Tür ging in einen großen Saal . Auf der Schwelle , an der der Tuchstreifen , welcher über die Treppe empor lag , endete , standen wieder Filzschuhe . Da wir jeder ein Paar derselben angezogen hatten , gingen wir in den Saal . Er war eine Sammlung von Marmor . Der Fußboden war aus dem farbigsten Marmor zusammengestellt , der in unseren Gebirgen zu finden ist . Die Tafeln griffen so ineinander , daß eine Fuge kaum zu erblicken war , der Marmor war sehr fein geschliffen und geglättet , und die Farben waren so zusammengestellt , daß der Fußboden wie ein liebliches Bild zu betrachten war . Überdies glänzte und schimmerte er noch in dem Lichte , das bei den Fenstern hereinströmte . Die Seitenwände waren von einfachen , sanften Farben . Ihr Sockel war mattgrün , die Haupttafeln hatten den lichtesten , fast weißen Marmor , den unsere Gebirge liefern , die Flachsäulen waren schwach rot , und die Simse , womit die Wände an die Decke stießen , waren wieder aus schwach Grünlich und Weiß zusammengestellt , durch welche ein Gelb wie schöne Goldleisten lief . Die Decke war blaßgrau , und nicht von Marmor , nur in der Mitte derselben zeigte sich eine Zusammenstellung von roten Ammoniten , und aus derselben ging die Metallstange nieder , welche in vier Armen die vier dunkeln , fast schwarzen Marmorlampen trug , die bestimmt waren , in der Nacht diesen Raum beleuchten zu können . In dem Saale war kein Bild , kein Stuhl , kein Geräte , nur in den drei Wänden war jedesmal eine Tür aus schönem dunklem Holze eingelegt , und in der vierten Wand befanden sich die drei Fenster , durch welche der Saal bei Tag beleuchtet wurde . Zwei davon standen offen , und zu dem Glanze des Marmors war der Saal auch mit Rosenduft erfüllt . Ich drückte mein Wohlgefallen über die Hinrichtung eines solchen Zimmers aus , den alten Mann , der mich begleitete , schien dieses Vergnügen zu erfreuen , er sprach aber nicht weiter darüber . Aus diesem Saale führte er mich durch eine der Türen in eine Stube , deren Fenster in den Garten gingen . » Das ist gewissermaßen mein Arbeitszimmer , « sagte er , » es hat außer am frühen Morgen nicht viel Sonne , ist daher im Sommer angenehm , ich lese gerne hier , oder schreibe , oder beschäftige mich sonst mit Dingen , die mir Anteil einflößen . « Ich dachte mit Lebhaftigkeit , ich könnte sagen , mit einer Art Sehnsucht auf meinen Vater , da ich diese Stube betreten hatte . In ihr war nichts mehr von Marmor , sie war wie unsere gewöhnlichen Stuben ; aber sie war mit altertümlichen Geräten eingerichtet , wie sie mein Vater hatte und liebte . Allein die Geräte erschienen mir so schön , daß ich glaubte , nie etwas ihnen Ähnliches gesehen zu haben . Ich unterrichtete meinen Gastfreund von der Eigenschaft meines Vaters , und erzählte ihm in kurzem von den Dingen , welche derselbe besaß . Auch bat ich , die Sachen näher betrachten zu dürfen , um meinem Vater nach meiner Zurückkunft von ihnen erzählen und sie ihm , wenn auch nur notdürftig , beschreiben zu können . Mein Begleiter willigte sehr gerne in mein Begehren . Es war vor allem ein Schreibschrein , welcher meine Aufmerksamkeit erregte , weil er nicht nur das größte , sondern wahrscheinlich auch das schönste Stück des Zimmers war . Vier Delphine , welche sich mit dem Unterteil ihrer Häupter auf die Erde stützten und die Leiber in gewundener Stellung emporstreckten , trugen den Körper des Schreines auf diesen gewundenen Leibern . Ich glaubte anfangs , die Delphine seien aus Metall gearbeitet , mein Begleiter sagte mir aber , daß sie aus Lindenholz geschnitten und nach mittelalterlicher Art zu dem gelblich grünlichen Metalle hergerichtet waren , dessen Verfertigung man jetzt nicht mehr zuwege bringt . Der Körper des Schreines hatte eine allseitig gerundete Arbeit mit sechs Fächern . Über ihm befand sich das Mittelstück , das in einer guten Schwingung flach zurückging und die Klappe enthielt , die geöffnet zum Schreiben diente . Von dem Mittelstücke erhob sich der Aufsatz mit zwölf geschwungenen Fächern und einer Mitteltür . An den Kanten des Aufsatzes und zu beiden Seiten der Mitteltür befanden sich als Säulen vergoldete Gestalten . Die beiden größten zu den Seiten der Tür waren starke Männer , die die Hauptsimse trugen . Ein Schildchen , das sich auf ihrer Brust öffnete , legte die Schlüsselöffnungen dar . Die zwei Gestalten an den vorderen Seitenkanten waren Meerfräulein , die in Übereinstimmung mit den Tragfischen jedes in zwei Fischenden ausliefen . Die zwei letzten Gestalten an den hintern Seitenkanten waren Mädchen in faltigen Gewändern . Alle Leiber der Fische sowohl als der Säulen erschienen mir sehr natürlich gemacht . Die Fächer hatten vergoldete Knöpfe , an denen sie herausgezogen werden konnten . Auf der achteckigen Fläche dieser Knöpfe waren Brustbilder geharnischter Männer oder geputzter Frauenzimmer eingegraben . Die Holzbelegung auf dem ganzen Schrein war durchaus eingelegte Arbeit . Ahornlaubwerk in dunkeln Nußholzfeldern , umgeben von geschlungenen Bändern und geflammtem Erlenholze . Die Bänder waren wie geknitterte Seide , was daher kam , daß sie aus kleinem , fein gestreiftem , vielfarbigem Rosenholze senkrecht auf die Axe eingelegt waren . Die eingelegte Arbeit befand sich nicht bloß , wie es häufig bei derlei Geräten der Fall ist , auf der Daransicht , sondern auch auf den Seitenteilen und den Friesen der Säulen . Mein Begleiter stand neben mir , als ich diesem Geräte meine Aufmerksamkeit widmete , und zeigte mir manches , und erklärte mir auf meine Bitte Dinge , die ich nicht verstand . Auch eine andere Beobachtung machte ich , da ich mich in diesem Zimmer befand , die meine Geistestätigkeit in Anspruch nahm . Es kam mir nämlich vor , daß der Anzug meines Begleiters nicht mehr so seltsam sei , als er