbesetzten Tafel Platz . Man speiste nur von silbernen Tellern , die köstlichsten Gerichte aus silbernen Schüsseln und trank Wein von Cypern oder dem vaterländischen Rheingewächs zur Auswahl aus goldenen Pokalen von zierlich getriebener Arbeit . In der Mitte als Tafelaufsatz standen zwei hohe Figuren von getriebenem Kupfer , aber versilbert , welche Wasser aus einem in der Mitte befindlichen hohen Bassin schöpften , aus dem eine Fontaine in die Höhe sprang . Wer Wasser zu trinken begehrte , der hielt seinen Becher hin , und die eine der schöpfenden Figuren , der Herr oder die Dame , gossen es hinein . Man lobte und bewunderte das Kunstwerk , obwohl damals ähnliche Automaten , Druck- und Uhrwerke keine Seltenheit waren , und in den Häusern der Reichen und Kunstfreunde nicht fehlen durften , und Scheurl sagte : » Ich habe es bei dem Harfenspieler Hans Frey machen lassen , der in diesen Dingen ein sehr kunsterfahrener Mann ist . « » Nicht wahr , « sagte der Propst , » er hat ein eigenes Haus auf der Zisselgasse und eine sehr hübsche Tochter Agnes ? « » Ei , « lächelte Scheurl , » Euer Hochwürden merkt sich doch gleich die Häuser an den hübschen Mädchen , die darinnen wohnen . « » Nun , nun , « antwortete der Propst schmunzelnd , » die Agnes ist noch ein kleines Dingelchen von zwölf Jahren , und ich bewundere mehr noch als ihr kluges niedliches Gesicht ihren Fleiß , denn man kann nie dort vorüber gehen , ohne sie die Spindel emsig drehen zu sehen . « Indeß wandte sich Elisabeth an Martin Ketzel , einen älteren mittelgroßen Mann mit wettergebräuntem Gesicht , in dessen Zügen etwas von bigotter Gedrücktheit und kühner Unternehmungslust sonderbar miteinander contrastirte , und sagte : » Ihr hab ' t uns noch wenig von Eurer Reise in ' s gelobte Land erzählt , da Ihr doch heute zum ersten Male in unserer Gesellschaft seid und nur erst wenige