auf . Dann ging er Hand in Hand mit der Schwester das Dorf hinaus und Barfüßele suchte ihn zu erheitern , indem sie sagte : » Weißt du noch , was ich dir da beim Backofen für ein Räthsel aufgegeben habe ? « » Nein ! « » Besinn ' dich : was ist das Beste am Backofen ? Weißt ' s nicht mehr ? « » Nein ! « » Das Beste am Backofen ist , daß er das Brod nicht selber frißt . « » Ja , ja , du kannst lustig sein , du bleibst daheim . « » Du hast ' s ja gewollt , und du kannst auch lustig sein ; wolle du nur recht . « Still geleitete sie ihren Bruder bis auf den Holderwasen , dort beim Holzbirnenbaum sagte sie : » Hier wollen wir Abschied nehmen . Behüt ' dich Gott und fürcht ' dich vor keinem Teufel . « Sie schüttelten sich wacker die Hände und Dami ging Hirlingen zu , Barfüßele nach dem Dorf . Erst unten am Berg , wo Dami sie nicht mehr sehen konnte , wagte sie es , die Schürze aufzuheben und sich die Thränen abzutrocknen , die ihr die Wangen herabrollten , und laut vor sich hin sagte sie : » Verzeih ' mir ' s Gott , daß ich das von dem Allein auch gesagt hab ' ; ich danke dir , daß du mir einen Bruder gegeben hast . Laß mir ihn nur , so lang ich lebe . « Sie kehrte in ' s Dorf zurück , es kam ihr leer vor , und in der Dämmerung , als sie die Kinder des Rodelbauern einwiegte , konnte sie nicht ein einziges Lied über die Lippen bringen , während sie sonst immer sang wie eine Lerche . Sie mußte immer denken , wo jetzt ihr Bruder sei , was man mit ihm rede , wie man ihn empfange , und doch konnte sie sich das nicht vorstellen . Sie wäre gern hingeeilt und hätte gern allen Menschen gesagt , wie gut er sei und daß sie gegen ihn auch gut sein mögen ; aber sie tröstete sich wieder , daß Niemand ganz und überall für den Andern sorgen könne . Und sie hoffte , es würde ihm gut thun , daß er sich selber forthelfe . Als es schon Nacht war , ging sie in ihre Kammer , wusch sich auf ' s Neue , zöpfte sich frisch und kleidete sich nochmals an , als ob es Morgen wäre ; und mit dieser seltsamen Verdoppelung des neuen Tages begann ihr fast nochmals ein neues Erwachen . Als Alles schlief , ging sie noch einmal hinüber zur schwarzen Marann ' und ohne Licht saß sie Stundenlang bei ihr am Bett in der dunklen Stube ; sie sprachen davon wie das sei , wenn man einen Menschen draußen in der Welt habe , der doch ein Stück von Einem sei , und erst als die Marann ' eingeschlafen war , schlich sich Barfüßele davon . Sie nahm aber noch den Kübel und trug Wasser für die Marann ' und legte das Holz auf den Herd und so geschichtet , daß es am andern Morgen nur angezündet zu werden brauchte . Dann erst ging sie nach Hause . Was ist Wohlthätigkeit , die in Geldspenden besteht ? Eine in die Hand gelegte fremde Kraft , die wiederum von ihr entäußert wird . Wie anders ist es , die eingeborne Kraft selbst einzusetzen , ein Stück Leben hinzugeben und noch dazu das einzige das verblieben ist . Die Stunden der Ruhe , die Sonntagsfreiheit , die Barfüßele gegeben war , opferte sie alle der schwarzen Marann ' und sie ließ sich dabei noch zanken und schelten , wenn sie Etwas gegen die Gewohnheit der Eigenbrätlerin gethan hatte ; und es fiel ihr nicht ein , dabei zu denken oder zu sagen : wie könnt ' Ihr mich noch zanken und schelten über etwas was ich Euch schenke ? Ja sie wußte kaum mehr daß sie es that . Nur wenn sie an Sonntagsabenden bei der Vereinsamten still vor dem Hause saß und zum Tausendstenmale gehört hatte , welch ein schmucker Bursch der Johannes am Sonntag gewesen sei und wenn dann die jungen Burschen und Mädchen durch das Dorf zogen und allerlei Lieder sangen , da wurde sie etwas davon gewahr , daß sie hier saß und ihre Lustbarkeit opferte und sie sang leise vor sich hin die Lieder mit , die von den Wandelnden im Verein gesungen wurden ; aber wenn sie die Marann ' ansah , hielt sie inne und sie dachte darüber nach , wie es doch eigentlich gut wäre , daß der Dami nicht mehr im Dorf sei . Er war nicht mehr die Zielscheibe allgemeiner Neckerei und wenn er zurückkam , war er gewiß ein Bursch vor dem alle Respekt haben mußten . An Winterabenden , wenn im Hause des Rodelbauern gesponnen und gesungen wurde , da allein durfte Barfüßele mitsingen , und obgleich sie einen hellen , lauten Ton hatte , ließ sie sich doch dazu herbei , fast immer die zweite Stimme zu singen . Die Rosel , des Rodelbauern noch ledige Schwester , die um ein Jahr älter als Barfüßele war , sang immer die erste Stimme , und es verstand sich von selbst , daß auch die Stimme Barfüßele ' s ihr dienen mußte , wie denn überhaupt die Rosel , eine stolze und schneidige Person , das Barfüßele durchaus als Lastthier im Hause betrachtete und behandelte ; allerdings weniger vor den Leuten als im Geheimen . Und eben weil Barfüßele im ganzen Dorf dafür angesehen war , daß sie im Hauswesen des Rodelbauern wacker angriff und Alles in Stand hielt , war es eine Hauptangelegenheit der Rosel , sich bei den Leuten zu berühmen , wie viel Geduld man mit dem Barfüßele haben müsse ; wie ihm die Gänsehirtin in allen Stücken nachginge , und wie sie es